Sparen, finanzieren, investieren: Die neue EZB-Entscheidung verändert die Rahmenbedingungen.
Bildquelle: Karl-Josef Hildenbrand / dpaEs ist ein Schritt, den viele Experten erwartet haben: Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt den Leitzins um einen Viertelpunkt an. Damit liegt er bei 2,5 Prozent, dem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Der Leitzins ist der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen oder überschüssiges Geld dort anlegen können.
Die Zinspolitik von EZB-Chefin Christine Lagarde wirkt sich auf Sparzinsen, Kredite und Investitionen aus.
Bildquelle: Michael Probst / dpaFür Sparer kann sich das zu einer guten Nachricht entwickeln. Der Zinssatz für Tages- oder Festgeldkonten könnte steigen. Schon jetzt umwerben viele Banken Neukunden mit hohen Aktionszinsen. Eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox von über 800 Banken und Sparkassen zeigt: Bei einzelnen Banken sind kurzzeitig Zinssätze von mehr als vier Prozent möglich.
Bereits Anfang Juni war der Leitzins von der EZB angehoben worden. Bestandskunden haben davon bislang nur eingeschränkt profitiert. Der Verivox-Analyse zufolge hat sich nur bei 20 Prozent der Tagesgeldangebote der Zinssatz für Bestandskunden erhöht. Gleichzeitig sinken bei vielen Neukundenangeboten die Zinsen schon nach ein paar Monaten wieder.
"Wer nicht so oft wechseln möchte, achtet beim Zinsvergleich deshalb am besten auf attraktive Bestandskundenzinsen." Oliver Maier, Geschäftsführer Vergleichsportal Verivox
Was heißt das für den Immobilienmarkt?
Auf der anderen Seite könnten durch die Entscheidung der EZB die Zinsen für Kredite steigen, zum Beispiel für Hauskäufer oder Immobilienbesitzer. Wer eine klassische Baufinanzierung mit einer Zinsbindung von zehn oder 20 Jahren abgeschlossen hat, muss sich zunächst keine Sorgen machen. Die monatliche Rate bleibt gleich.
Trotz der jüngsten EZB-Entscheidung bleiben Immobilienfinanzierungen teuer.
Bildquelle: IMAGO/Panama PicturesAnders sieht es bei variablen Immobilienkrediten aus, hier schlagen Zinserhöhungen der EZB relativ schnell durch. Und: Wer gerade eine Immobilie oder ein Haus finanzieren will, könnte von kleineren Zinsänderungen betroffen sein. Laut den Daten des Baufinanzierungsvermittlers Dr. Klein liegt der durchschnittliche Bauzins momentan bei rund 3,9 Prozent.
Experten gehen allerdings davon aus, dass er sich in den kommenden Wochen nicht erheblich verändern wird. Das hängt auch damit zusammen, dass sich der Bauzins in der Regel eher an den Renditen zehnjähriger Bundesanleihen orientiert - und die sind in den letzten Wochen schon stark gestiegen. Anders gesagt: Die Leitzinserhöhung ist schon ein Stück weit eingepreist:
"Der allgemein erwartete Zinsschritt der EZB dürfte die Bauzinsen deshalb kaum noch bewegen." Dirk Eilinghoff, Immobilienexperte Ratgeber Finanztipp
Verlieren Aktien an Attraktivität?
Für die Börsen sind steigende Zinsen meist keine gute Nachricht. Denn Alternativen zu Aktien werden attraktiver, zum Beispiel Tages- oder Festgeldkonten. Hier können Anleger mit vergleichsweise sicheren Anlagen ordentliche Renditen erzielen, ohne die Kursschwankungen von Aktien in Kauf nehmen zu müssen.
Gleichzeitig können steigende Kosten für Kredite auch Unternehmen zu schaffen machen. Denn es besteht die Gefahr, dass höhere Kreditkosten Umsätze und Gewinne drücken und das zu niedrigeren Aktienkursen führt. So zumindest in der Theorie. Praktisch sind die tatsächlichen Auswirkungen auf den Aktienmarkt schwer vorherzusehen. Einen Grund Anlagestrategien grundsätzlich zu überdenken gibt es bislang nicht:
"Ich würde trotz der Zinsentscheidung niemandem raten, ganz auf Aktien zu verzichten. Vor allem jüngeren Sparern, die noch lange Zeit von den durchschnittlichen Renditen profitieren können." Max Schmutzer, Finanzexperte Stiftung Warentest
Wie geht es weiter?
Diese Zinserhöhung der EZB könnte nicht die letzte in diesem Jahr gewesen sein. Bereits im Dezember könnte es noch einmal ein Stück hinauf gehen, alles mit dem Ziel: Die Inflation in der Eurozone unter Kontrolle zu behalten. Einige Finanzmarkt-Experten erwarten, dass der Leitzins bis auf drei Prozent steigen könnte.
Dafür spricht, dass der Konflikt zwischen den USA und Iran in der Straße von Hormus weiter anhält. Das beeinträchtigt die Lieferung von Öl und Gas erheblich und lässt die Preise steigen.
Dagegen spricht, dass sich die Leitzinserhöhung immer mit etwas zeitlicher Verzögerung auf Investitionen und die Preisentwicklung auswirkt. Es ist also nicht zwangsläufig so, dass die EZB immer weiter nachlegen muss.
Unsere Quellen:
- Informationen der Verbraucherzentrale
- Gespräch mit Max Schmutzer, Stiftung Warentest
- Finanz-Ratgeber Finanztipp
- Daten Baufinanzierungsvermittler Dr. Klein
- Kurzanalyse Vergleichsportal Verivox
Sendung: WDR.de, Gut für Sparer, schlecht für Schuldner– Zinsen steigen wieder, 10.09.2026, 15:02 Uhr
