Trotz Verspätungsrekord : Bahn mit ersten Gewinnen seit sieben Jahren
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Die Bahn hatte im ersten Halbjahr 2026 so viele Verspätungen wie nie zuvor. Trotzdem schreibt sie überraschend schwarze Zahlen - zum ersten Mal seit sieben Jahren. Laut Halbjahresbilanz gab es fast eine Milliarde Fahrgäste und einen dreistelliger Millionengewinn.
Gewinne sind bei der Bahn eine Seltenheit. Verspätungen, Streckensperrungen und kaputte Züge gehören dagegen zum Alltag. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden: Trotz der Negativrekorde fuhren in den vergangenen sechs Monaten so viele Menschen Bahn wie noch nie zuvor. Das sorgt auch für die langersehnten Gewinne, teilte Bahnchefin Evelyn Palla am Donnerstagvormittag mit.
"Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen." Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende Deutsche Bahn
Teurer Sprit lässt Pendler umsteigen
Der seit Ende Februar andauernde Iran-Krieg sorgt seit Monaten für steigende Preise an den Tankstellen. Das heißt; die Kosten für Auto und Flugzeug sind in die Höhe geschnellt, aber die Ticketpreise der Bahn sind konstant geblieben.
Das macht die Schiene gerade für Pendler immer beliebter. Auf diesen Strecken konnte die Bahn im Nah- und Fernverkehr deutlich mehr Tickets verkaufen als im letzten Jahr. Das gilt auch für NRW. So kann zum Beispiel der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr den Bundestrend mit ebenfalls leicht gestiegenen Einnahmen bestätigen.
Sparpreise bringen zusätzlichen Aufschwung
Neben den gestiegenen Spritpreisen sorgen auch die neuen Sonderpreisaktionen der Sommermonate bei der Bahn für mehr Kunden. Nach Angaben des Unternehmens wurde besonders der seit Mai eingeführte Super-Sparpreis "Last Minute" schon jetzt rund 600.000 mal verkauft. Auch das Familienticket und die kostenlose Jugend-BahnCard kurbeln die Verkäufe weiter an.
Baustellen und Verspätungen bleiben ein Problem
Auch wenn mehr Menschen die Bahn nutzten: Die Zahl der Baustellen auf der Schiene bleiben auf Rekordniveau. Für das Jahr 2026 plant der Konzern gemeinsam mit dem Bund 28.000 Baustellen in ganz Deutschland. Auch hier stellt die Bahn wieder einen Rekord auf, sagt Evelyn Palla: „Noch nie haben Bund und Bahn in einem Halbjahr so viel Geld in die Schieneninfrastruktur investiert.“ Das ist auch dringend notwendig, denn die Schiene steht seit Jahren weit unten auf der Investitionsliste von Bund und Ländern.
Um den positiven Trend beizubehalten, schaltet sich nun auch die Politik ein. Der neue Verkehrsminister Bilger kündigte an, sich schnellstmöglich mit Evelyn Palla an einen Tisch setzen zu wollen.
"Gemeinsam mit der Bahn müssen wir daran arbeiten, dass wir schneller besser werden - auch was die Pünktlichkeitswerte anbelangt" Steffen Bilger, Bundesverkehrsminister
Diese "Pünktlichkeitswerte" haben sich nämlich auch in diesem Jahr wieder einmal verschlechtert. So zeigt der Zwischenbericht der Bahn einen neuen Verspätungsrekord sowohl im gesamten Bahnverkehr als auch im Fehrnverkehr.
Erste Sanierung in NRW weitgehend abgeschlossen
Die Pendler zwischon Köln und Hagen mussten von Februar bis Mitte Juli mit erheblichen Verzögerungen und langsamem Schienenersatzverkehr leben. Die Sanierung der zentralen Achse zwischen dem Rheinland und dem Ruhrgebiet gehörte ebenfalls zur Bauoffensive der Deutschen Bahn. Seit dem 10. Juli fahren die Züge wieder - wenn auch mit vielen Startschwierigkeiten. In Zukunft soll die Sanierung für viele pünktliche Züge sorgen.
Unsere Quellen:
- WDR Anfrage Deutsche Bahn
- Zwischenbericht Januar - Juli 2026 der Deutschen Bahn
- WDR Anfrage Verkehrsverbund Rhein-Ruhr
- N-TV Interview mit Verkehrsminister Steffen Bilger
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR 5, "Das Wirtschaftsmagazin", 30.07.2026, 13:35 Uhr