Wie können wir uns besser auf Katastrophen vorbereiten? Astronautin Insa Thiele-Eich weiß, was zu tun ist.

Bildquelle: WDR / picture alliance / dpa

WDR 3 Min. Verfügbar bis 17.09.2028

Astronautin gibt Tipps Nächste Katastrophe? So verhindern wir Panik

Stand:

Waldbrände, Extremwetter und die Flutkatastrophe haben unsere Region in den letzten Jahren alle heimgesucht. Solche Gefahren wird es immer häufiger geben. Sinnvoll also, darüber nachzudenken, wie wir Katastrophen überleben und bekämpfen. Dabei können Einsichten aus dem Weltall helfen.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Loic Michels

Wir haben die Bilder noch alle gut im Kopf: Rund einen Monat ist es her, dass Menschen im Hürtgenwald und in Monschau sich vor den Flammen in Sicherheit bringen mussten. Einsatzkräfte und Krisenstäbe auf der anderen Seite haben ganze Arbeit geleistet, um die Bürgerinnen und Bürger zu beschützen und das Feuer zu bekämpfen. Wie man sich in solchen Situation richtig verhält, weiß Astronautin und Meteorologin Insa Thiele-Eich.

Frau Thiele-Eich, was kann der Katastrophenschutz von der Astronautenausbildung lernen - etwa bei Waldbränden oder Fluten?

Ein sehr großer Teil unserer Ausbildung dreht sich um Sicherheit und Prävention. Wir trainieren Automatismen: Ich weiß genau, was jetzt, in fünf und in zehn Minuten zu tun ist. Das verschafft mir im Ernstfall mentale Kapazität, ruhig zu bleiben, das Problem zu identifizieren und dann Schritt für Schritt zu handeln - statt in Panik zu geraten.

Ein Training, wo das eine große Rolle spielt, ist zum Beispiel der Flugschein. Es geht beim Flugschein nicht darum, dass wir selbst die Rakete ins Orbit steuern oder zur Internationalen Raumstation. Es geht wirklich eher darum, genau dieses präzise Denken zu lernen. Also: Was mache ich gerade jetzt? Was ist mein Plan? Das gibt mir die Freiheit, wenn irgendwas passiert, richtig zu reagieren.

Wie lässt sich das konkret auf Waldbrände übertragen?

Im Idealfall bin ich gar nicht erst in einem Gebiet mit akuter Waldbrandgefahr. Warnungen müssen extrem ernst genommen werden - wie bei Starkregen oder Sturm. Bevor ich in eine Region gehe, schaue ich: Gibt es Warnungen? Was machen wir, wenn es schlimmer kommt? Wer übernimmt die Führung, welche Telefonnummern habe ich parat? Diese Vorbereitung klingt banal, ist aber entscheidend.

Die Astronautin Insa Thiele-Eich zu Gast bei dem Kölner Treff.

Insa Thiele-Eich war Finalistin der Initiative "Die Astronautin". Der angestrebte Aufenthalt auf der ISS fand aber nie statt.

Bildquelle: picture alliance / SvenSimon / Malte Ossowski

Gilt das auch für Flutkatastrophen?

Als Meteorologin denke ich sofort an das Ahrtal. Die Vorhersagen waren gut, die Modelle on point, die Warnungen draußen. Schief ging es oft beim Verantwortung übernehmen: Menschen, die sagten "Dafür bin ich nicht zuständig". Das ist bitter, weil es Menschenleben gekostet hat. Im All kann ich nicht sagen: "Dafür bin ich nicht zuständig, ich fliege mal nach Hause." Diese Haltung brauchen wir auch am Boden.

Welche persönliche Fähigkeit ist dafür am wichtigsten?

Verantwortung übernehmen. Jede und jeder sollte sagen können: "Das mache ich jetzt - und ich bringe es zu Ende." Und: Ich bitte um Hilfe, wenn ich an meine Grenze komme. In Katastrophenlagen ist das elementar.

Studiogespräch: Dr. Insa Thiele-Eich, Astronautin und Meteorologin

Bildquelle: WDR

Aktuelle Stunde 11.04.2026 39 Min. 47 Sek. UT Verfügbar bis 11.04.2028 WDR

Sind solche Fähigkeiten angeboren - oder lernbar?

Sie sind absolut lernbar. Ein großes Stichwort ist Resilienz: über die eigene Grenze gehen können, wenn es nötig ist - und wieder in einen stabilen Zustand zurückfinden. Das kann man in Trainings lernen, in guten Personalentwicklungen, aber auch im Ehrenamt, im Katastrophenschutz oder sogar im Familienalltag.

Was nehmen Sie persönlich aus der Astronautenausbildung mit?

Wir hatten manche Trainings, wo ich zugeben muss, dass diese ungeduldig wurde bei den endlosen Vorbereitungsgesprächen und Besprechungen zur Sicherheit. Dass ich dann auch manchmal so ein bisschen dachte: Wann geht's denn eigentlich endlich los? Wann tauchen wir denn mal? Aber diese minutiöse Vorbereitung habe ich gelernt zu schätzen. Und auch: Warnungen ernst nehmen, Zuständigkeiten klären, Fehler eingestehen, Verantwortung tragen. Es wird immer irgendwann mal was geben, etwas wird auftreten, womit man nicht gerechnet hat.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Insa Thiele-Eich

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 17.09.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus der Städteregion Aachen

1 / 2