Ein Leben für den Korn: Rüdiger Sasse

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WDR 4 Min. 4 Sek. Verfügbar bis 11.03.2037

Von Schöppingen in die Welt Brennerei Sasse setzt auf Innovation

Stand:

Mit Tradition und Qualität hat Rüdiger Sasse seine Kornbrennerei schon einmal komplett neu aufgestellt. Der Wandel geht weiter.

Es duftet nach frischen Kräutern und Zitrusfrüchten in der Remise auf dem Brennereigelände am Ortsrand von Schöppingen. Fünf Testkandidaten sollen einen neu geschaffenen Workshop ausprobieren. Es geht darum, alkoholfreie Drinks zu kreieren. Ein ungewöhnliches Angebot eines Familienbetriebs, dessen Geschäft seit mehr als 300 Jahren Hochprozentiges ist.

Trend: Mehr Event - weniger Alkohol

Kräuterernte bei Sasse

Die Teilnehmer des Workshops suchen sich die Kräuter für ihre alkoholfreien Kreationen zusammen.

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Rüdiger Sasse kombiniert damit zwei Entwicklungen und stellt so schon jetzt ganz langsam die Weichen für die Zukunft des Unternehmens. Zum einen steht das Erleben für viele immer mehr im Mittelpunkt. Schlichte Brennerei-Führungen, das war gestern. Menschen wollen ihren eigenen Gin brennen, einmal selbst Destillateur sein für einen Tag. Sasse bietet solche Workshops an.

Und der Trend geht weg vom Alkohol hin zu leichten oder alkoholfreien Getränken - besonders bei jüngeren Menschen. Alkoholfreies von Sasse steht schon jetzt wie selbstverständlich im Regal des Hofladens direkt neben dem inzwischen bekannten und mehrfach prämierten Lagerkorn, mit dem Sasse als junger Erwachsener einen kompletten Neustart einläutete.

Wenn Sie vor 100 Jahren gekommen wären, dann hätte ich sie begrüßt: Willkommen im Silicon Valley der Alkoholindustrie. Rüdiger Sasse, Geschäftsführer Sasse Feinbrennerei

Neuanfang mit alten Rezepten

Ein Mitarbeiter von Sasse steht vor einem Kessel

Destillateur Hendrik Viefhues vor der gut 150 Jahre alten Brennapparatur.

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Das 1707 gegründete Familienunternehmen stand Mitte der 1980er Jahre vor dem Aus. So erging es vielen Brennereien im Münsterland. Ein Sterben, das sich seit dem staatlichen Branntweinmonopol 1918 hinzog, erklärt Sasse. Der Staat wollte günstigen Alkohol für die chemische Industrie.

Vom Hot-Spot in Europa mit mehr als 700 münsterländischen Brennereien blieb nur eine Handvoll. Der Münsterländer Korn, einst eine Marke wie Irish Whiskey, verlor immer mehr an Bedeutung.

Die zündende Idee

1985 musste Sasses Vater die Brennerei schließen, auch weil er mit den Großunternehmen nicht konkurrieren konnte. Sohn Rüdiger war währenddessen auf bestem Wege, Bankkaufmann zu werden. Dabei gab es doch die alte Tonbandaufnahme, wo Sasse als 7-Jähriger feststellte: "Wenn ich groß bin, helfe ich dem Papa beim Schnaps brennen."

Inhaber Rüdiger Sasse

Inhaber Rüdiger Sasse testet die Qualität seiner Produkte.

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Rüdiger Sasse sollte am Ende Recht behalten. Das ergab sich durch eine uralte Flasche Korn, die in einem Friseursalon auftauchte - hergestellt nach Urgroßvaters Rezept. Ein Geschmackserlebnis! Der nicht mal volljährige Rüdiger Sasse hatte eine Idee, die zur Erfolgsgeschichte werden sollte: Korn brennen wie vor mehr als hundert Jahren.

Das war für uns die Initialzündung: Es doch mal zu versuchen, wie es schon unsere Urgroßväter gemacht haben. Rüdiger Sasse, Geschäftsführer Sasse Feinbrennerei
Sasse Lagerkorn Fässer

Im "Reifugium" lagern die Brände über viele Jahre in Eichenfässern.

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Rund 2.500 Fässer lagern aktuell im "Reifugium". Der Korn reift in Fässern aus ausgewählten Eichenhölzern. Vier, fünf, zehn Jahre lang, bekommt Farbe und ein ganz besonderes Aroma. Dafür gab es schon weltweit Preise, sogar in London einen, der eigentlich dem Whiskey vorbehalten war.

Die wichtigsten Ressourcen: Zeit und Rohstoffe

Zeit ist eine der wichtigsten Ressourcen, um eine qualitativ hochwertige Spirituose zu schaffen, sagt Sasse. Aber auch die Rohstoffe sind entscheidend. Überall, wo es geht, setzt Sasse auf Regionalität.

Das gilt für das Getreide, aus dem der Korn entsteht. Und jetzt auch für seine neuesten Kreationen, die eben auch mal ganz ohne Alkohol daherkommen. Direkt neben der Vertriebshalle in Schöppingen gibt es ganze Kräuteräcker, auf denen das wächst, was den neuesten Schöpfungen Geschmack und Aroma verleiht.

Wir haben eine geschmackliche Vision. Wir wollen als deutlich bessere und elegantere Alternative zum schottischen Whiskey wahrgenommen werden. Rüdiger Sasse, Geschäftsführer Sasse Feinbrennerei
Teilnehmer des Workshops füllen ihre alkoholfreien Drinks ab

Die Teilnehmer des Workshops dürfen sich ihre Drinks abfüllen und mit nach Hause nehmen.

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Auch im aktuellen Event-Workshop sind mit diesen Kräutern ganz eigene alkoholfreie Drinks entstanden. Die Teilnehmer dürfen sie in Flaschen abfüllen und mit nach Hause nehmen. Die Generalprobe ist geglückt. Dieser Workshop wird künftig ins Angebot des Unternehmens aufgenommen.

Von Schöppingen in die Welt

Das Herz von Sasse schlägt aber weiter für den Lagerkorn, den man mittlerweile auch in ausgewählten Bars in Tokio oder New York finden kann. Noch ist der Münsterländer Korn ein Nischenprodukt, aber Sasse will ihm zu seinem alten Glanz verhelfen. Und alles, was es dafür braucht, ist Zeit.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Firmeninhaber Rüdiger Sasse
  • Begleiten diverser Produktionsprozesse bei der Firma Sasse

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 01.06.2026, 19:30 Uhr

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