Einsatz gegen asiatische Hornisse
Bildquelle: WDR / Birgitta BäckWDR. 4 Min.. Verfügbar bis 17.09.2028.
Gleich zwei Einsätze haben die Bekämpfer der Asiatischen Hornisse heute rund um Aachen auf dem Programm. Das erste gemeldete Nest ist hoch oben in einer Eiche, direkt über einem Fahrradweg. Außerdem stören sich die Anwohner dort an dem regen Flugverkehr der großen Insekten rund um ihre Wohnungen. Der zweite Einsatz wird Holger Böker und Richard Hermann später nach Stolberg führen. Dort ist eine Familie mit Baby in Sorge. Mittlerweile haben die Hornissen über das Nest am Dachfirst sogar einen Weg ins Haus gefunden.
Weil die Hornisse inzwischen als etablierte Art gilt, übernehmen Behörden die Beseitigung von Nestern meist nicht mehr. Für die Kosten müssen Betroffene selbst aufkommen.
Nest in 17 Metern Höhe - Einsatz für die Hornissen-Bekämpfer
Bevor die Arbeiten in der Aachener Soers beginnen können, wird der Fahrradweg abgesperrt, denn die Hornissen reagieren empfindlich auf Störungen in Nestnähe und können dann auch aggressiv ihr Nest verteidigen und angreifen. Hermann trägt deshalb einen Ganzkörperanzug, denn die Stiche der Vespa Velutina, wie sie auf lateinisch heißt, sind sehr schmerzhaft.
Für die Entfernung stecken Hermann und Böker mehrere Teleskopstangen aus Carbon ineinander. Bis in den Wipfel kommen sie so mit der langen Teleskopstange und können das Nest dann anstechen und absaugen. Die Tiere werden noch vor Ort in einer mobilen Tiefkühltruhe eingefroren. So schlafen sie ein und sterben dann. Auch wenn mit der Methode nicht jedes einzelne Tier erfasst werden kann, gilt das Nest nach der Entfernung als nicht mehr überlebensfähig. Ohne Königin, Arbeiterinnen und geschützten Brutplatz hat das Volk keine Chance.
Wabe aus dem entfernten Nest der Asiatischen Hornisse
Bildquelle: WDR / Birgitta BäckEinsatz in Stolberg: Hornissen dringen bis ins Haus vor
Noch ungewöhnlicher ist der zweite Einsatz des Tages. In Stolberg haben sich die Asiatischen Hornissen nicht in einem Baum, sondern an einem Wohnhaus angesiedelt. Über den Dachbereich sind die Tiere sogar bis in einen Hohlraum im Inneren des Hauses vorgedrungen.
Familie Belinski aus Stolberg hatte die Asiatische Hornissen in ihrem Haus
Bildquelle: WDR / Birgitta BäckFür Familie Belinski wird die Situation zunehmend belastend. Die Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Baby, die sieben Monate alte Annabel, gestochen werden könnte. Der Anruf bei der Feuerwehr und der Stadt beschreibt Paul Belinski als ernüchternd: "Man hat uns gesagt es gäbe keine akute Gefahr und deshalb sei die Feuerwehr nicht zuständig. Auch die Stadt hat uns nur eine Liste mit Imkern gegeben.“
Hornissennest: Behörden greifen nur noch eingeschränkt ein
Die Asiatische Hornisse gilt inzwischen als etablierte invasive Art. Deshalb konzentrieren sich viele Behörden vor allem auf die Erfassung und Meldung von Nestern. Die eigentliche Entfernung müssen Grundstückseigentümer in vielen Fällen selbst organisieren und bezahlen.
Durch Zufall bekommt Familie Belinski dann den Kontakt des Hornissen Bekämpfers in der Region. Vor Ort stellen die Bekämpfer fest, dass sich ein Großteil des Volkes hinter einer Wandverkleidung befindet. Von außen ist das Nest nur teilweise sichtbar.
"Die sind schon sehr gut angepasst an unseren Lebensraum mittlerweile." Holger Böker, Velutina Netzwerk Niederrhein e.V.
Asiatische Hornisse: Bekämpfung ohne Gift
In Nordrhein-Westfalen darf zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse kein Gift eingesetzt werden. Deshalb arbeiten die Experten mit alternativen Methoden. Neben dem Absaugen der Tiere kommt in Stolberg daher eine zweite Teleskopstange zum Einsatz. Mit ihr wird Aktivkohle in schwer erreichbare Bereiche eingebracht. So sollen auch die Hornissen erfasst werden, die tief im Hohlraum sitzen. Für die erfahrenen Bekämpfer ist dieser Einsatz etwas Besonderes. Ein Nest dieser Größe mitten in einem Wohnhaus erleben auch sie nur selten.
Was ist die Asiatische Hornisse?
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde vor einigen Jahren nach Europa eingeschleppt. In Deutschland breitet sie sich seit mehreren Jahren zunehmend aus. Anders als die heimische Hornisse jagt sie intensiv Honigbienen und andere Insekten.
ür gesunde Menschen ist ihr Stich meist nicht besonders gefährlich, wird jedoch oft als sehr schmerzhaft beschrieben. Problematisch kann ein Angriff allerdings für Allergiker werden.
Typisch für die Asiatische Hornisse ist ihre dunkle Färbung und die auffällig gelben Beinenden. Ihre großen Sekundärnester sind häufig hoch in Bäumen, finden sich aber auch an Gebäuden oder unter Dachkonstruktionen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Holger Böker, Velutina Netzwerk Niederrhein e.V.
- WDR-Interview mit Richard Hermann, Velutina Hunter aus Herzogenrath
- Kreis-Imkerverband Aachen
Sendung: WDR.de, Im Kampf gegen die Asiatische Hornisse, 18.09.2026, 6:40 Uhr
