Arbeitgeber warnen vor der Krise, die IG Metall sieht Lichtblicke. Nun beginnt die Tarifrunde.
Bildquelle: Jens Büttner / dpaMitten in der Krise : Metall- und Elektroindustrie vor harter Tarifrunde
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Die Metall- und Elektroindustrie steckt in der Krise. Die Gewerkschaft IG Metall sieht Zeichen für deutlich bessere Geschäfte, der Arbeitgeberverband malt dagegen ein eher schwarzes Bild. Das könnte für eine turbulente Tarifrunde sprechen. Ihre Lohnforderung für die bundesweit über 3,7 Millionen Beschäftigten wird die IG Metall am kommenden Mittwoch beschließen.
Aus Sicht der Unternehmen ist die Lage in der Metall- und Elektroindustrie dramatisch. Wachsende internationale Konkurrenz macht der Branche zu schaffen und kostet Marktanteile. Die Energiekosten sind im Vergleich zu Konkurrenten im Ausland hoch - und die Firmen klagen über Bürokratielasten. Das ist auch das Ergebnis von Umfragen unter NRW-Unternehmerinnen und -Unternehmern, sagt Arndt Kirchhoff, Präsident des Arbeitgeberverbandes in Nordrhein-Westfalen.
"Die Situation in der Industrie insgesamt ist sehr schwierig in Deutschland, weil wir keine wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen haben." Arndt Kirchhoff, Präsident Unternehmer NRW
Wenig Hoffnungszeichen laut Arbeitgeberverband
Die Produktionsanlagen seien mit knapp 80 Prozent viel zu schwach ausgelastet. Die Folge: Die Investitionen in der Branche liegen auf einem historischen Tiefstand. Und das bedrohe auch immer mehr Arbeitsplätze. Aktuell gingen bei den nordrhein-westfälischen Metall- und Elektrobetrieben pro Monat 2.700 Arbeitsplätze verloren.
Die Aufträge hätten in den vergangenen Monaten insgesamt wieder etwas angezogen, meint der NRW-Arbeitgeberverband. Aber das liege vor allem daran, dass es beim sogenannten sonstigen Fahrzeugbau gerade richtig gut laufe - also den Herstellern von Schiffen, Schienenfahrzeugen, Flugzeugen und von entsprechenden Bauteilen. In allen anderen Bereichen der Industrie seien die Aufträge in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich zurückgegangen. Die Arbeitgeber vergleichen die aktuelle Auftragslage mit der im Jahr 2018 - aus ihrer Sicht das für die Branche "letzte gute Jahr".
Gewerkschaft: Lage hellt sich auf
Deutlich weniger schwarz sieht die Gewerkschaft IG Metall. In fast allen Bereichen der Branche zeige der Trend nach oben - gerade in der Elektroindustrie und bei Rüstungsherstellern. Die IG Metall stützt sich dabei auf eine aktuelle Umfrage unter Betriebsrätinnen und -räten: Über 60 Prozent bewerten die Auslastung der Fabriken als gut oder sehr gut. Und fast genauso viele sprechen für das kommende halbe Jahr von guten oder sehr guten Geschäftsaussichten.
Die Situation der Metall- und Elektroindustrie sei international nicht einfach - durch die Zölle von US-Präsident Donald Trump und die Konkurrenz aus China, sagt die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. Aber es gebe "Gründe für vorsichtigen Optimismus".
"Die Wirtschaftsdaten sind positiver, als es das rückwärtsgewandte Gejammer vieler Arbeitgeber glauben macht. Wir lassen es nicht zu, wenn der Standort und die Beschäftigten schlechtgeredet werden." Christiane Benner, Vorsitzende IG Metall
Mit anderen Worten: Höhere Löhne seien in weiten Teilen der Metall- und Elektroindustrie durchaus drin. Und mehr Geld für die Beschäftigten könne auch der schwachen Konjunktur auf die Sprünge helfen, weil die höheren Löhne in den Konsum flössen. Dennoch: Die Gewerkschaft hat sich schon auf eine eher "moderate" Lohnforderung eingestimmt.
Mit "moderater" Forderung zu rechnen
Die IG Metall stützt sich dabei auf eine Umfrage unter den Beschäftigten der Branche. Knapp die Hälfte der Befragten halten demnach eine "moderate Entgelterhöhung" für angemessen. Nur ein gutes Drittel spricht sich dafür aus, dass die Löhne "kräftig" steigen sollen. Der Rest der Befragten ist noch bescheidener - und hält nur eine "kleine" oder sogar "keine" Lohnerhöhung für angemessen.
"Moderat heißt aber nicht: nichts", stellt IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski klar. Die Herausforderung sei es jetzt, eine passgenaue Forderung zu finden. Damit bei den Unternehmen, denen es gerade blendend geht, nicht "die Sektkorken knallen" - und andererseits Betriebe in der Krise nicht überfordert werden. Am kommenden Mittwoch wird der IG-Metall-Vorstand die Forderung beschließen und verkünden.
"Wir gehen selbstbewusst in diese Tarifbewegung, weil wir alles berücksichtigen werden: von sicherer Beschäftigung in Krisenunternehmen bis hin zur fairen Beteiligung der Beschäftigten an betrieblichen Gewinnen." Nadine Boguslawski, Tarif-Vorständin IG Metall
Möglicher Konflikt um Arbeitszeit
Von der Höhe der Forderung wird abhängen, mit welcher Gegenforderung der Metallarbeitgeberverband in die Tarifrunde startet. Noch mehr Flexibilität für die Betriebe wünscht sich NRW-Unternehmerchef Arndt Kirchhoff. Aktuell können Unternehmen in der Krise bereits vom Tarifvertrag abweichen - und zum Beispiel bestimmte Lohnbestandteile vorübergehend nicht auszahlen. Von solchen Öffnungsklauseln könnten die Arbeitgeber noch mehr fordern.
Die 35-Stunden-Woche gilt für die IG Metall als rote Linie in der kommenden Tarifrunde.
Bildquelle: Thomas Banneyer / dpaIm Südwesten Deutschlands wird diese Diskussion schon deutlich heftiger geführt - im Zusammenhang mit den Sparprogrammen in der Autoindustrie. Zum Beispiel Mercedes: Hier hat das Management zum Kostensparen eine 40-Stunden-Woche ins Gespräch gebracht - ohne höheres Gehalt. Die in der Metall- und Elektrobranche geltende 35-Stunden-Woche hatte die IG Metall über viele Jahre erstritten. Laut IG-Metall-Chefin Christiane Benner ein "Mega-Symbol", um das die Gewerkschaft mit allen Mitteln kämpfen würde.
Unsere Quellen:
- Arbeitgeberverband Metall NRW: Pressegespräch zur Tarifrunde
- IG Metall: Pressekonferenz zur Tarifrunde
Sendung: WDR.de, So steht es um die Metall und Elektroindustrie, 19.09.2026, 05:03 Uhr
