WDR Zeitzeichen

Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

Download? Rechte Maustaste!

Um das Audio herunterzuladen, klicken Sie bitte mit der rechten Maustaste auf "Download". Dann wählen Sie "Ziel speichern unter ..." oder "Link speichern unter ...", um das Audio zu speichern.

Coco Chanel: Mode-Ikone und Nazi-Spionin

Coco Chanel: Mode-Ikone und Nazi-Spionin WDR Zeitzeichen 10.01.2026 14:43 Min. Verfügbar bis 11.01.2099 WDR 5

Chanel (gest. am 10.1.1971) befreit Frauen aus Kleidungszwängen. Um ihr Unternehmen erfolgreich zu machen, umgarnt sie immer wieder Männer - auch Nazis, wenn es sein muss.

In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhardt, dass Gabrielle "Coco" Chanel in einem Waisenhaus nähen lernt, wie sie mit ihrer charmanten Art Männer für ihre Zwecke einsetzt und welche Rolle Winston Churchill in ihrem Leben spielt. Mit ihren weiten Hosen, Matrosenpullovern und Tweed-Kostümen kreiert Coco Chanel einen radikalen Gegenentwurf zu den Rüschen und Spitzen ihrer Zeit. "Eine Frau, die nicht zumindest ein Chanel-Modell besitzt, ist hoffnungslos aus der Mode", schreibt die Modezeitschrift Harper's Bazar 1915, mitten im Ersten Weltkrieg. Das Parfum Chanel No. 5 wird 1921 ihr nächster Coup. Coco Chanel will sich ihren Erfolg auch im Zweiten Weltkrieg nicht nehmen lassen - und kollaboriert mit den in Paris einmarschierten Nationalsozialisten. Nach Kriegsende taucht sie zunächst in der Schweiz unter. Doch die Franzosen vergeben ihrer Stil-Ikone: Coco Chanel stirbt am 10. Januar 1971 als gefeierte Modemacherin in Paris. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Alfons Kaiser, Modejournalist FAZ Jan Björn Potthast, Historiker beim Deutschen Patentamt Hal Vaughn: Coco Chanel - Der schwarze Engel. Ein Leben als Nazi-Agentin. Hamburg 2011 Anne de Courcy: Coco Chanels Riviera. Vom Lieben, Leben und Überleben an der Cote d'Azur. Berlin 2022 Karl Schlögel: Der Duft der Imperien. "Chanel No 5" und "Rotes Moskau", München 2025 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr überall da, wo es Podcasts gibt, auch hier in der ARD Audiothek: https://kurz.wdr.de/podcastpicker-zeitzeichen Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anja Reinhardt Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak


In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Reinhardt:
  • dass Gabrielle "Coco" Chanel vom Vater als Kind in ein Waisenhaus abgeschoben wird,
  • wo sie das Nähen lernt,
  • wie sie im Krieg versucht, ihre jüdischen Miteigentümer loszuwerden,
  • über ihre frühe Bekanntschaft mit Winston Churchill und wie sie diese für ihre Zwecke nutzt.

Mit ihren weiten Hosen, Matrosenpullovern und Tweed-Kostümen kreiert Coco Chanel einen radikalen Gegenentwurf zu den Rüschen, Volants und Spitzen ihrer Zeit. "Eine Frau, die nicht zumindest ein Chanel-Modell besitzt, ist hoffnungslos aus der Mode", schreibt die Modezeitschrift Harper's Bazar 1915, mitten im Ersten Weltkrieg. Das Parfum Chanel No. 5 wird 1921 ihr nächster Coup.

Coco Chanel will sich ihren Erfolg auch im Zweiten Weltkrieg nicht nehmen lassen – und kollaboriert mit den in Paris einmarschierten Nationalsozialisten. Nach Kriegsende taucht sie zunächst in der Schweiz unter. Doch die Franzosen vergeben ihrer Stil-Ikone: Coco Chanel stirbt am 10. Januar 1971 als gefeierte Modemacherin in Paris.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Alfons Kaiser (Modejournalist FAZ)
  • Jan Björn Potthast (Historiker beim Deutschen Patentamt)
  • Hal Vaughn: Coco Chanel - Der schwarze Engel. Ein Leben als Nazi-Agentin, Hamburg 2011
  • Anne de Courcy: Coco Chanels Riviera. Vom Lieben, Leben und Überleben an der Cote d'Azur, Berlin 2022
  • Karl Schlögel: Der Duft der Imperien. "Chanel No 5" und "Rotes Moskau", München 2025

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Anja Reinhardt
Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak

Held in Alkohol: Vize-Admiral Horatio Nelson

Held in Alkohol: Vize-Admiral Horatio Nelson WDR Zeitzeichen 09.01.2026 14:46 Min. Verfügbar bis 10.01.2099 WDR 5

Ein Draufgänger war Horatio Nelson, ein Nationalheld ist er bis heute. Mit 47 Jahren starb er bei Trafalgar - am 9.1.1806 wurde er in St. Paul's Cathedral beigesetzt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember mit welchem patriotischen Lied Horatio Nelson aufwächst, vom harten Weg bei der Navy, den Nelson schon mit zwölf Jahren einschlägt und was man unter dem "Nelson Touch" versteht. Horatio Nelson ist mit 20 Jahren der jüngste militärische Kapitän Großbritanniens. Als 1793 das revolutionäre Frankreich gegen England in den Krieg zieht, wird Nelson zum Helden: 1798 besiegt er vor Alexandria die Flotte Napoleon Bonapartes. Als Napoleon die Invasion Englands plant, stellt Nelson sich auf See entgegen. Südlich von Cadiz stellt seine Flotte die überlegene Seestreitmacht der Verbündeten Frankreich und Spanien. Am 18. Oktober 1805 kommt es nahe des Kaps von Trafalgar zur Schlacht. Der ordenbehängte Nelson präsentiert sich im Inferno des Nahkampfes als leuchtendes Ziel an Deck seines Schiffes. Ein französischer Scharfschütze trifft ihn. Als der Vizeadmiral am Nachmittag stirbt, hat Großbritannien die Schlacht gewonnen. Und einen toten, aber doch unsterblichen Seehelden. So einer darf kein Seemannsgrab erhalten, sondern muss zurück in die Heimat. Angeblich wochenlang eingelegt in einem Fass mit Alkohol. Der Volksheld bekommt am 9. Januar 1806 ein Begräbnis allererster Klasse in der St. Paul's Cathedral. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Jann Markus Witt, Historiker Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember Redaktion: Frank Zirpins Technik: Moritz Raestrup


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • mit welchem patriotischen Lied Horatio Nelson aufwächst,
  • vom harten Weg bei der Navy, den Nelson schon mit zwölf Jahren einschlägt,
  • was man unter dem "Nelson Touch" versteht,
  • welche Seuche der Weltmeere die Royal Navy eindämmt.

Horatio Nelson ist mit 20 Jahren der jüngste militärische Kapitän Großbritanniens. Als 1793 das revolutionäre Frankreich gegen England in den Krieg zieht, wird Nelson zum Helden: 1798 besiegt er vor Alexandria die Flotte Napoleon Bonapartes.

Als Napoleon die Invasion Englands plant, stellt Nelson sich auf See entgegen. Südlich von Cadiz stellt seine Flotte die überlegene Seestreitmacht der Verbündeten Frankreich und Spanien. Am 18. Oktober 1805 kommt es nahe des Kaps von Trafalgar zur Schlacht. Der ordenbehängte Nelson präsentiert sich im Inferno des Nahkampfes als leuchtendes Ziel an Deck seines Schiffes. Ein französischer Scharfschütze trifft ihn.

Als der Vizeadmiral am Nachmittag stirbt, hat Großbritannien die Schlacht gewonnen. Und einen toten, aber doch unsterblichen Seehelden. So einer darf kein Seemannsgrab erhalten, sondern muss zurück in die Heimat. Angeblich wochenlang eingelegt in einem Fass mit Alkohol. Der Volksheld bekommt am 9. Januar 1806 ein Begräbnis allererster Klasse in der St. Paul's Cathedral.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Jann Markus Witt, Historiker

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

René Carmille: Mit Lochkarten gegen Hitler?

René Carmille: Mit Lochkarten gegen Hitler? WDR Zeitzeichen 08.01.2026 14:35 Min. Verfügbar bis 09.01.2099 WDR 5

War er ein Widerstandskämpfer oder ein Bürokrat, der mit Statistik spielte und sich verstrickte? Am 8.1.1886 wurde René Carmille, der Mann mit den Lochkarten, geboren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg wie René Carmille die Historiker Frankreichs spaltet, der "Blitzkrieg" der Deutschen die Franzosen überrascht und warum Carmilles Lochkarten für den französischen Widerstand und die deutschen Besatzer gleichermaßen interessant sind. René Carmille macht im Ersten Weltkrieg in der Spionageabwehr beim Militär Karriere. Die Buchführung der Artillerie ist seine Obsession. Er will der Verschwendung von Geschossen Einhalt gebieten. Politisch ist Carmille zweifellos ein Antikommunist, ein Rechter. Unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg will Carmille mit seinen Lochkarten die Bevölkerung über Personenkennzahlen genau gruppieren. In Lyon nutzt er das zivile Amt für Statistik als Tarnkappe für seine illegale Wehrerfassung. Er beginnt, vorhandene Karteien mit seiner Lochkarten-Technik zu aktualisieren. Gleichzeitig registriert er junge, wehrfähige, patriotisch gesinnte Franzosen. Am 3. Februar 1944 verhaftet die Gestapo Carmille. Nicht sein geheimes Mobilisierungsprojekt ist aufgeflogen, sondern man hat ihn persönlich denunziert. Die Begründung: Er habe Kontakte zu General de Gaulles Widerstand in London und unterstütze terroristische Gruppen. Anfang 1945 stirbt René Carmille in Dachau im Alter von 59 Jahren an Typhus. Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Béatrice Touchelay, Universität Lille, Centre Marc Bloch Tal Bruttmann, Historiker, Forscher über die antijüdischen Maßnahmen während der deutschen Besatzung Frankreichs Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg Redaktion: Sefa Inci Suvak Technik: Christiane Blanke und Petra Laubach


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • wie René Carmille die Historiker Frankreichs spaltet,
  • der "Blitzkrieg" der Deutschen die Franzosen überrascht,
  • warum Carmilles Lochkarten für den französischen Widerstand und die deutschen Besatzer gleichermaßen interessant sind.

René Carmille macht im Ersten Weltkrieg in der Spionageabwehr beim Militär Karriere. Die Buchführung der Artillerie ist seine Obsession. Er will der Verschwendung von Geschossen Einhalt gebieten. Politisch ist Carmille zweifellos ein Antikommunist, ein Rechter.

Unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg will Carmille mit seinen Lochkarten die Bevölkerung über Personenkennzahlen genau gruppieren. In Lyon nutzt er das zivile Amt für Statistik als Tarnkappe für seine illegale Wehrerfassung. Er beginnt, vorhandene Karteien mit seiner Lochkarten-Technik zu aktualisieren. Gleichzeitig registriert er junge, wehrfähige, patriotisch gesinnte Franzosen.

Am 3. Februar 1944 verhaftet die Gestapo Carmille. Nicht sein geheimes Mobilisierungsprojekt ist aufgeflogen, sondern man hat ihn persönlich denunziert. Die Begründung: Er habe Kontakte zu General de Gaulles Widerstand in London und unterstütze terroristische Gruppen. Anfang 1945 stirbt René Carmille in Dachau im Alter von 59 Jahren an Typhus.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Béatrice Touchelay, Universität Lille, Centre Marc Bloch
  • Tal Bruttmann, Historiker, Forscher über die antijüdischen Maßnahmen während der deutschen Besatzung Frankreichs

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Christiane Blanke und Petra Laubach

Tingel-Tangel-Theater: Satire gegen Hitlers Schergen

Tingel-Tangel-Theater: Satire gegen Hitlers Schergen WDR Zeitzeichen 07.01.2026 14:38 Min. Verfügbar bis 08.01.2099 WDR 5

Am 7.1.1931 eröffnet Friedrich Hollaender sein Kabarett, in dem spätere Hollywood-Stars auf der Bühne stehen. Mit Kleinkunst widersetzt er sich den Nazis - bis er fliehen muss.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug von der bewegten Geschichte der Räumlichkeiten schon vor Eröffnung des Tingel-Tangel, dass Friedrich Hollaender schon berühmt ist, als er das Tingel-Tangel eröffnet und mit welchen Waffen Hollaender den großen Gefahren der Welt Widerstand leisten möchte. Nach einem Musikstudium bei Engelbert Humperdinck wird Friedrich Hollaender einer der bedeutendsten Komponisten der Berliner Kabarettszene. Er arbeitet mit Max Reinhardt und Marlene Dietrich zusammen. Sein Lied "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" erlangt im Ufa-Film "Der Blaue Engel" Weltruhm. Berlin, 1931. Braune SA-Uniformen und Hakenkreuzfahnen tauchen im Stadtbild auf. Wirkt das nur ein bisschen bedrohlich? Oder baut sich eine reale Gefahr auf? Friedrich Hollaender will handeln und aufrütteln. Das Tingel-Tangel-Theater, unweit vom Bahnhof Zoo, soll sein Sprachrohr sein. Kein Ort, an dem sich die Mächtigen in ihren eigenen Logen feiern lassen, sondern ein Ort, an dem ihnen auch mal wehgetan wird. Es geht gut los. Sehr gut. Friedrich Hollaender muss Deutschland 1933 verlassen. 1935, knapp zwei Jahre nach seiner Flucht und Hitlers Machtübernahme, schließt das Tingel-Tangel-Theater für immer. Und wird bald vergessen. Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Thimo Butzmann, Betriebstechniker und Archivbeauftragter für das Theater des Westens. Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins Technik: Holger Maerten


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • von der bewegten Geschichte der Räumlichkeiten schon vor Eröffnung des Tingel-Tangel,
  • dass Friedrich Hollaender schon berühmt ist, als er das Tingel-Tangel eröffnet,
  • mit welchen kleinen Waffen Hollaender den großen Gefahren der Welt Widerstand leisten möchte,
  • wie Friedrich Hollaender und seine Frau Hedi Schoop den Nationalsozialisten knapp entkommen können.

Nach einem Musikstudium bei Engelbert Humperdinck wird Friedrich Hollaender einer der bedeutendsten Komponisten der Berliner Kabarettszene. Er arbeitet mit Max Reinhardt und Marlene Dietrich zusammen. Sein Lied "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" erlangt im Ufa-Film "Der Blaue Engel" Weltruhm.

Berlin, 1931. Braune SA-Uniformen und Hakenkreuzfahnen tauchen im Stadtbild auf. Wirkt das nur ein bisschen bedrohlich? Oder baut sich eine reale Gefahr auf? Friedrich Hollaender will handeln und aufrütteln. Das Tingel-Tangel-Theater, unweit vom Bahnhof Zoo, soll sein Sprachrohr sein. Kein Ort, an dem sich die Mächtigen in ihren eigenen Logen feiern lassen, sondern ein Ort, an dem ihnen auch mal wehgetan wird. Es geht gut los. Sehr gut.

Friedrich Hollaender muss Deutschland 1933 verlassen. 1935, knapp zwei Jahre nach seiner Flucht und Hitlers Machtübernahme, schließt das Tingel-Tangel-Theater für immer. Und wird bald vergessen.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Thimo Butzmann, Betriebstechniker und Archivbeauftragter für das Theater des Westens.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Klug
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
Technik: Holger Maerten

Trump-Anhänger stürmen das Kapitol: Der "Day of Rage"

Trump-Anhänger stürmen das Kapitol: Der "Day of Rage" WDR Zeitzeichen 06.01.2026 14:53 Min. Verfügbar bis 07.01.2099 WDR 5

Weil sie glauben, dass Donald Trump der Sieg bei der Präsidenschaftswahl 2020 gestohlen wurde, dringt am 6.1.2021 eine wütende Meute ins Kapitol ein. Mehrere Menschen sterben - und die US-Demokratie bleibt verwundet zurück.

In einer Demokratie werden die Machtverhältnisse durch Wahlen entschieden. Das ist die Abmachung und gleichzeitig, der Clou, "friedlicher Üergänge". Was passiert, wenn sich eine Seite nicht an diese Abmachung hält, zeigt der Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Robert A. Pape, Politikwissenschaftler, University of Chicago ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting:
  • wie Donald Trump die Stimmung mit der Lüge der "gestohlenen Wahl" anheizt,
  • dass die Menschen, die das Capitol stürmen, größtenteils keine polizeibekannten Extremisten sind,
  • wie Politiker und Journalisten den 6. Januar 2021 erleben,
  • von hunderten Festgenommenen - und ihrer späteren Begnadigung durch Präsident Trump.

Am 6. Januar 2021 dringt ein Mob aus mehreren hundert Menschen in das Kapitol in Washington ein - bereit zur Gewalt und angestachelt von Donald Trumps Lüge vom gestohlenen Wahlsieg. Es ist der Versuch, die Ernennung von Joe Biden zum 46. Präsidenten der USA doch noch zu verhindern.

Politiker müssen sich vor den Eindringlingen verstecken. Polizisten werden bedroht und verprügelt, Räume verwüstet. Der 6. Januar geht für viele als "Schwarzer Tag für die Demokratie" in die Geschichte ein.

Erst nach Stunden gewinnen die Sicherheitskräfte nach und nach die Oberhand. Die Bilanz: 30 Millionen US-Dollar Sachschaden, mehr als 140 verletzte Sicherheitskräfte. Fünf Menschen sterben im Zusammenhang mit dem Angriff, darunter ein Polizist. In den Tagen nach dem 6. Januar nehmen sich vier weitere Polizisten das Leben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Stephan Beuting
Redaktion: David Rother

Lässt die USA an Kanadas Grenze scheitern: Sir George Prevost

Lässt die USA an Kanadas Grenze scheitern: Sir George Prevost WDR Zeitzeichen 05.01.2026 14:50 Min. Verfügbar bis 06.01.2099 WDR 5

Am 5. Januar 1816 stirbt Sir George Prevost. Als britischer Gouverneur hat er Kanada im Krieg von 1812 gegen die USA verteidigt. Seinen Kritikern war er dabei zu vorsichtig.

In diesem Zeitzeichen erzählt Nik Berger, wie George Prevost mit zwölf Jahren seine Karriere in der britischen Armee beginnt, wie der Offizier aus New Jersey über die Karibik nach Kanada gelangt und wie die kanadische Bevölkerung zur loyalen Unterstützerin der britischen Kolonialmacht wird. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ist seit rund 30 Jahren vorbei, als es in Nordamerika erneut zu einem Krieg zwischen den USA und Großbritannien kommt. Anfang des 19. Jahrhunderts führt die britische Krone Krieg gegen Frankreich unter Napoleon und versucht deshalb, den Handel zwischen den USA und Frankreich zu unterbinden. Das lassen sich die Amerikaner nicht gefallen und rüsten zum Angriff. Sie wollen die britische Kolonie Kanada einnehmen, um ein Druckmittel zu haben. Doch der Plan geht nicht auf. Sir George Prevost als General-Gouverneur der Kolonie verteidigt das Gebiet knapp zweieinhalb Jahre lang. Die Kanadier fühlen sich zum ersten Mal vereinigt - und die Beziehung zwischen Großbritannien und den USA verbessert sich Schritt für Schritt. Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Donald R. Hickey (emeritierter Professor für Geschichte am Wayne State College in Nebraska, USA) Donald R. Hickey: The War of 1812 - A Forgotten Conflict. Illinois 2012 Peter Burroughs: Prevost, Sir George. In: Dictionary of Canadian Biography. Toronto/Québec City 2004 John R. Grodzinski: Defender of Canada - Sir George Prevost and The War of 1812. Oklahoma 2013 Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt. Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Nik Berger Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak


In diesem Zeitzeichen erzählt Nik Berger:
  • wie George Prevost mit zwölf Jahren seine Karriere in der britischen Armee beginnt,
  • wie der Offizier aus New Jersey über die Karibik nach Kanada gelangt,
  • wie die kanadische Bevölkerung zur loyalen Unterstützerin der britischen Kolonialmacht wird,
  • mit welcher militärischen Strategie der Brite die angreifenden Amerikaner in Schach hält,
  • warum George Prevost trotz seines Erfolges als Verlierer aus dem Krieg rausgeht.

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ist seit rund 30 Jahren vorbei, als es in Nordamerika erneut zu einem Krieg zwischen den USA und Großbritannien kommt. Anfang des 19. Jahrhunderts führt die britische Krone Krieg gegen Frankreich unter Napoleon und versucht deshalb, den Handel zwischen den USA und Frankreich zu unterbinden.

Das lassen sich die Amerikaner nicht gefallen und rüsten zum Angriff. Sie wollen die britische Kolonie Kanada einnehmen, um ein Druckmittel zu haben. Doch der Plan geht nicht auf. Sir George Prevost als General-Gouverneur der Kolonie verteidigt das Gebiet knapp zweieinhalb Jahre lang. Die Kanadier fühlen sich zum ersten Mal vereinigt - und die Beziehung zwischen Großbritannien und den USA verbessert sich Schritt für Schritt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Donald R. Hickey (emeritierter Professor für Geschichte am Wayne State College in Nebraska, USA)
  • Donald R. Hickey: The War of 1812 - A Forgotten Conflict. Illinois 2012
  • Peter Burroughs: Prevost, Sir George. In: Dictionary of Canadian Biography. Toronto/Québec City 2004
  • John R. Grodzinski: Defender of Canada - Sir George Prevost and The War of 1812. Oklahoma 2013

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Nik Berger
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Sultan wider Willen: Der letzte Monarch der Osmanen

Sultan wider Willen: Der letzte Monarch der Osmanen WDR Zeitzeichen 04.01.2026 14:38 Min. Verfügbar bis 05.01.2099 WDR 5

Als 19. Sohn des osmanischen Herrschers am 4.1.1861 geboren, rechnet sich Mehmed Vahdettin keine Chancen auf den Thron aus. Als er 1922 abdankt, macht er Platz für die moderne Türkei.

Mehmed Vahdettin wird mit 57 Jahren überraschend Sultan des Osmanischen Reiches. Ein Reich, das nach dem Ersten Weltkrieg von den europäischen Alliierten in viele einzelne Teile zerschlagen wird. Mehmed VI. bleibt nur vier Jahre im Amt, bevor er sich angesichts politischer Umwälzungen in der Türkei ins Exil begibt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit dem Turkologen und Historiker Professor Dr. Maurus Reinkowski gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • wie das Osmanische Reich Anfang des 20. Jahrhunderts ins Wanken gerät,
  • wie der junge Offizier Mustafa Kemal nach der gewonnenen Schlacht von Gallipoli gefeiert wird,
  • wie Mehmed VI. unerwartet Sultan wird,
  • vom Ende des Sultanats im Osmanischen Reich

Mehmed Vahdettin ist der jüngste der 19 Söhne des Sultans Abdülmecid I. Nach dem frühen Tod seiner Eltern erfährt der Prinz Unterstützung durch seinen älteren Halbbruder Sultan Abdülhamid II., der seit 1876 das Osmanische Reich regiert.

Mehmed Vahdettin ist ein stiller Intellektueller, der nach dem Tod seines Halbbruders als Mehmed VI. am 4. Juli 1918 im Alter von 57 Jahren überraschend den Thron besteigen muss. Vier Monate vor Ende des 1. Weltkriegs, unter denkbar ungünstigen Bedingungen.

Das Osmanische Reich geht schwer angeschlagen aus dem Ersten Weltkrieg hervor. Die europäischen Alliierten teilen das ehemalige Weltreich unter sich auf. Eine neu gegründete türkische Nationalversammlung unter der Führung von Mustafa Kemal (Atatürk) tritt in Ankara zur Organisation eines Befreiungskampfs zusammen. Das Sultanat wird im November 1922 abgeschafft, nach mehr als 600 Jahren. Mehmed VI. verlässt Istanbul an Bord eines britischen Kriegsschiffs. Er geht ins Exil und stirbt am 16.5.1926 in San Remo.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Dr. Maurus Reinkowski, Turkologe und Historiker an der Universität Basel
  • Professor Dr. Mehmet Hacisalihoglu, Leiter des Instituts für Turkologie an der LMU München
  • Professor Dr. Markus Koller, Historiker und spezialisiert auf Osmanisches Reich und Turkologie an der Ruhr-Universität Bochum
  • Maurus Reinkowski: Geschichte der Türkei. Von Atatürk bis zur Gegenwart. München 2021
  • Jan Erik Zürcher: Turkey. a Modern History. London 2019
  • Cambridge History of Turkey, Vol. 4: Turkey in the Modern World. Cambridge 2008
  • Cevdet Küçük: Mehmed VI. In: Türkiye Diyanet Vakfı İslâm Ansiklopedisi. Bd. 28, Türkiye Diyanet Vakfı Yayınları, Ankara 2003

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Christoph Schneider

Das Foucaultsche Pendel: sichtbarer Beweis der Erdrotation

Das Foucaultsche Pendel: sichtbarer Beweis der Erdrotation WDR Zeitzeichen 03.01.2026 14:41 Min. Verfügbar bis 04.01.2099 WDR 5

Wir spüren sie nicht, aber sie ist da: die Erdrotation. Mit einer Versuchsreihe ab 3.1.1851 macht Léon Foucault sie sichtbar - mit einem Pendel, das Geschichte schreibt.

Als Physiker ist der Franzose Léon Foucault Autodidakt. Der Tüftler und Bastler verbessert unter anderem in den 1840er Jahren die elektrische Bogenlampe, berechnet die Lichtgeschwindigkeit, stellt eine Schreibmaschine für Blinde vor und entwickelt ein Verfahren zur Mikrofotografie. Weltbekannt wird er 1851 mit seinem Pendel, mit dem er die Rotation der Erde nachweisen kann. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit dem Physiklehrer Max Metelmann gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • warum Léon Foucault unter Wissenschaftlern zunächst kein besonders hohes Ansehen genießt,
  • wie der Keller von Foucaults Mutter zur Wiege eines bahnbrechenden Experiments wird,
  • wie das Foucaultsche Pendel auch eine politische Botschaft sendet.

Léon Foucault ist Physiker, Journalist, Erfinder. Bei allen Begabungen hat der Autodidakt keinen Studienabschluss und versteht wenig von Mathematik. Das hindert ihn nicht am Tüfteln und so führt er am 3. Januar 1851 im Keller des Hauses seiner Mutter einen Versuch durch, bei dem er ein zwei Meter langes Pendel dicht über dem Boden schwingen lässt und dessen Bahn genau markiert.

Foucault beobachtet, wie sich die Schwingungsebene des Pendels langsam dreht. Da die Schwerkraft nur senkrecht wirkt, kann sie diese Drehung nicht verursachen. Also ist es nicht das Pendel, sondern der Boden, der seine Ausrichtung ändert. Ohne astronomische Beobachtungen am Himmel kann Foucault damit die Erdrotation nachweisen.

Louis-Napoléon Bonaparte, später Kaiser Napoleon III., wird auf den ambitionierten Tüftler aufmerksam. Napoléon ist selbst technikbegeistert und der Meinung, dass die Demonstration wissenschaftlicher Phänomene zur Aufklärung und Modernisierung im Frankreich des 19. Jahrhunderts dazugehört. Und so wird das Foucaultsche Pendel Mitte März 1851 der Weltöffentlichkeit im Pantheon präsentiert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsgeschichte (em.) und Buchautor
  • Max Metelmann, Physiklehrer
  • Gerhard Wandsleben, ehemaliger Physiklehrer
  • Michael Hagner: Foucaults Pendel und wir, Köln 2021

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Mythos Marlboro Man: Warum das Tabakwerbeverbot im TV verpuffte

Mythos Marlboro Man: Warum das Tabakwerbeverbot im TV verpuffte WDR Zeitzeichen 02.01.2026 14:48 Min. Verfügbar bis 03.01.2099 WDR 5

2. Januar 1971: Start des Tabak-Werbeverbots im US-Rundfunk. Ein Trauertag für die mächtige Industrie? Nein! Geschickt passt sie sich an und scheffelt weiter Milliarden.

In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer, wie "Readers Digest" den Rauchern schon Anfang der 1950er Jahren die Freude am Blauen Dunst verdirbt, warum die Werbung mit dem "Marlboro Man" hochpolitisch ist, und wie das Werbeverbot im Fernsehen zum zahnlosen Tiger wird. Jahrzehntelang ist der "Marlboro Man" Symbol eines ganzen Zeitalters: für Freiheit, Männlichkeit und den amerikanischen Traum. Und für eine Industrie, die genau weiß, dass ihr Produkt tötet. Die aber jeden Hinweis darauf kleinredet. Debatten über die Gefahren von Zigaretten kommen nur langsam in Fahrt. Auch weil die Tabakindustrie viel dafür tut, sie kleinzuhalten. Trotzdem werden auch die Gegenstimmen langsam präsenter. Schon in den späten 1960er Jahren laufen im Fernsehen die ersten Anti-Tabak-Kampagnen. Am 2. Januar 1971 kurz vor Mitternacht ist es so weit: Ein Spot für Virginia Slims wird zur letzten Zigarettenwerbung im US amerikanischen Fernsehen. Doch der Tabakindustrie schadet das nicht, vor allem dank Hollywood wächst das Milliardengeschäft weiter. Unsere wichtigsten Quellen sind Robert N. Proctor: Golden Holocaust. 2011 Barry Vacker: The Marlboro Man as a Twentieth Century David Brown & Williamson Memo: Doubt is Our Product. 1981 Mehr Informationen zum Thema findet ihr bei Planet Wissen, über Werbung (https://kurz.wdr.de/vn2cg7py), Krebs (https://kurz.wdr.de/vql6ld9m), und Nikotin als Rauschmittel (https://kurz.wdr.de/9zr34kmt). Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob? Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens! Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr überall da, wo es Podcasts gibt, auch hier in der ARD Audiothek: https://kurz.wdr.de/podcastpicker-zeitzeichen Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Erik Hlacer Redaktion: Matti Hesse Technik: Nicolas Dohle


In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:
  • wie Readers Digest den Rauchern schon Anfang der 1950er Jahren die Freude am Blauen Dunst verdirbt,
  • warum die Werbung mit dem "Marlboro Man" hochpolitisch ist,
  • was es mit der "Mittelmeer-Diät" auf sich hat,
  • wie ehemalige "Marlboro Männer" zu Anti-Tabak-Aktivisten werden,
  • wie das Werbeverbot im Fernsehen zum zahnlosen Tiger wird.

Jahrzehntelang ist der "Marlboro Man" Symbol eines ganzen Zeitalters: für Freiheit, Männlichkeit und den amerikanischen Traum. Und für eine Industrie, die genau weiß, dass ihr Produkt tötet. Die aber jeden Hinweis darauf kleinredet.

Debatten über die Gefahren von Zigaretten kommen nur langsam in Fahrt. Auch weil die Tabakindustrie viel dafür tut, sie kleinzuhalten. Im Jahr 1970 raucht etwa ein Drittel aller amerikanischen Ärzte. Man kann fast überall rauchen - außer vielleicht in der Nähe von Sprengstoff oder Benzin.

Trotzdem werden auch die Gegenstimmen langsam präsenter. Schon in den späten 1960er Jahren laufen im Fernsehen die ersten Anti-Tabak-Kampagnen. Im März 1970 beschließt der US-Kongress ein neues Gesetz, das vorsieht, dass im gesamten US-Rundfunk keine Zigarettenwerbung mehr laufen darf.

Am 2. Januar 1971 kurz vor Mitternacht ist es so weit: Ein Spot für Virginia Slims wird zur letzten Zigarettenwerbung im amerikanischen Fernsehen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Robert N. Proctor: Golden Holocaust. 2011
  • Barry Vacker: The Marlboro Man as a Twentieth Century David
  • Brown & Williamson Memo: Doubt is Our Product. 1981

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Erik Hlacer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Nicolas Dohle

Hirohito: Der Kaiser mit der Micky-Maus-Armbanduhr

Hirohito: Der Kaiser mit der Micky-Maus-Armbanduhr WDR Zeitzeichen 01.01.2026 14:42 Min. Verfügbar bis 02.01.2099 WDR 5

Als die Japaner die Stimme von Kaiser Hirohito 1945 zum ersten Mal im Radio hören, ist er noch von überirdischer Herkunft. Am 1.1.1946 teilt der Herrscher mit, dass er doch kein Gott ist.

Es war keine Einsicht, die Japans Kaiser Hirohito dazu brachte, sondern ganz profan der Druck des Siegers, der USA, nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie beließen Kaiser Hirohito und seine Dynastie auf dem japanischen Thron, doch er musste erklären, dass er kein Gott mehr sei. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir mit dem Historiker Dr. Takuma Melber von der Universität Heidelberg gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • mit welchem skurrilem Aufritt Hirohitos Vater das japanische Parlament verwirrt,
  • wie Hirohito den ersten Einsatz von Kamikaze-Fliegern kommentiert,
  • warum hunderte Japaner sich nach Hirohitos erster Radioansprache das Leben nehmen,
  • welches Souvenir Hirohito 1975 aus den USA mitnimmt.

Im August 1945 läuft die amerikanische Flotte in den Tokioter Hafen ein. Der neue Herrscher kommt vom Himmel. Er fliegt ein: General Douglas MacArthur. Gott ist groß, doch MacArthur ist größer.

Der hochgewachsene General in heller Uniform neben dem kleinen Gottkaiser Hirohito in strammer Haltung und schwarzem Anzug - ein symbolisches Foto, das um die Welt geht. MacArthur leitet als Oberkommandierender der Alliierten die Entwaffnung und Demokratisierung Japans. Der Tenno darf auf dem Thron bleiben.

Ein symbolisches Staatsoberhaupt ohne jede Macht. Doch auf jede Göttlichkeit muss er verzichten. Am 1. Januar 1946 gibt er auf Druck der US-Amerikaner eine Erklärung ab. Die Botschaft: Gott ist auch nur ein Mensch. Oder andersrum: Dieser Mensch war nie ein Gott.

62 Jahre lang sitzt Hirohito auf dem Thron, länger als jeder seiner vielen Vorgänger. 1989 stirbt er mit 87 Jahren an Krebs. Sein Sohn Akihito folgte ihm auf dem Thron. Und der verzichtet 2019 zu Gunsten seines Sohnes Naruhito auf den Thron.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Dr. Takuma Melber, Historiker Universität Heidelberg

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redaktion: Ronald Feisel und Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Die Welt vor 500 Jahren: So war das Jahr 1525

Die Welt vor 500 Jahren: So war das Jahr 1525 WDR Zeitzeichen 31.12.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 01.01.2099 WDR 5

Das Jahr 1525 steht für eine Zeitenwende: Der Kapitalismus erstarkt, der Kaiser von China verbrennt seine Hochseeflotte, in Europa wütet der Bauernkrieg. Ein Jahr, das unser Leben bis heute prägt.

Rund um das Jahr 1525 verändert sich die Welt: Das Aztekenreich fällt, die Bauernkriege enden und ein neues Denken beginnt. In der Renaissance zählt Wissen mehr als Glaube: Damals begonnt eine Fortschrittserzählung, die heute immer mehr Risse bekommt. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Annette Kehnel, Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, Universität Mannheim ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:
  • wie die Renaissance der Menschheit eine große Umwälzung bringt, die heute auch kritisch gesehen wird
  • wie die Bauern ausgangs des 15. Jahrhunderts durch die Pest an Macht gewinnen,
  • wie der Habsburger König Karl V. durch Bestechung zum deutschen Kaiser gewählt wird,
  • wie in der Unterwerfung der "Neuen Welt" der Kapitalismus geboren wird.

Vom endgültigen Untergang des Aztekenreichs über die Entscheidung in den deutschen Bauernkriegen bis hin zum Tod des reichsten Manns seiner Zeit - dies alles geschieht im Jahr 1525. Natürlich kann ein einzelnes Jahr nicht die Geschichte komplett verändern. Und doch lässt sich sagen: Das Jahr 1525 markiert eine Zeitenwende, die unsere Welt bis heute prägt.

"Frühe Neuzeit" oder "Renaissance" nennen wir diese Epoche heute. Europa knüpft nach dem angeblich "dunklen" Mittelalter wieder an Traditionen der griechisch-römischen Antike an. Der Fortschrittsglaube beherrscht seitdem das westliche Denken - eine Denkrichtung, die im 21. Jahrhundert zunehmend kritisch gesehen wird.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Annette Kehnel, Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, Universität Mannheim
  • Fabian Scheidler, Historiker und Autor
  • Fabian Scheidler: Das Ende der Megamaschine. 2024
  • Fabian Scheidler: Chaos - Das neue Zeitalter der Revolutionen. Wien 2018
  • Annette Kehnel: Wir konnten auch anders. München 2024
  • Sven Beckert: Kapitalismus - Geschichte einer Weltrevolution. Hamburg 2025
  • Winfried Schulze: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert. Frankfurt 1987
  • Immanuel Wallerstein: Das moderne Weltsystem. Wien 2004
  • Silvia Federici: Caliban und die Hexe. Wien 2017

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Pfaff
Redaktion: David Rother
Technik: Niko Söllner

Das Lied ihres Lebens: Non, je ne regrette rien

Das Lied ihres Lebens: Non, je ne regrette rien WDR Zeitzeichen 30.12.2025 15:23 Min. Verfügbar bis 31.12.2099 WDR 5

Am 30.12.1960 legt Édith Piaf im Pariser Olympia dem Publikum ihre Seele zu Füßen. Zum ersten Mal präsentiert die Sängerin ihre Lebenshymne "Non, je ne regrette rien".

"Non, je ne regrette rien" ist das berühmteste Chanson von Édith Piaf, das 1956 von Charles Dumont komponiert und von Michel Vaucaire geschrieben wurde. Am 30.12.1960 singt sie es zum ersten Mal vor Publikum, im Pariser "Olympia". Neben diesem Lied gehören "La vie en rose" und "Milord" zu ihren größten Erfolgen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem mit dem Musikwissenschaftler und Biographen Dr. Jens Rosteck gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
  • welche zwei Themen die Pariser Presse im Winter 1960 beherrschen,
  • warum Édith Piafs Konzerte für viele Franzosen weit mehr bedeuten als nur Musikgenuss,
  • warum Édith Piaf in einem Bordell aufwächst,
  • wie der Komponist Charles Dumont und der Texter Michel Vaucaire Édith Piaf das Chanson "Non, je ne regrette rien" ans Herz legen.

Im Pariser Chanson-Tempel "Olympia" herrscht am Abend des 30. Dezember 1960 aufgeregte Spannung. Zweitausend sind gekommen, um sie noch einmal zu sehen: Édith Piaf, die Legende, Frankreichs musikalisches Nationalheiligtum.

Die winzige Frau, die in einem schlichten schwarzen Kleid im Scheinwerferkegel auf der Bühne steht, ist erst 45. Doch sie sieht aus wie eine Greisin: mit dünnen Haaren, von Arthritis gequält und vom Krebs schwer gezeichnet. Die herzzerreißende Kraft ihrer Stimme aber hat sie nicht verloren.

Das Chanson "Non, je ne regrette rien" ist das Lied ihres Lebens. Édith Piaf bereut nichts. Nicht die vielen Liebhaber, nicht die Exzesse und Ausschweifungen, die sie gesundheitlich ruiniert haben. Hätte sie sich nicht mehr schonen sollen, fragt sie ein Reporter kurz vor ihrem Tod.

"Vielleicht, aber dann hätte ich dem Publikum nicht das gegeben, was ich ihm gegeben habe. Wenn ich etwas gebe, gebe ich ganz." Am Abend dieses 30. Dezember weiß Édith Piaf nicht, dass ihr nur noch 34 Monate zu leben bleiben. Doch sie hat sich längst mit dem Tod arrangiert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Jens Rosteck, Musikwissenschaftler und Biograph
  • Édith Piaf: Mein Leben. Reinbek bei Hamburg 1966
  • Jens Rosteck: Édith Piaf. Hymne an das Leben. Berlin 2013

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Theo Kramer

Die "Blutgräfin": Serienmörderin und Vorbild für Dracula?

Die "Blutgräfin": Serienmörderin und Vorbild für Dracula? WDR Zeitzeichen 29.12.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 5

Sie soll hundertfach gemordet haben, um schön zu bleiben. Beweise gibt es nicht., trotzdem wird am 29.12.1610 Erzsébet Báthorys Schloss gestürmt, um ihr den Prozess zu machen.

Um die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory ranken sich eine Vielzahl gruseliger Geschichten. Ihre Verurteilung als Mörderin im Jahr 1611 lässt die Legende der "Blutgräfin" entstehen. Eine Vorlage für zahlreiche künstlerische Bearbeitungen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir mit der Autorin und Historikerin Kathrin Kompisch gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • welch erschreckende Entdeckungen bei der Erstürmung des Schlosses der "Blutgräfin" angeblich gemacht werden,
  • mit welch uncharmanten Beinamen Erzsébet Báthory bedacht wird,
  • wie eine Ohrfeige die Mordlust der Gräfin geweckt haben soll,
  • warum Berichte von den Gräueltaten der Gräfin heute angezweifelt werden.

Sie soll im Blut von bis zu 650 Jungfrauen gebadet haben - Gruselgeschichten wie diese brachten Erzsébet Báthory den Beinamen "Blutgräfin" ein und machten sie später womöglich zu einer der Vorlagen für Bram Stokers Romanfigur Dracula.

Schon im März 1610 schreibt Georg Thurzó - der hohe Beamte, der später die Burg der Báthory stürmen lässt - wichtige Rechtsbeamte an: Er sei überzeugt, dass die Báthory unzählige junge Frauen auf grausame Art zu Tode gebracht hat. Es sollen Beweise gesammelt werden.

Im Dezember 1610 wird das Schloss gestürmt. Die Gräfin wird vor Gericht gestellt. Seltsam ist, dass keines der Opfer namentlich genannt wird. Die Gräfin Báthory selbst wird im Prozess weder befragt, noch darf sie sich selbst äußern.

Die Urteile sind fragwürdig. Der Diener, der vor allem bei der Entsorgung der Leichen geholfen haben soll, wird enthauptet und dann verbrannt. Drei weibliche Angestellte werden grausam gefoltert und lebendig verbrannt. Die Gräfin selbst, die angebliche Täterin, bekommt lediglich Hausarrest. Den Rest ihres Lebens muss sie auf ihrer Burg verbringen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Kathrin Kompisch, Buchautorin und Historikerin
  • Michael Farin (Hg.): Heroine des Grauens. Wirken und Leben der Elisabeth Báthory in Briefen, Zeugenaussagen und Phantasiespielen. München 1989.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Marko Rösseler
Redaktion: Carolin Rückl/Frank Zirpins
Technik: Sarah Fitzek

Der Burgos-Prozess: Als die ETA Franco vor der Welt blamierte

Der Burgos-Prozess: Als die ETA Franco vor der Welt blamierte WDR Zeitzeichen 28.12.2025 14:49 Min. Verfügbar bis 29.12.2099 WDR 5

ETA-Angeklagte drehen den Schauprozess um, prangern Folter an – und zwingen Franco, die Todesurteile vom 28.12.1970 unter weltweitem Druck zurückzunehmen.

Geplant ist er als schneller Schauprozess mit Todesurteilen. Doch die Anwälte stellen das Franco-Regime erstmals international an den Pranger – und erzeugen eine Welle internationaler Solidarität für die Angeklagten. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Raul Zelik (Politologe und Autor) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:
  • wie Francisco Franco in Spanien eine grausame Diktatur etabliert,
  • dass es in Spanien nach Kambodscha die meisten Massengräber gibt,
  • warum das Franco-Regime beim Burgos-Prozess internationale Presse zulässt,
  • wie der Prozess danach aus dem Ruder läuft,
  • warum die ETA nach dem Ende des Franco-Regimes ihre Waffen nicht abgibt.

Mitte der 1960er Jahre regt sich in Spanien Widerstand gegen das Franco-Regime. Junge Basken gründen die Untergrundorganisation "Euskadi ta Askatasuna" ("Baskenland zur Freiheit"), kurz: ETA. Im Dezember 1970 werden 16 junge ETA-Aktivisten in der nordspanischen Stadt Burgos vor ein Militärgericht gestellt.

Als sechs der Angeklagten zum Tod verurteilt werden, protestiert die Weltöffentlichkeit - von Picasso bis Sartre. Auch Papst Paul VI. fordert das erzkatholische Regime auf, die Urteile nicht zu vollstrecken. Ein Fiasko für Franco, der schon zwei Tage später öffentlich verkünden muss, die Todesstrafen zurückzunehmen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Klaus Armbruster, Stadtführer
  • Raul Zelik, Politologe und Autor
  • Raul Zelik: "Das baskische Labyrinth", Radiofeature WDR und DLF 2007
  • Raul Zelik: Die Linke im Baskenland. Eine Einführung. Wien 2019

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Pfaff
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Jürgen Beiner

Machtpolitik im Mittelalter: Ferdinand I.

Machtpolitik im Mittelalter: Ferdinand I. WDR Zeitzeichen 27.12.2025 13:37 Min. Verfügbar bis 28.12.2099 WDR 5

Ferdinand I. ist ein mächtiger Herrscher auf der iberischen Halbinsel. Er bekämpft die Muslime, verbündet sich mit ihnen - und lässt sie zahlen. Er stirbt am 27.12.1065.

In dem Flickenteppich aus Fürstentümern und Königreichen zwischen Pyrenäen und Mittelmeerküste wird Ferdinand der Initiator eines Einigungsprozesses, der sich über Jahrhunderte hinzieht. Er ist einer, der Königreiche zusammenführt, der die muslimischen Herrscher im Süden tributpflichtig macht und der den Grundstein legt für die Vormachtstellung Kastilien-Leóns. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Robert Friedrich (wissenschaftlicher Mitarbeiter, LMU München) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayı:
  • wie seine Familie und seine Frau die Macht Ferdinands fördern und einschränken,
  • was hinter Ferdinands Attacken gegen die muslimischen Reiche im Süden der spanischen Halbinsel steckt,
  • was Ferdinand mit der Überführung der Gebeine des heiligen Isidor aus dem muslimischen Sevilla in das christliche León bezweckt,
  • wie die Inschrift von Ferdinands Grab lautet.

Wie sieht die Welt Ferdinands aus? Auf der Iberischen Halbinsel, dem heutigen Gebiet von Nordspanien und Teilen Portugals, gibt es eine Vielzahl christlicher Fürstentümer, eng verflochten durch ein enges Verwandtschaftsnetz. Die Aristokratie der Halbinsel ist im Grunde eine einzige große Familie - verbunden durch Ehen. Und Ferdinand hat seine Verwandten besiegt oder unterworfen.

Der Süden der Halbinsel ist eine andere Welt. Hier blühen Poesie, Wissenschaft und Architektur. Muslime, Juden und Christen leben relativ friedlich zusammen. Das ist El-Andalus, auf dem Gebiet des heutigen Andalusien. Lange herrschte hier das Kalifat von Cordoba. Doch nun zerbricht es in mehr als 60 Fürstentümer. Diese Splitterreiche sind für Ferdinands Machthunger ein gefundenes Fressen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Robert Friedrich (wissenschaftlicher Mitarbeiter, LMU München)
  • Mats Pfeifer (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
  • Georg Bossong: Das Maurische Spanien. München 2007
  • Nikolas Jaspert: Die Reconquista. München 2019

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Murat Kayı
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Wie die Betten zum Highway kamen: 100 Jahre Motel

Wie die Betten zum Highway kamen: 100 Jahre Motel WDR Zeitzeichen 26.12.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 27.12.2099 WDR 5

Parken, schlafen, weiterfahren - im Dezember 1925 öffnet in Kalifornien das erste Motel. Als perfekt passendes Übernachtungsangebot zum noch jungen Autoboom.

Motels haben etwas Verruchtes an sich, einen Hauch von Abenteuer. Sie befinden sich oft am Stadtrand, weil das Land da billiger ist, es weniger Vorschriften gibt - und weniger Polizeikontrollen.


In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • wie Motels zum festen Bestandteil der amerikanischen Kultur werden,
  • was Henry Fords Model T "Tin Lizzy" damit zu tun hat,
  • warum Motels bei Touristen und Gangstern so beliebt sind,
  • warum sie nicht für die Ewigkeit gebaut werden,
  • wie eine Motel-Kette das größte Computernetzwerk neben dem Militär aufbaut.

Ursprünglich heißt es "Milestone Inn", dann "Milestone Mo-Tel" und schließlich "Motel Inn": Im Dezember 1925 eröffnet Arthur Heinemann im kalifornischen San Luis Obispo die erste Unterkunft, die "Motel" im Namen trägt. Der Ort ist ideal, denn er liegt auf halbem Weg zwischen Los Angeles und San Francisco am Highway 101, der wichtigsten Verkehrsader zwischen den beiden Städten.

Doch aus seinem Traum einer ganzen Motel-Kette wird nichts. Dafür kopieren andere sein Konzept. In den 1960er Jahren säumen knapp 61.000 Motels die Ausfallstraßen und Highways der USA. Am erfolgreichsten ist "Holiday Inn". Das Geheimnis des Erfolgs: gleicher Standard in allen Motels.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Jefferson Rogers, University of Tennessee at Martin
  • John A. Jakle, Keith A. Skulle, Jefferson S. Rogers: The Motel in America, London (USA) 1996

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Martin Herzog
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Raubzug in Westminster: Der legendäre Stein der Schotten

Raubzug in Westminster: Der legendäre Stein der Schotten WDR Zeitzeichen 25.12.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 26.12.2099 WDR 5

Der "Stein des Schicksals" ist mit Legenden aufgeladen - und ein Symbol schottischer Unabhängigkeit. Am 25.12.1950 wird er geraubt - nicht zum ersten Mal.

Eine Gruppe schottischer Studenten bricht Weihnachten 1950 mitten in der Nacht in die Londoner Westminster Abbey ein. Sie sind auf der Suche nach einem Stein. Nicht irgendeinem, sondern dem "Stein des Schicksals". *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Dauvit Broun, Professor für schottische Geschichte an der Universität Glasgow ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • warum Edward I. den Stein im Mittelalter nach London bringt,
  • dass seit mehr als 700 Jahren britische Monarchen auf dem Stein gekrönt werden,
  • dass es um den Stein ebenso lang Streit zwischen England und Schottland gibt,
  • warum dem Stein nachgesagt wird, er könne sprechen,
  • warum eine gruppe schottischer Studenten ihn im 20.Jahrhundert erst stehlen und dann zurückgeben.

Eigentlich gehört der "Stone of Destiny" nach Schottland. Dort raubt ihn Edward I. im Mittelalter nach seiner Eroberung Schottlands und bringt ihn nach London. Die Westminster Abbey wird über Jahrhunderte seine neue Heimat. Hier wird er Zeuge vieler Krönungen englischer und britischer Monarchen.

Trotzdem sind einige Schotten auch nach Jahrhunderten noch überzeugt: Der Stein gehört nicht nach London. Und so wird am 25. Dezember 1950 der mehr als 150 Kilogramm schwere Stein gestohlen. Doch bald darauf ist er wieder da, rechtzeitig zur Krönung von Elizabeth II.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dauvit Broun, Universität Glasgow
  • Ian Hamilton: Stone of Destiny. Edinburgh 2008

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Jürgen Mönkediek

Jesus von Nazareth: Fakten, Mythen und eine Frage des Glaubens

Jesus von Nazareth: Fakten, Mythen und eine Frage des Glaubens WDR Zeitzeichen 24.12.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 25.12.2099 WDR 5

Am 24.12 wurde Jesus geboren. Nur wo - und in welchem Jahr? Und was ist wirklich historischer Fakt an der Weihnachtsgeschichte? Und warum berührt sie so viele Menschen?

Als Lukas die Geschichte von Jesus aufschreibt, ist er weit weg von Bethlehem und Nazareth - räumlich und zeitlich. Ein Historiker ist er nicht und das, was in seinem Evangelium steht, auch nicht unbedingt faktengetreu. Er will eher eine Botschaft vermitteln. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Simone Paganini, Bibeltheologe an der RWTH Aachen ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz:
  • warum Jesus vermutlich vier bis sieben Jahre früher geboren wird,
  • dass er wohl nicht in einem Stall geboren wird,
  • weshalb König Herodes die Volkszählung eigentlich nicht befohlen haben kann,
  • welche Beweise es gibt, dass Jesus tatsächlich gelebt hat.

Jesus ist eine der besser bezeugten Personen in der Antike. Dennoch weiß man heute immer noch nicht genau, wann und wie er gelebt hat. Die vier Evangelien der Bibel entstehen erst, als auch die letzten möglichen Augenzeugen schon lange tot sind. Sie sind Versuche, schriftlich festzuhalten, was die Zeitgenossen von Jesus erzählt haben.

Ein halbes Jahrtausend nach Christus' Geburt rechnet ein Mönch in Rom nach, um endlich einen verbindlichen Termin zu finden - nicht für Weihnachten, sondern fürs Osterfest. Mit dem, was die Bibel und die Archive des Papstes hergeben, kalkuliert er. Und macht bei der Berechnung einen entscheidenden Fehler.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Prof. Simone Paganini, Bibeltheologe an der RWTH Aachen
  • Prof. Annette Merz, Universität Amsterdam/Groningen
  • apl. Prof. Wolfgang Reinbold, Ev.-luth. Landeskirche Hannover
  • Prof. em. Klaus Wengst, Ruhr-Universität Bochum
  • Hon. Prof. Roland Werner, Evangelische Hochschule Tabor
  • Prof. Luzia Sutter Rehmann, Universität Basel

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Uwe Schulz
Redaktion: Matti Hesse

Wie Aborigines in Australien unterdrückt wurden

Wie Aborigines in Australien unterdrückt wurden WDR Zeitzeichen 23.12.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 24.12.2099 WDR 5

Der Aborigines Act wurde am 23.12.1905 in Australien verabschiedet. Das Gesetz hat für die Indigenen vor allem eines bedeutet: Bevormundung und Unterdrückung.

Die Diskriminierung australischer Ureinwohner beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, als die Briten beginnen, Australien zu kolonisieren: Am 26. Januar 1788 hisst Arthur Philipp im Auftrag der britischen Krone in der Botany Bay im heutigen Sydney den Union Jack. Dieser Tag symbolisiert die gewalttätige Besetzung, die zu Massakern an Aborigines und ihrer Vertreibung führt. Heute ist der 26. Januar Australiens Nationalfeiertag - der "Australia Day". *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Henry Reynolds (australischer Historiker) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie sich die Kolonisierung Australiens von Süden nach Norden vollzieht,
  • wie brutal die weißen Kolonisten dabei gegen die Aborigines vorgehen,
  • welche rassistische Politik sich hinter sogenannten Schutzgesetzen für Ureinwohner verbirgt.

Die Briten wollen die indigene Bevölkerung besser kontrollieren. Darum erlassen sie 1905 für Westaustralien das Aborigines-Gesetz, um ihre Apartheidspolitik zu festigen. Sie führen damit auch das Amt des "Chief Protector of Aborigines" ein, also des "Chef-Beschützers der Aborigines". Doch mit Schutz hat das nichts zu tun.

Der "Chief Protector" hat die gesetzliche Vormundschaft über die Kinder der Aborigines inne. Da er laut Gesetz das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht über alle Aborigines-Kinder unter 16 Jahren hat, kann er sie aus ihren Familien reißen. Die Kinder müssen zwangsweise in Erziehungsheimen, Schulen oder bei weißen Familien leben. Die schwarze Haut der Ureinwohner soll später durch gemischte Ehen verschwinden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Henry Reynolds (australischer Historiker)
  • Jacinta Walsh (Wissenschaftlerin am Monash Indigenous Studies Center)
  • Henry Reynolds: Looking from the North. Australian history from the top down. Sydney 2025
  • Jacinta Walsh: Married to a British Subject. Australian Journal of Politics & History 2023
  • Gerhard Leitner: Geschichte Australiens. Ditzingen 2016

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Jakob Schiffer und Matti Hesse

Musterstaat des Mittelalters: Das Königreich Sizilien Rogers II.

Musterstaat des Mittelalters: Das Königreich Sizilien Rogers II. WDR Zeitzeichen 22.12.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 23.12.2099 WDR 5

Der junge normannische Graf Roger (geb. am 22.12.1095) macht Sizilien und den Süden Italiens zu einem modernen Staat – und zu seiner Machtbasis im Mittelmeer.

Unter dem Normannen Roger II. erleben Sizilien und Süditalien eine wirtschaftliche Blütezeit. Der multikulturellen Bevölkerung räumt er Religionsfreiheit ein und sorgt so für ein weitgehend friedliches Miteinander. Ab 1130 trägt er den Titel "König von Sizilien". *** Für dieses Zeitzeichen haben wir gesprochen mit: Prof. Theresa Jäckh, Historikerin Universität Tübingen ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • warum noch unklar ist, was die Normannen aus dem Norden nach Süditalien verschlagen hat,
  • wie Roger II. nur durch den Tod des Bruders zum Thronfolger wird,
  • welche Rolle die Hochzeit seiner verwitweten Mutter für seinen Aufstieg spielt,
  • weshalb es nach seinem Tod mit Sizilien bergab geht.

Die Wurzeln des Königreichs Sizilien liegen bei den Normannen in Nordfrankreich und Skandinavien. Von dort macht sich Roger I. auf nach Süditalien und erobert Sizilien, wo Juden, Griechen, Lateiner und Araber zusammen leben. Damit er sich nicht im Kampf gegen die Minderheiten aufreibt, räumt er ihnen weitreichende Rechte ein.

Nach seinem Tod übernimmt sein Sohn Roger II. die Herrschaft. Gut ausgebildet und visionär, fördert er die Seidenproduktion und baut eine Handelsflotte auf. Er schafft eine effiziente Verwaltung, die Gesetze in Latein, Griechisch und Arabisch festhält. So entsteht ein weitgehend friedliches Miteinander der Kulturen. Als er 1154 stirbt, hinterlässt er ein wohlhabendes und mächtiges Reich.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Theresa Jäckh, Historikerin, Universität Tübingen
  • Theresa Jäckh: Raumgeschichte einer Hauptstadt: Palermo unter muslimischer und christlicher Herrschaft (ca. 800-1200). Berlin 2023
  • Hubert Houben: Die Normannen. München 2024
Weiterführende Links:
Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Ein Leben wie im eigenen Roman: Francis Scott Fitzgerald

Ein Leben wie im eigenen Roman: Francis Scott Fitzgerald WDR Zeitzeichen 21.12.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 22.12.2035 WDR 5

Am 21.12.1940 stirbt F. Scott Fitzgerald, im Alter von 44 Jahren. Erst posthum erlangt er Weltruhm mit seinem Roman "The Great Gatsby" - ein Klassiker des "Jazz Age".

Mit seinen zahlreichen Kurzgeschichten wird Francis Scott Fitzgerald zum Chronisten der rauschenden 1920er Jahre. Auch in seinem Meisterwerk "Der große Gatsby" entlarvt er die Welt der Reichen, die im Überfluss leben und dabei von großer innerer Leere umspült sind. Paradox: Trotz dieser schonungslosen Darstellung strebt Fitzgerald selbst danach, Teil der Upper Class zu sein. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Horst Lauinger, Verleger Manesse-Verlag ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • dass Francis Scott Fitzgerald trotz Alkoholverbot in Amerika ständig trinkt,
  • welche Kränkung er durch seine Armut als Schriftsteller erfährt,
  • über das Leben der Fitzgeralds als Glamourpaar,
  • warum er fast zerbricht, als "Der große Gatsby" nicht zum Bestseller wird.

Francis Scott Fitzgerald hat nur einen Wunsch: Er möchte dazugehören – zur glanzvollen Upper Class Amerikas. Seine Eintrittskarte wird seine Frau Zelda. Sie ist zwar nicht reich, aber schön, schillernd und voller Glamour. 1920 heiraten die beiden und stürzen sich in der Leben der wilden Zwanziger Jahre: frei von Konventionen, mit exklusiven Partys in New York, Paris und an der Côte d’Azur.

Dort trinkt er viel Alkohol und sammelt Ideen. Fitzgerald schreibt im Akkord Kurzgeschichten, um seinen ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Sein eigentliches Ziel ist ein Roman, der ihn unsterblich macht. 1924 entsteht "Der große Gatsby" – und findet kaum Beachtung. Erst nach seinem Tod am 21. Dezember 1940, wird der Roman zum Bestseller und Klassiker.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Horst Lauinger, Verleger Manesse-Verlag
  • Michaela Karl, Biografin
  • F. Scott Fitzgerald: Der Große Gatsby. neu übersetzt von Bernhard Robben. Zurück 2025
  • Michaela Karl: Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals – Zelda und F. Scott Fitzgerald – Eine Biografie. München 2013

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?

Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Christoph Tiegel, Sefa Inci Suvak
Technik: Nicolas Dohle

Mutige Antikriegs-Mission: zwei Studenten "besetzen" Helgoland

Mutige Antikriegs-Mission: zwei Studenten "besetzen" Helgoland WDR Zeitzeichen 20.12.2025 14:28 Min. Verfügbar bis 21.12.2099 WDR 5

Am 20.12.1950 setzen zwei junge Heidelberger per Boot nach Helgoland über. Sie protestieren gegen britische Bombentests und fordern die Rückgabe der Insel an Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Helgoland unbewohnbar und wird weiter von den Briten zu Übungszwecken bombardiert. Zwei Heidelberger Studenten, René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld, wollen das ändern – und starten eine medienwirksame Befreiungsaktion. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Martin Krieger, Historiker, Universität Kiel ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • was billiger Schnaps und Heinrich Heine mit Helgoland zu tun haben,
  • warum die Briten seit Ende des Zweiten Weltkrieges Helgoland als Bombenübungsplatz nutzen,
  • weshalb viele Helgoländer gegen die Besetzung durch die Studenten sind,
  • dass René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld für ihr Helgoland-Engagement das Bundesverdienstkreuz bekommen.

1950 ist von Helgolands Schönheit nicht mehr viel übrig: Der britische Bombenhagel im Krieg und die folgende Sprengung des riesigen U-Boot-Bunkers haben die Insulaner aufs Festland vertrieben. Das ist ein klarer Rechtsbruch, finden die Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld im fernen Heidelberg und entwickeln während einer Völkerrechtsvorlesung die kühne Idee: "Wir befreien Helgoland".

Kurz vor Weihnachten 1950 brechen die beiden mit einem Schiffskutter zur Insel auf. Sie können die britischen Aufpasser passieren und hissen am einzigen noch stehende Gebäude die Flaggen von Deutschland, Europa und Helgoland. Die mitgereisten Journalisten bringen die Aktion in die Schlagzeilen – und damit das Schicksal der Helgoländer zurück ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Martin Krieger (Historiker, Universität Kiel)
  • Martin Krieger: Die Geschichte Helgolands: Geschichte einer Insel. Hamburg 2015
  • Martin Krieger: Helgoland und der Kreis Pinneberg 1932–1952. Sonderedition 2022 im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Helgoländer Geschichte(n) – eine Insel im Wandel"
  • René Leudesdorff: Wir befreiten Helgoland. Ein historischer Krimi. Bremen 1998

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Christoph Tiegel, Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup

Stammzellforschung: Wissenschaftsrevolution aus Großbritannien

Stammzellforschung: Wissenschaftsrevolution aus Großbritannien WDR Zeitzeichen 19.12.2025 14:34 Min. Verfügbar bis 20.12.2099 WDR 5

Am 19.12.2000 erlaubt das britische Parlament als erstes in Europa das Klonen von Embryos für die Forschung. In Deutschland fragt man sich: Wie weit darf Wissenschaft gehen?

Großbritannien verschiebt die Grenzen zwischen Natur und Technik: Am 19. Dezember 2000 erlaubt das britische Unterhaus Wissenschaftlern, menschliche Embryonen extra für die Forschung zu züchten. Deutschland geht zwei Jahre später einen anderen Weg. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Oliver Brüstle, Stammzellforscher am Bonner Institut für Reproduktive Stammzellforschung ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:
  • wie viele Versuche es braucht, um das Schaf Dolly zu klonen,
  • warum Dolly Begeisterung und Angst zugleich erzeugt,
  • dass für die Forschung in Deutschland kein Embryo sterben darf,
  • warum andere Länder andere Maßstäbe ansetzen,
  • warum die Aufregung um die Stammzellenforschung sich wieder gelegt hat.

Wann beginnt der Mensch mit allen fundamentalen Schutzrechten? Für die einen ab dem Moment der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, andere sehen nur eine kleine Zellkugel, ohne Schmerzempfinden und ohne Menschenwürde.

Der Bundestag befasst sich im Jahr 2002 mit drei Anträgen zu Import und Forschung an Stammzellen - und wählt in dieser schwierigen Frage schließlich den Mittelweg. Großbritannien ist da schon deutlich weiter: Am 19. Dezember 2000 erlaubt das britische Unterhaus Wissenschaftlern, menschliche Embryonen extra für die Forschung zu züchten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Sigrid Graumann, Biologin und Philosophin an der evangelischen Fachhochschule Bochum
  • Prof. Oliver Brüstle, Stammzellforscher am Bonner Institut für Reproduktive Stammzellforschung
  • Hartmut Kreß: Medizinische Ethik. Gesundheitsschutz, Selbstbestimmung, Rechtspolitik. Stuttgart 2024

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Doris Arp
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Nikita Sulzhenko

"Der weiße Hai": Urängste im Kinosaal

"Der weiße Hai": Urängste im Kinosaal WDR Zeitzeichen 18.12.2025 14:19 Min. Verfügbar bis 19.12.2099 WDR 5

Als "Der weiße Hai" am 18.12.1975 in die deutschen Kinos kommt, verändert er den Blick aufs Meer. Steven Spielberg hat ein Monster erschaffen, das die Menschen das Fürchten lehrt.

"Der weiße Hai" prägt weltweit das Bild des Raubfischs als gefährliches Monster, dabei sind Haie eher scheue und vorsichtige Tiere. Nach dem Erfolg des Films machen viele Menschen gezielt Jagd auf Haie. Auch deswegen sind sie heute bedroht - vor allem aber wegen des Handels mit Haiflossen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Gerhard Wegner, Taucher, Haiexperte und Gründer der Haischutzorganisation "Sharkproject" ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Ulli Schäfer:
  • wie "Der weiße Hai" mit einer unsichtbaren Bedrohung Millionen fesselt,
  • warum der Hai im Film nur selten zu sehen ist,
  • wie aus einer chaotischen Produktion ein Welterfolg wird.

Als Steven Spielbergs "Der weiße Hai" 1975 in die Kinos kommt, trifft er einen Nerv. Ein rätselhafter Angriff im Meer, ein Badeort in Aufruhr und ein Monster, das man kaum sieht, aber umso stärker fürchtet: Spielberg spielt mit Andeutungen und Erwartungen und baut so Spannung auf.

Einen großen Einfluss hat auch die markante Musik von John Williams, die mit wenigen Tönen Gefahr ankündigt und die Unsichtbarkeit des Hais noch wirkungsvoller macht. Trotz explodierender Kosten, endloser Drehtage und eines unfertigen Drehbuchs wird „Der weiße Hai“ zum Kinoerfolg des Jahres - und der erst 27-jährige Regisseur schlagartig bekannt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Gerhard Wegner, Taucher, Haiexperte und Gründer der Haischutzorganisation "Sharkproject"
  • Prof. Nicole Maruo-Schröder, Amerikanistin und Kulturwissenschaftlerin, Uni Koblenz
  • Wieland Schwanebeck: Der weiße Hai revisited: Steven Spielbergs Jaws und die Geburt eines amerikanischen Albtraums, München 2015
  • Gerhard Wegner und Christine Gstöttner: Blind Dates. Das große Buch der Haibegegnungen. Hrsg.: Sharkproject International e.V., München 2019

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ulli Schäfer
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Wie ein Gemüsehändler den Arabischen Frühling startete

Wie ein Gemüsehändler den Arabischen Frühling startete WDR Zeitzeichen 17.12.2025 14:26 Min. Verfügbar bis 18.12.2099 WDR 5

Massenarbeitslosigkeit, Armut und Korruption: In der Jasmin-Revolution tragen die Tunesier ihren Unmut lautstark auf die Straße – und stürzen ihren Diktator.

Der "Arabische Frühling" beginnt im Winter: Am 17. Dezember 2010 zündet sich der tunesische Gemüsehändler Mohammed Bouazizi selbst an. Aus Protest gegen Korruption und Erniedrigungen durch Polizei und Stadtverwaltung. Seine Selbstverbrennung ist der erste in einer Reihe von Protesten gegen die Regierungen in Tunesien und seinen Nachbarländern. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Julia Gerlach, von 2008 bis 2015 freie Korrespondentin in Nordafrika ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • von der Euphorie beim Ausbruch des Arabischen Frühlings,
  • welche Rolle Social Media bei der Jasmin-Revolution gespielt hat,
  • wie die Revolution den Islamismus befeuert,
  • warum der Arabische Frühling heute als gescheitert gilt.

Seit sein Vater tot ist, muss Mohamed Bouazizi Mutter und Geschwister ernähren. Dafür verkauft der Tunesier Gemüse auf der Straße. Als die Polizei wieder einmal grundlos seinen Wagen konfisziert, übergießt sich der 26-Jährige mit Benzin und zündet sich vor der Stadtverwaltung an. Ein Protest gegen Willkür und Korruption des Systems.

Mohamed Bouazizis Selbstverbrennung löst landesweite Proteste gegen die Alleinherrschaft von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali aus – und gilt als Initialzündung des Arabischen Frühlings. Von Tunesien aus schwappt die Bewegung bald in die Nachbarländer Ägypten, Libyen und Syrien. Millionen Menschen fordern: Freiheit, Würde, Arbeit und Demokratie.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Julia Gerlach, von 2008 bis 2015 freie Korrespondentin für Nordafrika, Buchautorin
  • Dr. Maria Josua, Giga-Institut Hamburg
  • Prof. Kmar Bendana, Geschichte der Gegenwart, Universität von Manouba (unweit von Tunis)
  • Julia Gerlach: Der verpasste Frühling. Woran die Arabellion gescheitert ist. Berlin 2016
  • Jörg Armbruster: Der arabische Frühling. Als die islamische Jugend begann, die Welt zu verändern. Frankfurt/Main 2011
  • Gilles Kepel: Chaos. Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen. München 2019
  • Domenica Preysing: Tunesien: Vorreiter des Aufbruchs, Vorbild des Wandels? In: Annette Jünemann, Anja Zorob: Arabellions. Zur Vielfalt von Protest und Revolte im Nahen Osten und Nordafrika. Wiesbaden 2013

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: Jakob Schiffer, David Rother
Technik: Thomas Bleul

Vorbild für den Paten: Mafia-Boss Paul Castellano

Vorbild für den Paten: Mafia-Boss Paul Castellano WDR Zeitzeichen 16.12.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 17.12.2099 WDR 5

Als Castellano am 16.12.1985 erschossen wird, endet die große Zeit der Cosa Nostra in New York. Neue kriminelle Organisationen übernehmen, doch ganz verschwindet die Mafia nicht.

Paul Castellanos Ende verhilft einem anderen zum Aufstieg: Der Mord an ihm verschafft Unterboss John Gotti die Chance, die Macht an sich zu reißen und die Gambino-Familie zu übernehmen. Völlig unerwartet kommt das nicht: Gotti war längst unzufrieden mit Castellanos Art zu führen. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen mit: Misha Glenny, Historiker und Direktor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen und Experte für globales organisiertes Verbrechen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • wie die Prohibition in den 1920er-Jahren der Mafia zu enormer wirtschaftlicher Macht verhilft,
  • warum der Mord an Paul Castellano wie eine Szene aus einem Hollywoodfilm wirkt,
  • wie die Cosa Nostra mit Angst und Bestechung ihre Macht absicher und ihr kriminelles Imperium erweitert,
  • welche Rolle die Mafia in den USA heute noch spielt.

Paul Castellano, Italo-Amerikaner der zweiten Generation und Boss der Gambino-Familie, steigt vom jungen Fleischer zum "Paten der US-Mafia" auf. Er herrscht mit Terror, kauft Gewerkschaften und kontrolliert das Bau- und Transportgewerbe in New York. Am 16. Dezember 1985 endet seine Macht abrupt: Drei Männer erschießen ihn vor einem Steak House in Manhattan.

Sein Tod steht im Kontext einer Reihe großer Mafia-Prozesse, wegen der die Cosa Nostra ihre Schlagkraft einbüßt. Doch noch heute wird vermutet, die Mafia stecke hinter zahlreichen Betrugsfällen. Sicher ist allerdings nur: Ganz verschwunden ist sie nie.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Misha Glenny, Historiker und Direktor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (Wien), Experte für globales organisiertes Verbrechen
  • Jeffrey Sussman: Big Apple Gangsters. The Rise and Decline of the Mob in New York, London 2020
  • Misha Glenny: McMafia. Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens, München 2008
  • Joseph F. O’Brian und Andris Kurins: Boss of Bosses. The FBI and Paul Castellano, New York 1991

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Almut Finck
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
Technik: Annette Skrzydlo

Sitting Bull: Unbeugsamer Chief und sein gewaltsames Ende

Sitting Bull: Unbeugsamer Chief und sein gewaltsames Ende WDR Zeitzeichen 15.12.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 16.12.2099 WDR 5

Am 15.12.1890 wird Sitting Bull, Stammesführer der Sioux, erschossen. Sein Tod markiert das Ende des Widerstands - was bleibt von seinem Kampf bis heute?

An 15. Dezember 1890 umstellen Polizisten die Blockhütte von Tatanka Iyotake. Der als Sitting Bull berühmte Chief leistet keinen Widerstand, dennoch kommt es zur Schießerei. Tatanka Iyotake stirbt im Kugelhagel. Die Native Americans verlieren ihren wichtigsten Widerstandskämpfer, der Zeit seines Lebens gegen die Entrechtung seines Volkes gekämpft hat. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Norbert Finzsch, em. Professor für amerikanische Geschichte ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • über den Morgen, an dem Soldaten Sitting Bull töten,
  • wie zwei Wochen nach seinem Tod indigene Frauen und Mädchen bei einem Massaker sterben,
  • was Deutschland mit der Ausbeutung der indigenen US-Bevölkerung zu tun hat,
  • warum heute ausgerechnet Spielcasinos den Indigenen helfen.

Sein Vater nennt ihn Tatanka Iyotake, bekannt wird der 1831 geborene indigene Junge allerdings als Sitting Bull. Der Name beschreibt einen widerständigen Büffel und steht für Stolz und Entschlossenheit. Tatsächlich entwickelt sich Sitting Bull zu einem mutigen Häuptling, vor allem im Kampf gegen die Übergriffe der Siedler.

Im Sommer 1876 gelingt ihm sein wohl größter Coup: Er bringt mehrere Stämme zusammen; gemeinsam besiegen sie die Regierungs-Truppen von George Armstrong Custer. Der Sieg am Little Bighorn River macht Sitting Bull zur Legende. Doch die Freude währt nicht lange – die US-Regierung schränkt die Rechte der Native Americans immer weiter ein.

Sitting Bull kämpft weiter gegen Enteignung und Verfolgung. Zeitweise reist er mit einer Unterhaltungsshow durchs Land, um sein Volk vorzustellen und die Siedlerpolitik zu kritisieren. Seine Mühen sind vergeblich: Am 15. Dezember 1890 wird er von Truppen der US-Regierung erschossen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Norbert Finzsch, em. Professor für amerikanische Geschichte, Köln, Berlin
  • Michael Koch, Verein Tokata-LPSG RheinMain e.V. (Verein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte)
  • Ernie Lapointe (Urenkel von Sitting Bull): Sitting Bull. Sein Leben und Vermächtnis, Hohenthann 2011

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Joseph Baader

Paul Löbe: Ein Leben für Demokratie - und gegen die Extreme

Paul Löbe: Ein Leben für Demokratie - und gegen die Extreme WDR Zeitzeichen 14.12.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 15.12.2099 WDR 5

Paul Löbe (geb. 14.12.1875) kann davon berichten, wie eine parlamentarische Demokratie aufgebaut wird, wie sie funktioniert und wie schnell sie zu Grunde gehen kann.

Sein Lebensweg führt Paul Löbe von ganz unten aus der frühen Gewerkschaftsbewegung und sozialdemokratischen Partei über die Weimarer Nationalversammlung ins Amt des Reichstagspräsidenten. Als ersten aus der Arbeiterschaft. Er ist eine der wenigen Konstanten im Parlamentarismus der Weimarer Republik. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Victoria Krummel (Löbe-Biografin und Redenschreiberin mehrerer Bundestagspräsidenten) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Rüdiger Weidenfeld-Kramer:
  • welchen Beruf Paul Löbe ursprünglich lernt,
  • wie sein Motto lautet,
  • welche Höhen und Tiefen des deutschen Parlamentarismus Löbe in vier politischen Systemen erlebt,
  • wie das Paul-Löbe-Haus in Berlin zu seinem Namen kommt,
  • wie der Politiker nach 1945 zum viel interviewten "Elder Statesman" wird.

Eigentlich will Paul Löbe nicht in die Politik. Seine Parteifreunde von der SPD sind da anderer Meinung: Sie wollen ihn in den Reichstag schicken, als es nach der deutschen Revolution von 1918 um eine verfassungsgebende Versammlung geht. Löbe wird einstimmig als Kandidat nominiert und gibt schließlich nach.

Nachdem die SPD 1920 bei der ersten Reichstagswahl die stärkste Fraktion geworden ist, macht Löbe Karriere als Parlamentspräsident der Weimarer Republik - von 1920 bis 1932, unterbrochen nur durch wenige Monate. Dann wird die NSDAP stärkste Fraktion und Hermann Göring sein Nachfolger.

Auch im letzten Akt seines langen politischen Werdegangs bekleidet Paul Löbe noch einmal ein Amt, das er sich nicht selbst ausgesucht hat: Er wird der Alterspräsident des ersten deutschen Bundestages.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Victoria Krummel (Löbe-Biografin und Redenschreiberin mehrerer Bundestagspräsidenten)
  • Victoria Krummel: Paul Löbe - Ein Leben für die Demokratie. Hamburg 2025
  • Thomas Mergel: Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik - Politische Kommunikation, symbolische Politik und Öffentlichkeit im Reichstag. Düsseldorf 2002
  • Philipp Austermann: Der Weimarer Reichstag: Die schleichende Ausschaltung, Entmachtung und Zerstörung eines Parlaments. Wien/Köln/Weimar 2020
  • Paul Löbe: Der Weg war lang - Lebenserinnerungen von Paul Löbe. Berlin 1954

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Rüdiger Weidenfeld-Kramer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Nico Söllner

Skandal und Sensation: Bertolt Brechts "Die Maßnahme"

Skandal und Sensation: Bertolt Brechts "Die Maßnahme" WDR Zeitzeichen 13.12.2025 14:50 Min. Verfügbar bis 14.12.2099 WDR 5

Revolutionäre Klänge, Arbeitersänger und ein Theaterskandal: Am 13.12.1930 wird Brechts Stück "Die Maßnahme" uraufgeführt, als Sensation gefeiert - und dann jahrzehntelang verboten.

Bertolt Brecht gilt als wichtigster Erneuerer des Theaters. Er selbst sieht sein Musiktheater "Die Maßnahme" als "Theater der Zukunft", von der Kritik wird es als "Meisterwerk der Avantgarde" gefeiert. Doch nach der erfolgreichen Uraufführung entbrennt eine heftige Diskussion – und "Die Maßnahme" verschwindet für 70 Jahre von den Bühnen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Jan Knopf, Verfasser zahlreicher Standardwerke zu Bertolt Brecht ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • warum Brecht und Eisler ein kongeniales Gespann bilden,
  • was die Uraufführung des Lehrstücks so besonders macht,
  • warum es 1947 zu einem Aufführungsverbot kommt,
  • weshalb das Stück 1998 erstmals wiederaufgeführt wird - und danach kaum noch.

Um 1930 entwickelt Bertolt Brecht unter anderem mit Hanns Eisler das avantgardistische Konzept der Lehrstücke. Darin sollen die Spielenden selbst gesellschaftliche Konflikte erkennen, diskutieren und verstehen.

Sein Lehrstück "Die Maßnahme" geht in die Literatur- und Musikgeschichte ein: Darin wird die Frage verhandelt, ob ein Mensch getötet werden darf, um politische Ziele zu erreichen. Die Uraufführung wird zu einer Sensation. Doch dann verbieten Brecht und Eisler jede musikalische Aufführung des Stücks.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Jan Knopf, Leiter der Arbeitsstelle Bertolt Brecht am Institut für Germanistik des Karlsruher Instituts für Technologie
  • Bertolt Brecht: Gesammelte Werke 2, Stücke 2, Berlin 1967
  • Jan Knopf: Brecht-Handbuch Band 1, Stücke, Heidelberg 2001
  • Jan Knopf: Bertolt Brecht, Berlin 2006
  • Fritz Hennenberg: Hanns Eisler, Mainz 2017
  • Friederike Wissmann: Hanns Eisler, München 2012
  • Klaus Dieter Krabiel: Brechts Lehrstücke, Heidelberg 1993

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Kosfeld
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Schloss Neuschwanstein: König Ludwigs Rückzugsort vor der Welt

Schloss Neuschwanstein: König Ludwigs Rückzugsort vor der Welt WDR Zeitzeichen 12.12.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 13.12.2099 WDR 5

Am 12.12.1880 schläft Ludwig II. erstmals auf der Baustelle Neuschwanstein. Er hat große Pläne für sein Schloss. Und am Ende so große Schulden, dass er es nie fertig sieht.

Mit Schloss Neuschwanstein will der Monarch sich seinen größten Wunsch erfüllen. Eine eigene Welt mit den Helden aus Richard Wagners Opern. Schön weit abgeschieden vom Rest der Welt. Drei Jahre Bauzeit hatte er geplant. Jetzt sind es schon mehr als zehn. Zeit für den Bauherrn, sich endlich eine Eindruck zu verschaffen, wie eine Nacht dort ist. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Marcus Spangenberg (Kunsthistoriker) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Dresch:
  • mit welcher Idee Ludwig II. die Statiker während des Baus von Neuschwanstein überrascht,
  • wie teuer das Bauprojekt am Ende ist,
  • welche Verbindung zwischen Ludwig II. und dem Opern-Komponisten Richard Wagner besteht,
  • warum der König das fertige Schloss Neuschwanstein nie sieht,
  • weshalb das Schloss nach Ludwigs Tod für die Untertanen geöffnet wird.

Abgeschieden von der Welt - so stellt sich Ludwig II. sein Leben auf Neuschwanstein vor. Das will er in einer kalten Nacht auf der Baustelle testen. Der König lebt in seiner eigenen Welt mit eigenem Tagesrhythmus. Frühstück gibt es gegen 16 Uhr. Wenn er überhaupt noch einen Termin wahrnimmt, dann spätabends.

Repräsentative Pflichten interessieren ihn nicht. Ihm ist es völlig egal, dass Besuche an anderen Höfen zu seinen Aufgaben zählen. Nachts zieht er lieber mit einem dicken Wintermantel über die Baustelle. Nur ein Diener begleitet ihn, der ihm das Licht hält. Statt mit seinem Land in die Zukunft zu gehen, zieht er sich ins Mittelalter zurück. Schon als Kind ist er fasziniert von Ritterromantik.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Marcus Spangenberg (Kunsthistoriker)
  • Marcus Spangenberg: Ludwig II. - Der andere König. Regensburg 2012

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Laura Dresch
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

Kalte Einöde: Erstmals überwintern neun Frauen in der Antarktis

Kalte Einöde: Erstmals überwintern neun Frauen in der Antarktis WDR Zeitzeichen 11.12.2025 14:35 Min. Verfügbar bis 12.12.2099 WDR 5

Frauen in der Antarktis? Und dann noch über den Winter? Für das Alfred-Wegener-Institut undenkbar – bis im antarktischen Winter des Jahres 1990 neun Frauen das Eis brechen.

Lange Zeit werden Forschungsreisen in die Antarktis fast ausschließlich von Männern unternommen. Das ändert sich, als im Jahr 1990 erstmals ein Team aus neun Frauen im ewigen Eis überwintert. Damit schreiben sie ein neues Kapitel in der Geschichte der Polarforschung. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Estella Weigelt (Geophysikerin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • welche Bedingung die männlichen Entscheider den Forscherinnen für den Einsatz stellen,
  • welches Überlebenstraining die Frauen zur Vorbereitung absolvieren müssen,
  • warum die Wissenschaftlerinnen beim Verlassen der Forschungsstation schwitzen,
  • wie die Frauen nach dem Mauerfall Kontakt zu den 700 Kilometer entfernten DDR-Forschern in der Antarktis aufnehmen,
  • welchen Einfluss die Pionierleistung der Frauen auf die Geschlechterzusammensetzung heutiger Forschungsteams hat.

Der Kontinent der Superlative: Die Antarktis. Der kälteste, stürmischste und lebensfeindlichste Kontinent der Erde, größer als Europa, bedeckt von Tausenden Metern ewigen Eises. Ein halbes Jahr geht die Sonne am Südpol nicht unter, die andere Hälfte herrscht dunkle Nacht.

Im arktischen Winter gibt nur noch der Mond Licht. Es herrschen Temperaturen um minus 40 Grad. Unter diesen Bedingungen müssen die Forscherinnen ausharren. Sie führen wissenschaftliche Experimente durch und überprüfen auch Messgeräte, die kilometerweit von der Station entfernt sind. Im Januar 1991 endet die Überwinterung der neun Frauen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Estella Weigelt (Geophysikerin, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven)
  • Tim Heitland (Mediziner, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven)
  • Monika Sobiesiak und Susanne Korhammer (Hg.): Neun Forscherinnen im ewigen Eis. Die Erste Antarktisüberwinterung eines Frauenteams. Basel 1994

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sarah Fitzek

Emily Dickinson: Frühe queere Ikone und visionäre Dichterin

Emily Dickinson: Frühe queere Ikone und visionäre Dichterin WDR Zeitzeichen 10.12.2025 14:43 Min. Verfügbar bis 11.12.2099 WDR 5

Sie schreibt fast 1800 Gedichte, doch Ruhm will sie nicht – zumindest nicht zu Lebzeiten. Heute zählt Dickinson (geb. am 10.12.1830) zu den größten Lyrikerinnen der USA.

Emily Dickinson zählt zu den bedeutendsten Lyrikerinnen in der Geschichte der USA. Ihre Gedichte sind Schulstoff, ihr Leben ist vielfach verfilmt worden. Zu Lebzeiten bleibt sie jedoch weitgehend unbekannt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Dr. Christine Gerhardt (Universität Bamberg) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Fischer:
  • woran man Gedichte von Emily Dickinson auf den ersten Blick erkennt,
  • wer die wichtigste Frau in ihrem Leben ist,
  • was Dickinson mit Taylor Swifts "Evermore" zu tun hat,
  • warum Emily Dickinson so zurückgezogen lebt,
  • warum ihre Gedichte auch heute noch so erfolgreich sind.

Als Tochter aus gutem Haus ist Emily Dickinson auf keinen Ehemann oder Beruf angewiesen. So hat sie Zeit, sich dem Schreiben von Gedichten zu widmen. Anonym veröffentlicht Dickinson ein paar ihrer Texte. Am Erfolg als Dichterin hat sie jedoch kein Interesse.

Einen Großteil ihres Lebens verbringt sie zurückgezogen. Von den fast 1800 heute bekannten Dickinson-Gedichten erscheinen die meisten erst nach ihrem Tod. Dickinson hat sie sorgfältig notiert – und Hunderte in Briefen an berühmte Menschen ihrer Zeit und ihre geliebte Freundin geschickt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Christine Gerhardt, Universität Bamberg
  • Prof. Dr. Cristanne Miller, University at Buffalo
  • Gunhild Kübler (Hg.): Emily Dickinson. Sämtliche Gedichte. München 2015
  • Lola Gruenthal (Hg.): Emily Dickinson. Guten Morgen, Mitternacht. Gedichte und Briefe. Zürich 2011
  • Dominique Fortier: Städte aus Papier. Vom Leben der Emily Dickinson. München 2022

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Jana Fischer
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

Glanz und Gewalt: Aztekenprinzessin Tecuichpotzin

Glanz und Gewalt: Aztekenprinzessin Tecuichpotzin WDR Zeitzeichen 09.12.2025 14:56 Min. Verfügbar bis 10.12.2099 WDR 5

Ihr Reich zerbricht, ihre Familie wird ausgelöscht. Doch die Aztekenprinzessin Tecuichpotzin findet Wege, im kolonialen Mexiko zu bestehen. Sie stirbt am 9. Dezember 1550.

Im Jahr 1550 lässt Doña Isabel de Moctezuma in Mexiko ihr Testament aufsetzen. Es verrät viel über das bewegte Leben der Aztekenprinzessin, die erlebt, wie um sie herum eine Welt in Chaos und Gewalt versinkt. Sie muss sich in einer neuen Ordnung behaupten, ihre Religion wechseln und kämpft für ihre Rechte und ihre Kinder. Im Jahr 1550 schwinden ihre Kräfte. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Antje Gunsenheimer, Ethnologin und Spezialistin für Altamerikanische Gesellschaften und Kulturen, Universität Bonn ***


In diesem Zeitzeichen erzählen Markus Harmann und Joachim Heinz:
  • wie Isabel zu ihrem Titel "Tecuichpotzin" kommt und was er bedeutet,
  • wie Hernán Cortés das Leben der Aztekenprinzessin und ihrer Familie auf den Kopf stellt,
  • von Isabels teils sehr kurzen Ehen und was diese ihr bringen,
  • was ihr Testament über Doña Isabel de Moctezuma aussagt.

Doña Isabel de Moctezuma ist die Tochter des legendären Aztekenkaisers. Und damit eins von mutmaßlich 150 Kindern, die Moctezuma mit schätzungsweise 50 Haupt- und Nebenfrauen zeugt. Isabel erlebt schon als Kind zahlreiche Schicksalsschläge: Ihr Vater, ihre Mutter und ihre Geschwister werden getötet. Außerdem ist sie Zeugin von der Eroberung und Zerstörung ihrer Heimatstadt Tenochtitlan.

Trotzdem meistert sie den Übergang von der aztekischen zur spanischen Welt erfolgreich. Doña Isabel überlebt zahlreiche Ehemänner und behauptet sich als Frau und Mutter. Durch ihre insgesamt sieben Kinder begründet sie mehrere Adelsstämme, die noch heute Moctezuma im Namen führen. Ihr mutmaßliches Todesdatum ist der 9. Dezember 1550. Manche Forscher glauben aber, dass die Aztekenprinzessin länger lebt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Antje Gunsenheimer, Ethnologin und Spezialistin für Altamerikanische Gesellschaften und Kulturen, Universität Bonn
  • Stefan Rinke: Conquistadoren und Azteken. Cortés und die Eroberung Mexikos. München 2019
  • Wolfgang Behringer: Der große Aufbruch. Globalgeschichte der Frühen Neuzeit. München 2023
  • Wolfgang Reinhard: Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415-2015. München 2016
  • Margarita Menegus Bornemann und María Castañeda de la Paz: Isabel Moctezuma, familia y encomienda. Mexiko-Stadt 2021

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Sammy Davis Jr.: Witz als Waffe gegen Rassismus

Sammy Davis Jr.: Witz als Waffe gegen Rassismus WDR Zeitzeichen 08.12.2025 14:32 Min. Verfügbar bis 09.12.2099 WDR 5

Er nannte sich einen "einäugigen schwarzen Juden" und verwandelte persönliche Brüche in eine einzigartige Karriere. Am 8.12.1925 wurde Sammy Davis Jr geboren.

Eines Tages verabredet sich Sammy Davis jr. mit dem Entertainer Jack Benny zum Golf. Benny fragt ihn gleich nach dessen Handicap. "Handicap?", antwortet Sammy Davis. Er kann sich nicht zurückhalten, daraus einen Witz zu machen. "Du fragst nach meinem Handicap? – Ich bin ein einäugiger schwarzer Jude!" *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Matthew Frye Jacobson (Professor für African American Studies an der Yale University) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:
  • mit welchem Trick Sammy das Auftrittsverbot für Kinder umgeht und schon in jungen Jahren auf der Bühne steht,
  • welche rassistischen Anfeindungen er in der US-Armee erlebt,
  • wie Sammy Davis jr. Mitglied der Entertainer-Gruppe "Rat Pack" wird,
  • womit US-Präsident John F. Kennedy seinen Unterstützer Sammy tief verletzt,
  • wie Sammy in Teilen der schwarzen Community für Irritationen sorgt,
  • welche Darbietung er bei der Gala zu seinem 60. Bühnenjubiläum präsentiert.

Sammy Davis jr. erlebt jeden Tag Rassismus: Mit seinen Shows im "Sands Casino" in Las Vegas sorgt er für ein volles Haus, darf aber in derselben Straße als Schwarzer nicht im Hotel wohnen. Auf der Bühne macht er das mit viel Humor immer wieder zum Thema.

Der US-Amerikaner scheint Handicaps zu sammeln: Er ist mit 1,56 Meter von kleiner Statur, verliert bei einem Unfall sein linkes Auge, konvertiert zum Judentum und ist noch dazu als schwarzer Mann eine Zeit lang mit einer weißen Frau verheiratet - was seinerzeit in den USA als geradezu skandalös gilt. Dennoch entwickelt sich Sammy Davis jr. zu einem der größten Showstars als Sänger, Entertainer und Schauspieler.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Matthew Frye Jacobson (Professor für African American Studies an der Yale University)
  • Matthew Frye Jacobson: Dancing down the barricades: Sammy Davis Jr. and the long civil rights era - A cultural history. Oakland 2023
  • Sammy Davis Jr. (with Burt and Jane Boyar): Yes, I Can. New York 1965
  • Sammy Davis Jr. (with Burt and Jane Boyar): Why me?. New York 1989

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Mau
Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

Kniefall von Warschau: Willy Brandt schreibt spontan Geschichte

Kniefall von Warschau: Willy Brandt schreibt spontan Geschichte WDR Zeitzeichen 07.12.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 08.12.2099 WDR 5

Am 7.12.1970 fällt Bundeskanzler Willy Brandt vor dem Ghetto-Denkmal spontan auf die Knie. Seine Geste wird zur Ikone der Versöhnung in Europa - und spaltet Deutschland.

Für seine Ostpolitik bekommt Willy Brandt den Friedensnobelpreis, die Opposition in Bonn kann dagegen lange nicht ihren Frieden mit den Ostverträgen machen - und mit seinem Kniefall 1970 in Warschau. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Peter Oliver Loew, Historiker und Leiter des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt***


In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
  • warum Willy Brandt mit seinem Kniefall schockiert und überrascht,
  • wie Brandt selbst danach seine Motivation beschreibt,
  • warum in Polen nur die wenigsten vom Kniefall erfahren.

Die Zeit sei gekommen für einen Schlussstrich und für den Neubeginn. So wirbt Bundeskanzler Willy Brandt für den Warschauer Vertrag, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg normalisieren soll. Doch Brandts Ostpolitik unter dem Motto "Wandel durch Annäherung" ist in der Bundesrepublik umstritten. Die CDU/CSU etwa fürchtet eine Verfestigung der deutschen Teilung.

Unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung legt Brandt am Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto einen Kranz ab und kniet überraschend nieder. Diese viele Menschen bewegende Geste wird zum Symbol seiner Ostpolitik und zur wichtigen Ikone in der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock
Redaktion: Carolin Rückl und David Rother

Härtegrad 2B: Der Erfinder des modernen Bleistifts

Härtegrad 2B: Der Erfinder des modernen Bleistifts WDR Zeitzeichen 06.12.2025 14:02 Min. Verfügbar bis 07.12.2099 WDR 5

Im Grunde will Nicolas-Jacques Conté mit seinen Erfindungen nur seiner Frau gefallen – und hilft uns auch 220 Jahre nach seinem Tod (6.12.1805) noch beim Schreiben und Zeichnen.

Ohne Nicolas-Jacques Conté gäbe es den modernen Bleistift vielleicht gar nicht. Seine Karriere reich an Wendepunkten: Bevor Conté Napoleon mit seinen physikalischen und technischen Kenntnissen begeistert, ist er Gärtner und macht sich als Porträtmaler einen Namen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Dr. Stephanie Armer, Leiterin des Unternehmensarchivs bei Faber-Castell ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Simon Schomäcker:
  • warum die Bezeichnung "Bleistift" in die Irre führt,
  • aus welchen Materialien der Bleistift wirklich besteht,
  • dass Nicolas-Jacques Conté den Briten nicht nur mit dem Bleistift einen Strich durch die Rechnung macht,
  • warum Napoleon das Universalgenie Conté für eine Ägypten-Expedition anheuert.

In seiner Heimat gilt er als Universalgenie, außerhalb Frankreichs sagt der Name Nicolas-Jacques Conté nur wenigen Leuten etwas. Dabei wird seine Erfindung – der moderne Bleistift – auch heute noch auf der ganzen Welt genutzt. Conté entwickelt ein Verfahren, mit dem Graphitminen in verschiedenen Härtegraden hergestellt werden können. 1795 lässt er sein Verfahren patentieren und startet die weltweit erste industrielle Bleistiftproduktion.

Nicolas-Jacques Conté entwickelt zudem ein Pausverfahren, mit dem sich alte Schriften vervielfältigen lassen. Stärkster Antrieb für Conté ist, seine Frau zu beeindrucken. Als sie stirbt, ist es auch mit seiner Motivation vorbei. Ein Jahr nach ihrem Tod stirbt auch er mit nur 50 Jahren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Marta Marin-Ariza, Museumsführerin, Expertin für die Produktion von Bleistiften
  • Dr. Stephanie Armer, Leiterin des Unternehmensarchivs bei Faber-Castell
  • Ralf-Wilhelm Schmidt, Künstler, spezialisiert auf Bleistiftzeichnungen

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Simon Schomäcker
Redaktion: Matti Hesse

Aliens und Monsterwellen: Mythos Bermuda-Dreieck

Aliens und Monsterwellen: Mythos Bermuda-Dreieck WDR Zeitzeichen 05.12.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 06.12.2099 WDR 5

Eine ganze Fliegerstaffel verschwindet am 5.12.1945 südlich von Florida – bis heute ohne Spur. Seither halten sich Geschichten vom alles verschlingenden Seedreieck bei den Bermudas.

Das Bermuda-Dreieck ist ein Seegebiet im Atlantik zwischen Süd-Florida, Puerto Rico und Bermuda. Nach mehreren tatsächlichen oder angeblichen Schiffs- und Flugzeugunglücken ranken sich zahlreiche Mythen und Verschwörungstheorien um das Gebiet. Einige der mysteriösen Ereignisse können bis heute nicht restlos aufgeklärt werden. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir mit dem Autor Ulrich Magin gesprochen. ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • welche Theorien im Zusammenhang mit dem Bermuda-Dreieck gesponnen werden,
  • wer heute als Erfinder des Begriffs "Bermuda-Dreieck" gilt,
  • was die Watergate-Affäre mit einer Flut an Ufo-Sichtungen zu tun hat,
  • wie der Uni-Bibliothekar Larry Kusche mit sorgfältiger Recherche viele der Bermuda-Dreieck Mythen entzaubert.

Am 5. Dezember 1945 bricht eine Staffel von fünf "Avenger"-Kampfflugzeugen vom Marinestützpunkt in Fort Lauderdale zu einem Übungsflug auf. 13 Flugschüler sollen lernen, Bomben zielgenau abzuwerfen. Dazu sollen sie ein Riff anfliegen. Der Staffelführer Charles C. Taylor ist zwar erst 28 Jahre alt, mit 2.500 Flugstunden aber schon ein erfahrener Pilot. Trotzdem verirrt sich die Staffel. Die Kompasse in Taylors Flugzeug scheinen nicht zu funktionieren.

Einer seiner letzten Funksprüche: "Alle Flugzeuge bleiben eng zusammen. Wir müssen auf dem Wasser notlanden, wenn kein Land kommt. Wenn der erste Flieger weniger als 10 Gallonen Sprit hat, gehen wir alle gemeinsam runter."

Obwohl noch am selben Abend Suchtrupps aufbrechen, werden die fünf Flugzeuge und ihre Besatzungsmitglieder nie gefunden. Auch eines der Suchflugzeuge verschwindet spurlos. In den 1950er und 60er Jahren wird das Unglück zusammen mit anderen ungeklärten Fällen aus der Region immer wieder aufgegriffen. Im Jahr 1964 bekommt sie den Namen "Bermuda-Dreieck".

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Ulrich Magin, Autor
  • Lawrence David Kusche: Die Rätsel des Bermuda-Dreiecks sind gelöst! 1975.
  • Vincent Gaddis: Geisterschiffe. Das Bermuda-Dreieck und andere ungelöste Rätsel der Meere. München 1976.
  • Ivan T. Sanderson: Invisible Residents: The Reality of Underwater UFOs. 2006.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Marko Rösseler
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Sarah Fitzek

Ein Schotte erfindet ein Land - und erbeutet Millionen

Ein Schotte erfindet ein Land - und erbeutet Millionen WDR Zeitzeichen 04.12.2025 14:33 Min. Verfügbar bis 05.12.2099 WDR 5

Gregor MacGregor verkauft seinen Landsleuten einen Traum: Grundstücke im paradiesischen "Poyais" in Südamerika - das aber ein unbewohnbarer Sumpf ist. Der dreiste Betrüger stirbt am 4.12.1845.

Fruchtbar soll das Land Poyais sein, zudem reich an Bodenschätzen und mit gut ausgebauter Infrastruktur. Ein Versprechen, für das etliche Siedler gern die beschwerliche Reise aus Großbritannien in das südamerikanische Land antreten. Als sie bemerken, dass Poyais gar nicht existiert, ist es für viele zu spät. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Prof. Barbara Potthast, Universität Köln ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • wie Gregor MacGregor in Südamerika gegen Rum und Juwelen Land erwirbt,
  • warum viele Auswanderer dort sterben, statt ihr Glück zu finden,
  • wie Gregor MacGregor in seiner Heimat weiter täuscht und betrügt,
  • wie er es schafft, dem Gefängnis zu entgehen.

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege rutscht Großbritannien in eine Depression. Viele wollen auswandern - und andere ihnen dabei helfen. Mit Handzetteln, Broschüren und Liedern versuchen sie, Siedler für die Neue Welt zu gewinnen. Einer von ihnen ist Gregor MacGregor.

Er lockt Auswanderer nach Poyais, ein Stückchen Paradies mit Sonne, Strand und Reichtum. Doch das angeblich erschlossene Land ist reine Fiktion - und MacGregor einer der dreistesten Betrüger der britischen Geschichte. Er bringt Hunderte um ihr Geld oder sogar um ihr Leben. Bis der Schwindel auffliegt und Gregor MacGregor selbst auswandern muss.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Barbara Potthast, Universität Köln
  • David Sinclair: The land that never was. Sir Gregor McGregor and the most audacious fraud in history. London 2003
  • Thomas Strangeways: Sketch of the Mosquito Shore, including the territory of Poyais. Edinburgh 1822
  • Edward Codd: Proceedings of an Inquiry and Investigation. Instituted by Major General Codd. Whitefish 2009

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: David Rother
Technik: Moritz Raestrup

Vom Adel zum Faschismus: Oswald Mosleys Aufstieg und Fall

Vom Adel zum Faschismus: Oswald Mosleys Aufstieg und Fall WDR Zeitzeichen 03.12.2025 14:48 Min. Verfügbar bis 04.12.2099 WDR 5

Oswald Mosley gründet die Partei "British Union of Fascists". Der Diktator Benito Mussolini und die Nationalsozialisten sind ihm ein Vorbild. Er stirbt am 3.12.1980.

Oswald Mosley stammt aus einer wohlhabenden Adelsfamilie. Im Ersten Weltkrieg wird er schwer verwundet und kehrt als Invalide nach Großbritannien zurück. 1918 startet er seine politische Laufbahn. Bekannt wird er vor allem für die Gründung der Partei "British Union of Fascists" (BUF), die nur wenige Jahre später wieder verboten wird. *** Gesprochen haben wir für dieses Zeitzeichen unter anderem mit: Martin Pugh (Historiker) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte:
  • wie der britische Landadel durch die Industrialisierung an Bedeutung verliert,
  • wie der Erste Weltkrieg traditionelle Werte und Männlichkeitsbilder zerstört,
  • was es mit dem Keynesianismus auf sich hat,
  • worin sich die Politik Oswald Mosleys und Donald Trumps gleichen,
  • von der Verbindung Oswald Mosleys und seiner zweiten Frau Diana Mitford zu den deutschen Nationalsozialisten.

Heute ist Oswald Mosley vor allem durch seine größte Niederlage bekannt. Am 4. Oktober 1936 wollen er und seine "British Union of Fascists" durch Ost-London marschieren. Etwa 3.000 seiner Anhänger versammeln sich am Tower of London. Rund 100.000 Gegendemonstranten und starke Polizeikräfte verhindern die Demonstration.

Mosleys politische Laufbahn beginnt 1918 als jüngster Abgeordneter seiner Zeit für die Konservativen. Zunächst ist er ein Hoffnungsträger, zerstreitet sich, drückt für kurze Zeit als unabhängiger Abgeordneter die Oppositionsbank und wendet sich dann der sozialdemokratischen Labour-Partei zu. Aber auch diese Liaison endet in einem Zerwürfnis.

Frustriert gründet Mosley 1931 die "New Party", aus der ein Jahr später die Organisation wird, mit der Mosley berühmt und berüchtigt wird: die "British Union of Fascists".

Mosley und seine Gefolgsleute hoffen auf eine große Krise, mit der die etablierten politischen Parteien nicht mehr umgehen können. Aber stattdessen sind es andere Faschisten, die eine entscheidende Krise herbeiführen - für Großbritannien und für die "British Union of Fascists" selbst.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Martin Pugh, Historiker
  • Martin Pugh: Hurrah for the Blackshirts! Fascists and Fascism in Britain Between The Wars. London 2006
  • Stephen Dorril: Blackshirt. Sir Oswald Mosley and British Fascism. London 2006

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Werthschulte
Redaktion: Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann

Tödliches Kolonialerbe: Südmolukker überfallen Zug bei Wijster

Tödliches Kolonialerbe: Südmolukker überfallen Zug bei Wijster WDR Zeitzeichen 02.12.2025 14:44 Min. Verfügbar bis 03.12.2099 WDR 5

Warum entführen junge Molukker in den Niederlanden am 2.12.1975 einen Zug - und nehmen Tote in Kauf? Ein Drama mit Wurzeln in der Kolonialgeschichte.

Nicht nur die niederländischen Sender unterbrechen ihre laufenden Programme. Alle Welt schaut und hört hin, als sieben jugendliche Molukker am 2. Dezember 1975 bei Wijster einen Zug entführen. Gleich am Anfang der Besetzung wird der Lokführer erschossen, später töten die Terroristen auch zwei Passagiere. Erst nach zwölf Tagen geben sie auf. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Professorin Beatrice de Graaf, Universität Utrecht ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • von der Geschichte der Molukker - wer sie sind und woher sie kommen,
  • welche dramatischen Szenen sich im Zug bei Wijster abspielen,
  • warum die Zugentführung nur ein erster trauriger Höhepunkt ist und welche Aktionen der Südmolukker noch folgen,
  • von Integration als Schlüssel zum Erfolg gegen den Terror.

Am 2. Dezember 1975 schaut die ganze Welt auf die Niederlande. Denn ein Zug wird in der Nähe des Dorfes Wijster zum Schauplatz einer brutalen Geiselnahme. Sieben schwer bewaffnete Jugendliche bringen an einem automatischen Bahnübergang dutzende Reisende in ihre Gewalt.

Die Täter gehören der molukkischen Minderheit in den Niederlanden an. Sie fordern die Freilassung aller in den Niederlanden inhaftierten Molukken. Außerdem wollen sie, dass ihre 1950 gegründete Republik der Südmolukken unabhängig und anerkannt wird.

Das Drama auf dem Gleis zieht sich fast zwei Wochen lang hin, dann geben die Terroristen auf, obwohl der Staat ihre Forderungen nicht erfüllt. Für den Lokführer und zwei Fahrgäste endet die Zugentführung tödlich.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Beatrice de Graaf, Universität Utrecht
  • Petra Maria Becker: Die ethnische Sonderstellung der Ambonesen in Indonesien in der Zeit vor und nach Erlangung der politischen Unabhängigkeit, 1994
  • Beatrice de Graaf: Der Kampf gegen den Terror. Die Niederlande und Deutschland im Vergleich, Münster 2020

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!
Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Matti Hesse

Europas beste Mittelalter-Diplomatin: Margarete von Österreich

Europas beste Mittelalter-Diplomatin: Margarete von Österreich WDR Zeitzeichen 01.12.2025 14:45 Min. Verfügbar bis 02.12.2099 WDR 5

Zum dritten Mal Witwe, will Margarete mehr sein als taktisches Heiratsmaterial. Sie stirbt am 1.12.1530 als erfolgreiche Politikerin und Architektin eines historischen Friedens.

Nach drei Ehen will Margarete von Österreich mehr sein als nur eine Schachfigur im Hochzeitsspiel der Habsburger. Und tatsächlich: Sie wird zur besten Diplomatin Europas, wie Mittelalter-Historiker ihr attestieren. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Birgit Studt, Universität Freiburg


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • dass Margarete ihr Stammland Österreich nie gesehen hat,
  • warum ihre dritte Ehe die schönste ist und die letzte bleibt,
  • wie sie den "Damenfrieden von Cambrai" verhandelt
  • und wie Margarete zur besten Diplomatin Europas wird.

Schon früh wird Margarete von Österreich zum ersten Mal verheiratet - mit nur drei Jahren. Es folgen zwei weitere Ehen, die alle kurz bleiben und für Margarete herbe Schicksalsschläge bereit halten. Als ihr Vater sie zum vierten Mal verheiraten will, weigert sie sich - und wird stattdessen mit 27 Jahren zur Statthalterin der burgundischen Niederlande.

Sie führt ein Leben als Regentin und arbeitet für ihren Neffen, den späteren Karl V.. Als dieser mit dem französischen König Franz I. aneinander gerät, verhandelt Margarete als Tante des deutschen Königs mit der Mutter des französischen Königs den "Damenfrieden von Cambrai". Für viele Mittelalter-Historiker gilt Margarete deshalb bis heute als beste Diplomatin Europas.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Birgit Studt, Universität Freiburg
  • Thea Leitner: Europas bester Diplomat. Margarete 1480-1530. Wien, 1987
  • Ursula Tamussino: Margarete von Österreich: Diplomatin der Renaissance. Graz, 1995

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Sascha Schiemann

"Gottesurteile" werden 1215 verboten

"Gottesurteile" werden 1215 verboten WDR Zeitzeichen 30.11.2025 14:26 Min. Verfügbar bis 01.12.2099 WDR 5

Glühende Eisen an den Füßen, gefesselte Menschen im Wasser: Mittelalterliche "Gottesurteile" waren oft grausam - und werden 1215 vom päpstlichen Laterankonzil verboten. Was folgt, ist ein Schritt zur modernen Rechtsprechung - aber auch zur gefürchteten "Inquisition".

Ehebruch oder Meuchelmord - Verbrechen ohne Zeugen gibt es im Mittelalter genug. Als unschuldig gilt, wer mit Gottes Hilfe rituelle Prüfungen besteht. Eine Praxis, die man nicht nur im europäischen Mittelalter, sondern auch in Asien und Afrika kennt. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Prof. Matthias Becher, Institut für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • warum einige Menschen im Mittelalter in siedendes Wasser greifen müssen,
  • woher der Ausdruck "heißes Eisen anfassen" kommt,
  • warum es schon früh Zweifel an den "Gottesurteilen" gibt,
  • wie sich unter Papst Innozenz III. alles ändert - aber nicht zum Guten.

Mal müssen Beschuldigte über glühende Kohlen laufen, mal werden sie in tiefes Wasser gestoßen. Im Mittelalter gibt es viele rituelle Prüfungen, um die eigene Unschuld zu beweisen. Die Idee dahinter: Gott beschützt den Gerechten und lässt den Ungerechten ins Unglück fallen.

Doch die Prüfungen sind nicht nur grausam, sie sind auch manipulationsanfällig. Deshalb spricht sich Papst Innozenz III. 1215 gegen diese "Gottesurteile" aus. An ihre Stelle rückt etwas nicht minder Grausames: die Inquisition.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Matthias Becher, Institut für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn
  • Prof. Arnold Angenendt, Theologe und Kirchenhistoriker an der Universität Münster († 2021)
  • Arnold Angenendt: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Freiburg 2009
  • Peter Dinzelbacher: Lebenswelten des Mittelalters, Badenweiler 2010
  • Peter Dinzelbacher: Das Fremde Mittelalter. Gottesurteil und Tierprozess, Essen 2006
  • Wolfgang Schild: Alte Gerichtsbarkeit, München 1980

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: David Rother und Ronald Feisel
Technik: Sascha Schiemann

Parlament statt Samurai: Japans erster Schritt zur Demokratie

Parlament statt Samurai: Japans erster Schritt zur Demokratie WDR Zeitzeichen 29.11.2025 14:40 Min. Verfügbar bis 30.11.2099 WDR 5

Mit der Eröffnung des ersten Parlaments in Japan beendet Kaiser Meiji am 29.11.1890 die Militärdiktatur der Samurai. Doch bis zu einer echten Demokratie ist es noch weit.

Weil Japan sich im 19. Jahrhundert erneuern muss, beendet Kaiser Meiji die Ära der Samurai und eröffnet 1890 das erste Parlament Japans. Zur Demokratie wird das Land dadurch nicht: Nur ein Prozent der japanischen Bevölkerung darf im Entstehungsjahr des Parlaments wählen. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Dr. Sven Saaler, Professor für moderne japanische Geschichte an der Sophia-Universität in Tokio ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Nikolas Fischer:
  • warum der japanische Kaiser die lange Ära der Samurai beendet,
  • wie er eine Verfassung aufsetzt, um Japan zu modernisieren,
  • warum er dadurch nicht weniger, sondern mehr Macht erhält,
  • warum der erste Premierminister "Bismarck Japans" genannt wird.

Für die erste japanische Verfassung lassen sich die Autoren auch von Deutschland inspirieren. Ein extra aus Deutschland eingereister Rechtsgelehrter rät zwar von der Schaffung eines Parlaments ab, doch davon wollen die Japaner nichts wissen. 1890 eröffnet Kaiser Meiji nach 250 Jahren Militärdiktatur das erste Parlament in der Geschichte Japans.

Was fortschrittlich klingt, ist es im Grunde nicht: Meiji handelt nur auf Druck von außen, das Parlament hat keine richtige Macht. Auch eine Gewaltenteilung ist nicht vorgesehen. Der Kaiser bleibt der Inhaber aller politischen Macht in Japan. Das ändert sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Nikolas Fischer
Redaktion: Jakob Schiffer und Matti Hesse
Technik: Christine Reinartz

"Cablegate": Als Wikileaks die Weltpolitik erschüttert

"Cablegate": Als Wikileaks die Weltpolitik erschüttert WDR Zeitzeichen 28.11.2025 14:11 Min. Verfügbar bis 29.11.2099 WDR 5

Am 28.11.2010 veröffentlicht Julian Assange 250.000 geheime US-Dokumente. Es folgt ein diplomatischer Skandal - und die Frage, wie viel Transparenz Demokratie verträgt.

US-Botschaften aus der ganzen Welt verfassen regelmäßig Lagebeurteilungen. Adressat: die Regierung in den USA. Doch es gibt eine undichte Stelle: Am 28. November 2010 veröffentlicht die Enthüllungsplattform "Wikileaks" Hunderttausende dieser Geheimdokumente. Mit weitreichenden Folgen. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Holger Stark, Journalist und stellvertretender Chefredakteur von "Die Zeit" ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:
  • was in der geheimen Diplomatenpost über die Mächtigen in aller Welt vermeldet wird,
  • was etablierte Medien wie The Guardian, Le Monde oder Spiegel Online mit der Veröffentlichung zu tun haben,
  • welche Folgen "Cablegate" für Manning und Assange hat,
  • warum "Wikileaks" erst gehyped und dann zunehmend kritisch gesehen wird.

Es ist ein digitaler Stich mitten ins Herz der USA: Am 28. November 2010 veröffentlicht die Enthüllungsplattform "Wikileaks" über 250.000 Depeschen von US-Botschaften. Deren Angestellte berichten aus aller Welt an die USA, was von Politikern im Ausland zu halten sei - auch von deutschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa sei "selten kreativ" und verhalte sich wie "Teflon", alles perle an ihr ab.

Die damals noch als Mann lebende US-Soldatin Chelsea Manning hatte die geheimen Dokumente heruntergeladen und "Wikileaks"-Gründer Julian Assange zugespielt. Dieser schlägt mit seiner Idee radikaler Transparenz ein neues Kapitel der Informationsgesellschaft auf - und legt zugleich ihre Grenzen offen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Holger Stark, Journalist und stellvertretender Chefredakteur, Die Zeit
  • Markus Beckedahl, Netzaktivist und Gründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie
  • Marcel Rosenbach und Holger Stark: Staatsfeind WikiLeaks. Wie eine Gruppe von Netzaktivisten die mächtigsten Nationen der Welt herausfordert, München 2011

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Jonas Colsman
Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
Technik: Petra Laubach

Nackt unter Palmen: Aussteiger August Engelhardt

Nackt unter Palmen: Aussteiger August Engelhardt WDR Zeitzeichen 27.11.2025 15:38 Min. Verfügbar bis 28.11.2099 WDR 5

Fast nur von Kokosnüssen lebt Engelhardt (geb. 27.11.1875) im "Sonnenorden" in der Südsee. Er verspricht seinen Anhängern ewiges Leben. Die sterben einer nach dem anderen.

August Engelhardt aus Nürnberg wandert auf der Suche nach dem Paradies 1902 in die Südsee aus. Was er findet, sind jede Menge Kokosnüsse, tropische Krankheiten und am Ende den Tod. Seine Geschichte ist so unglaublich, dass sie auch literarisch verewigt wird. Unter anderem im Roman "Imperium" des Schweizer Schriftstellers Christian Kracht. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Sven Mönter, Historiker ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • auf welchen Wegen und mit welchen Versprechungen Engelhardt für sein Aussteigerleben wirbt,
  • warum der Traum vom Südseeparadies Ende des 19. Jahrhunderts viele anzieht,
  • von Heinrich Aueckens, der als erster Europäer auf Engelhardts Insel kommt und dort den Tod findet,
  • von einem tödlichen Streit zwischen Engelhardt und seinem Mit-"Kokovoristen" August Bethmann.

August Engelhardt ist seit seiner Jugend Anhänger der neuen Lebensreform-Bewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts en vogue wird. In einer zunehmend industrialisierten und verstädterten Umwelt propagieren ihre Anhänger dazu einen Gegenentwurf: zurück zur Natur, vegetarische Ernährung, Freikörperkultur und Homöopathie.

Engelhardt wandert in die Südsee aus, wo er 1902 den "Sonnenorden" gründet. Seine Botschaft: Das nahezu ausschließliche Essen von Kokosnüssen mache unsterblich und vereine mit Gott. Mehr als ein Dutzend Anhänger des Sonnenordens gibt es vermutlich nie. Malaria, Hitze und die karge Kost machen den "Kokovoristen" zu schaffen.

Für Engelhardt, den viele nur als lebendes Kuriosum sehen, kommt Aufgeben nicht in Frage. Er bleibt bis zu seinem Tod in der Südsee. Er wird nur 43 Jahre alt.

Das ist unser Hörtipp:

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Sven Mönter, Historiker
  • Rainer Buschmann, Historiker, Kolonialgeschichte Papua-Neuguineas
  • Rainer F. Buschmann: Hoarding New Guinea. Writing Colonial Ethnographic Collection Histories for Postcolonial Futures, Lincoln 2023
  • Dieter Kiepenkracher (Hrsg.): Hoch der Äquator! Nieder mit den Polen! Eine sorgenfreie Zukunft im Imperium der Kokosnuss, Norderstedt 2012
  • Sven Mönter: The "Sonnenorden". A cultural-historical case study of German colonists in the Pacific, Masterarbeit, Auckland 2005

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins
Technik: Sascha Schiemann

Reichskanzler und Totengräber der Demokratie: Heinrich Brüning

Reichskanzler und Totengräber der Demokratie: Heinrich Brüning WDR Zeitzeichen 26.11.2025 14:30 Min. Verfügbar bis 27.11.2099 WDR 5

Heinrich Brüning, geboren am 26.11.1885, regiert als Reichskanzler der Weimarer Republik ab 1930 mit Notverordnungen - und wird zum Symbol für das Ende der Demokratie.

Es ist eine gefährliche Gemengelage in der Politik der Weimarer Republik: Reichskanzler Heinrich Brüning ist für eine Monarchie mit demokratischen Elementen und regiert selbst ohne eigene Mehrheit. Reichspräsident Hindenburg ist ein Gegner der Demokratie. Die Probleme häufen sich - und eine Partei wartet geduldig, bis sie ihre Diktatur errichten kann. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Michael Dreyer (außerplanmäßiger Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte und Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • warum Brüning als Totengräber der Demokratie gilt,
  • von Brünings verklärter Sicht auf den Ersten Weltkrieg,
  • wie sich Brünings Notverordnungen auf das alltägliche Leben der Menschen auswirken,
  • von seiner schwankenden Haltung gegenüber der NSDAP.

Geboren als Sohn eines Essigfabrikanten, legt Heinrich Brüning eine erstaunliche politische Karriere hin: Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reichstagsabgeordneter, Fraktionsvorsitzender und ab 1930 Reichskanzler der Weimarer Republik. Seine Amtszeit dauert aber nur zwei Jahre, denn wegen seiner Sparmaßnahmen ist Brüning sehr unbeliebt.

Nach der Machtübertragung an die Nazis wird er Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei und stimmt 1933 dem Ermächtigungsgesetz zu. Ein Jahr später flieht Brüning aus Deutschland, verbringt den Rest seines Lebens vor allem in den USA.

Seine Memoiren lösen später heftige Kontroversen unter Historikern und Publizisten aus. Hat Brüning wirklich versucht, den Marsch in eine Diktatur aufzuhalten? Welchen Handlungsspielraum hatte er? Fest steht nur: Selbstkritik ist von ihm nicht überliefert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Dreyer (außerplanmäßiger Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte und Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik)
  • Webseite des Weimarer Republik e.V.

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Klug
Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

Weißes Schiff: Mittelalter-Drama, das England bis heute prägt

Weißes Schiff: Mittelalter-Drama, das England bis heute prägt WDR Zeitzeichen 25.11.2025 14:42 Min. Verfügbar bis 26.11.2099 WDR 5

Richard Löwenherz und die Magna Carta hätte es ohne den Untergang des Weißen Schiffs bei Barfleur am 25.11.1120 wohl nicht gegeben. 300 Menschen sterben - auch der Thronfolger.

Am 25. November 1120 zerschellt das Schiff des einzigen ehelichen Sohns Heinrich I. vor der Küste der Normandie. Der Thronfolger ertrinkt. Als Heinrich seine Tochter Matilda zur Nachfolgerin erklärt, entbrennt ein fast 20-jähriger Bürgerkrieg. "Kein Schiff hat England je so viel Unglück gebracht", schreibt ein Chronist. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Richard Huscroft (Historiker und Experte für englische Geschichte des 12. Jahrhunderts) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • von gleich mehreren entscheidenden Wendungen in der englischen Geschichte des 11. und 12. Jahrhunderts,
  • von einem Alkohol-Gelage und schlechter Seemannskunst,
  • was die uneheliche Schwester mit dem Tod des Prinzen zu tun hat,
  • warum es ohne den Schiffbruch wohl keine Magna Carta gegeben hätte.

Am 25. November 1120 sticht das "Weiße Schiff" an der Küste der Normandie in See, um nach England zu segeln. Doch die Fahrt nimmt kein gutes Ende. Unmittelbar nach der Abfahrt aus dem Hafen von Barfleur läuft das Schiff auf einen Felsen und sinkt. 300 Menschen ertrinken - unter ihnen auch William Aetheling, der einzige legitime Erbe von König Heinrich I. von England.

Fast 20 Jahre streiten Heinrichs Tochter Matilda und sein Neffe Stephen von Blois anschließend um die Krone. Historiker geben den blutigen Thronwirren später den Namen "The Anarchy". Am Ende steht ein Kompromiss und mit Matildas ältestem Sohn Heinrich II. ein neuer König. Er ist der erste Monarch aus dem Hause Plantagenet. Weitere sind etwa Richard Löwenherz und der "Magna-Carta-Begründer" König John. Ohne den Untergang des Weißen Schiffs wäre Englands Geschichte vermutlich anders verlaufen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Richard Huscroft (Historiker und Experte für englische Geschichte des 12. Jahrhunderts)
  • Richard Huscroft: Tales from the Long Twelfth Century. The Rise and Fall of the Angevin Empire. New Haven and London 2016
  • Richard Huscroft: Ruling England 1042-1217. 2nd Edition. London and New York 2016
  • Charles Spencer: The White Ship - Conquest, Anarchy and the Wrecking of Henry I’s Dream. London 2020

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

Amadeu Antonio: Todesopfer der "Baseballschlägerjahre"

Amadeu Antonio: Todesopfer der "Baseballschlägerjahre" WDR Zeitzeichen 24.11.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 25.11.2099 WDR 5

Am 24.11.1990 wird Amadeu Antonio in Eberswalde Opfer eines rassistischen Angriffs. Sein Tod erschüttert das Land und zeigt die Gefahr rechter Gewalt.

Der Überfall auf Amadeu Antonio am 24.11.1990 ist kein spontaner Gewaltausbruch, sondern das Ergebnis von Hass und Hetze gegen Ausländer. Diese Stimmung entstand schon in der DDR und nimmt mit dem Mauerfall zu. Frust und Perspektivlosigkeit entladen sich auf Migranten – und auch in Westdeutschland kommt es zu Übergriffen. Erst Mitte der 1990er Jahre reagiert die Politik entschieden: Mit einer Welle von Verhaftungen und Vereinsverboten setzt sie ein klares Zeichen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus. *** Für dieses Zeitzeichen haben wir unter anderem gesprochen mit: Jone Munjunga, Projektleiterin Kulturverein Palanca in Eberswalde ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer
  • wie die Polizei dem Gewaltopfer Amadeu Antonio nicht zur Hilfe kommt,
  • dass die fünf Angeklagten vor Gericht keine Reue zeigen,
  • über die Ursachen der Ausländerfeindlichkeit nach der Wende,
  • und wie sich Rassismus heute in der Politik etabliert.

Am 24. November 1990 rotten sich in Eberswalde, Ostdeutschland, rund 50 Skinheads und Neonazis zusammen, um es mal "ordentlich krachen zu lassen". Das nennen sie "Neger aufklatschen". Die bewaffnete und gröllende Meute zieht zum Hüttengasthof, eine der wenigen Kneipen der Stadt, in denen Angolaner geduldet werden.

Amadeu Antonio kann nicht mehr rechtzeitig fliehen und wird brutal verprügelt. Auch als er schon am Boden liegt, springen Skins auf seinen Kopf. Elf Tage später stirbt Amadeu Antonio an seinen Verletzungen. Er gilt als erstes Todesopfer rassistischer Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung.

Eberswalde ist keine Einzelfall, sondern markiert den Beginn der Zeit, die als "Baseballschlägerjahre" in die Geschichte eingehen wird. Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen werden zu Synonymen für brutale Gewalt gegen Ausländer.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Jone Munjunga, Projektleiter im Kulturverein Palanca in Eberswalde
  • Bettina Kohlrausch, Soziologin, Hans Böckler Stiftung
  • Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Wie das Aufstauen der Alster Hamburg groß machte

Wie das Aufstauen der Alster Hamburg groß machte WDR Zeitzeichen 23.11.2025 14:47 Min. Verfügbar bis 24.11.2099 WDR 5

Wer heute von der Hamburger Alster spricht, meint meistens den idyllischen innerstädtischen See. Seinen Ursprung hat er in einem Wassermühlenbau im Jahr 1195.

Eigentlich ist die Alster nur ein kleiner Fluss, der vor gut 800 Jahren aufgestaut wird. Das hat ökonomische Gründe: Man braucht die Triebkraft des Wassers für die Getreide- und Malzmühlen. Dafür wird der Fluss mit einem Damm aufgestaut, sodass ein Gefälle entsteht und das herabströmende Wasser die hölzernen Mühlräder in Bewegung setzen kann. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen unter anderem mit: Sönke Knopp (Historiker und Kurator, Museum für Hamburgische Geschichte) ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:
  • was in der einzigen heute noch existierenden Urkunde zur Entstehung des Alstersees steht,
  • was das Domkapitel der katholischen Bischofskirche Hamburg mit der Überflutung von Wiesen zu tun hat,
  • was im 17. Jahrhundert zur Trennung von Binnen- und Außenalster führt,
  • welche Umweltprobleme die wirtschaftliche Nutzung der Alster im 19. Jahrhundert verursacht,
  • welche Bedeutung die Alster heute für Kultur und Freizeit hat.

Von der Quelle in Schleswig-Holstein schlängelt sich die Alster über 52 Kilometer durch die norddeutsche Landschaft, bis sie in Hamburg ankommt. Dort hat im 12. Jahrhundert die Obrigkeit ein großes Interesse am Aufstauen des Flusses. Denn dadurch können die Mühlen effizient betrieben werden - und deren Erträge stehen dem Landesherrn zu. Es wird Getreide gemahlen und Malz für die Bierherstellung geschrotet.

Die zweite, bedeutendere Aufstauung des Alsterflusses findet vermutlich zwischen 1230 und 1235 statt. Adolf IV. von Holstein und Stormarn lässt einen weitaus größeren Damm bauen und macht Hamburg im Mittelalter zur bedeutenden Bierstadt. Geplant ist das alles nicht: Die Hamburger verdanken ihre "Alster", wie sie den See liebevoll nennen, gewissermaßen einem Kollateralschaden - und zu einem großen Teil auch dem Bier.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Kapitän Jörg Ipsen (Alster-Touristik)
  • Ralf Wiechmann (Historiker)
  • Sönke Knopp (Historiker und Kurator, Museum für Hamburgische Geschichte)
  • Olaf Matthes (Historiker, Museum für Hamburgische Geschichte)
  • Friedrich von Hagedorn: Die Alster. Hamburg 1744
  • Volker Looks: Die Alster. Der Fluss und die Stadt. Neumünster 2012
  • Wilhelm Melhop: Die Alster. Geschichtlich, ortskundlich und flussbautechnisch beschrieben. Hamburg 1932

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Heide Soltau
Redaktion: Sefa Inci Suvak

Flucht vor der Wirklichkeit: Der Regisseur Terry Gilliam

Flucht vor der Wirklichkeit: Der Regisseur Terry Gilliam WDR Zeitzeichen 22.11.2025 14:35 Min. Verfügbar bis 23.11.2099 WDR 5

Als "sechster Monty Python" stand Terry Gilliam (geboren am 22.11.1940) selten vor der Kamera - er schuf die markanten Animationen. Berühmt wurde er mit Filmen wie "Brazil" und "12 Monkeys".

In der Kirche gilt sein Witz als "unangemessen". Terry Gilliam, der eigentlich Missionar werden will, erkennt früh, dass er mit Humor mehr bewirken kann als mit Predigten. Der Rauswurf aus dem religiösen Umfeld führt ihn dorthin, wo Spott und Fantasie erlaubt sind: ins Satiremagazin Mad und schließlich zu Monty Python, wo sein Humor ein kreatives Zuhause findet. *** Gesprochen haben wir für das Zeitzeichen mit: Harald Mühlbeyer, Filmwissenschaftler und Filmbuchverleger ***


In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg :
  • wie ausgerechnet ein Amerikaner den britischen Humor revolutioniert,
  • wie aus ausgeschnittenen Engeln, Hühnerkörpern und Luftmalerei Kunst wird,
  • und warum Realität und Fantasie bei Terry Gilliam nie klar zu trennen sind.

Terry Gilliam, geboren 1940 in Minnesota, wächst zwischen Farbtöpfen, Holzspänen und Kinoleinwänden auf. Früh entdeckt er seine Liebe zu allem, was schrill und absonderlich ist: im Zirkus, in Comics, später in der Satire. Als die USA gegen Vietnam Krieg führen, zieht er nach England und schließt sich John Cleese und der Truppe von Monty Python’s Flying Circus an. Seine wilden Collage-Animationen verbinden die Sketche der Komiker - grotesk, verspielt, unverwechselbar.

Bald wagt Gilliam den Sprung zum Spielfilm. In Werken wie Brazil, 12 Monkeys oder Time Bandits kämpft er mit Fantasie gegen die Enge der Wirklichkeit. Hollywood nennt ihn schwierig, Fans nennen ihn visionär. Er selbst sagt: "Ich wollte immer wissen, wo die Klippe ist - und bin dann einfach einen Schritt weitergegangen."

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Harald Mühlbeyer, Filmwissenschaftler und Filmbuchverleger
  • Harald Mühlbeyer: Perception is a strange thing - Die Filme von Terry Gilliam, Marburg, 2010.
  • Terry Gilliam: Gilliamesque - Meine Prä-posthumen Memoiren, München, 2015.
  • BBC4 Interview mit Terry Gilliam

Weiterführende Links:

Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!

Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Frank Zirpins
Technik: Moritz Raestrup