Die Kartoffelernte in Belgien lässt zu wünschen übrig. Droht jetzt eine Fritten-Krise?

Bildquelle: WDR

WDR 3 Min. 22 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028

Schlechte Kartoffelernte Hitze sorgt für Fritten-Frust im Grenzland

Stand:

Sie sehen zum Anbeißen aus - goldbraun, knusprig, mindestens elf Millimeter dick und etwa zwölf Zentimeter lang: Belgische Fritten, Frieten oder Pommes Frites, wie sie in unserem dreisprachigen Nachbarland heißen. Die haben hier eine lange Tradition, wurden schon vor fast 200 Jahren auf Jahrmärkten hergestellt und verkauft.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Anke Bardenberg

Doch in diesem Jahr steht es um das belgische Nationalgericht schlecht. Der ungewöhnlich heiße Sommer habe den Knollen alles andere als gutgetan, erklärt Nancy Bonni, die eine Expertin in Sachen Kartoffeln ist. In ihrem Betrieb in Lontzen, etwa 15 Kilometer von Aachen entfernt, handelt ihre Familie schon in dritter Generation mit Kartoffeln.

Viele Pflanzen sind abgestorben

Noch sind nicht alle Sorten geerntet, aber schon jetzt ist sicher: Es gibt viel zu wenige und viel zu kleine Knollen, um daraus die typischen langen Fritten schneiden zu können. Dafür wird normalerweise die Sorte "Bintje" verwendet. Doch ihr hat die Hitze besonders zugesetzt. Viele Pflanzen seien einfach abgestorben, weiß Nancy Bonni. Diese Sorte sei überhaupt nicht resistent gegenüber dem Klimawandel, aber für Fritten eigentlich unersetzbar:

Nancy Bonni versorgt auch die Gastronomie mit Kartoffeln

Nancy Bonni versorgt auch die Gastronomie mit Kartoffeln.

Bildquelle: WDR
"Das ist effektiv für uns Belgier heilig. Fritten aus Bintje-Kartoffeln ist das Non-Plus-Ultra!" Nancy Bonni, Kartoffelhändlerin

Denn ganz klassisch zweimal in Rinderfett gebacken, werde diese mehlig kochende Kartoffel von außen knusprig und innen zart, sagt Bonni. Weil sich das Klima aber immer mehr verändert, müssen künftig wohl andere Sorten her. Doch auch die sind durch die anhaltende Trockenheit in diesem Jahr schlichtweg geschrumpft. Darum sind die Fritten jetzt also deutlich kürzer als sonst.

Die Kartoffeln sind kleiner als sonst.

Die Kartoffeln sind kleiner als sonst.

Bildquelle: WDR

Belgische Fritten: Steigende Preise möglich

Das macht sich auch ein paar hundert Meter weiter in der Fritüre von Oliver Jansen und seiner Frau Maud bemerkbar. Immer wieder würden Kunden fragen, warum die Fritten so klein seien. Und weil die Ernte in diesem Jahr so gering ist, könnten möglicherweise auch die Preise steigen - das wollen sie aber so lange wie möglich vermeiden, unterstreicht Oliver Jansen. Ganz auf Fritten zu verzichten, kommt für die meisten Belgier wohl kaum in Frage.

Maud und Oliver Jansen betreiben eine Fritüre im belgischen Lontzen.

Maud und Oliver Jansen betreiben eine Fritüre im belgischen Lontzen.

Bildquelle: WDR
"Es gehört zur belgischen Tradition dazu. Wir sind alle damit groß geworden. Jeder Belgier isst Fritten, mindestens einmal die Woche." Maud Jansen, Betreiberin einer Fritüre

Immerhin, einen Vorteil gibt es: Die kleinen Fritten machen die Portionen größer. Denn davon passt viel mehr in Schalen und Tüten.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • WDR-Interviews mit Kartoffelhändlerin Nancy Bonni und Frittenbuden-Betreiberin Maud Jansen

Sendung: WDR.de, Fritten-Frust in Belgien: Hitze hat Auswirkungen auf Pommes, 17.09.2026, 6:22 Uhr

Weitere Beiträge aus Aachener Raum und der Eifel

1 / 2