Aufklärung über Sepsis rettet Leben
Bildquelle: WDR / Donata JertzWDR. 3 Min. 5 Sek.. Verfügbar bis 11.09.2028.
Hunderte rote Herzen aus Holz hat Kerstin Martensen auf dem Jülicher Schlossplatz aufgebaut - als eine Art Mahnmal. "Jedes Herz steht für einen Menschen, der heute in Deutschland an Sepsis verstirbt", sagt sie. Sie will möglichst viele auf diese leise Gefahr aufmerksam machen.
Jann stirbt an einer nicht erkannten Sepsis
Hinter diesem Engagement steht ihre eigene Geschichte. Sohn Jann ist im August 2024 an einer nicht erkannten Sepsis gestorben. Er lag damals wegen einer Lebererkrankung im Krankenhaus und sollte eigentlich bald entlassen werden. Doch dann ging es ihm zunehmend schlechter.
Jann Martensen ist 2024 an einer nicht erkannten Sepsis gestorben.
Bildquelle: WDR / Donata Jertz"Er hatte typische Symptome", erzählt Martensen, "zum Beispiel, dass er nichts mehr essen konnte, er war verwirrt, hatte marmorierte Haut und es ging ihm immer schlechter." Obwohl sie Alarm schlug, erkannten die Ärzte die Blutvergiftung nicht.
Hätte Janns Tod verhindert werden können?
Kerstin Martensen steht im Park vor den aufgestellten Herzen.
Bildquelle: WDR / Donata JertzAls Jann stirbt, bricht für seine Mutter eine Welt zusammen. Gleichzeitig lässt sie die Frage nicht mehr los, ob sein Tod hätte verhindert werden können. Kerstin Martensen beginnt zu recherchieren. Sie liest alles über Symptome, Behandlungen und darüber, wie entscheidend schnelles Handeln ist.
Trauer wird zur Mission
Seitdem kämpft sie dafür, dass die Erkrankung schneller erkannt und als medizinischer Notfall ernst genommen wird. Deshalb hat sie zwei Tage vor dem Welt-Sepsis-Tag Ärzte und Politker zu einem Runden Tisch nach Jülich eingeladen.
Chefarzt und Sepsis-Forscher Prof. Michael Booke beim Sepsis-Mahnmal in Jülich.
Bildquelle: WDR / Donata JertzAuch Prof. Michael Booke ist gekommen. Der Sepsis-Forscher und Chefarzt aus Bad Soden sagt, jährlich würden in Deutschland 500.000 Menschen an einer Sepsis erkranken, 140.000 sterben. "Eine irre Zahl! Es ist die dritthäufigste Todesursache!"
Eine Sepsis ist eine fehlgesteuerte Immunreaktion des Körpers. Oft sind eigentlich harmlose Erkrankungen wie eine Harnwegsinfektion die Ursache. Je schneller sie erkannt wird, desto größer ist die Chance zu überleben.
"Sepsis ist ein Killer! Und dafür, dass er so gewaltig ausgepägt ist, so häufig vorkommt, wissen viel zu wenig Leute, wie gefährlich dieses Krankheitsbild ist." Prof. Michael Booke, Chefarzt und Sepsis-Forscher
Das sind die Warnzeichen
Das Mahnmal soll ein Bewusstsein für die Gefahren einer Sepsis schaffen.
Bildquelle: WDR / Donata JertzWarnzeichen sind die Kombination einzelner Symptome wie Fieber, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Verwirrtheit, Kurzatmigkeit und ein schwacher Puls.
Nie gekanntes Krankheitsgefühl
Kirsten Kemper hat eine Sepsis überlebt.
Bildquelle: WDR / Donata JertzWie viele Menschen, kannte auch Kirsten Kemper die Symptome nicht, als sie nach einer Darminfektion einen septischen Schock erlitt. "Ich hatte ein nie gekanntes Krankheitsgefühl, mein Kreislauf sackte ab, aber ich habe nicht realisiert, dass ich in einer lebensbedrohlichen Situation bin."
Ihr Partner brachte sie ins Krankenhaus. Dort wurde die Sepsis sofort erkannt und mit Antibiotika behandelt.
Schwerwiegende Folgen für Überlebende
Trotzdem hat die Düsseldorfer Innenarchitektion bis heute mit den Folgen zu kämpfen.
Ihre rot lackierten Finger- und Fußnägel waren immer eines ihrer Markenzeichen. Die mussten wegen der Sepsis zum Teil amputiert werden. Außerdem leidet sie unter Nerven- und Muskelproblem und häufiger Müdigkeit.
"Ich bin eine Sepsis-Überlebende!" Kirsten Kemper, Innenarchitektin
Zehn Monate hat sie sich mühsam ins Leben zurückgekämpft. Die Bedingungen in der Reha schildert sie als schlecht. In dieser Zeit habe sie sich oft alleine gelassen gefühlt. Aber sie hat überlebt! Mittlerweile sitzt sie wieder auf dem Pferd und geht golfen.
Gemeinsam für mehr Aufklärung
Kirsten Kemper und Kerstin Martensen stehen nebeneinander im Park neben einem der aufgestellten Herzen.
Bildquelle: WDR / Donata JertzKerstin Martensen und Kirsten Kremer - zwei Frauen, die das Schicksal Sepsis völlig unvorbereitet getroffen hat. Nun kämpfen sie gemeinsam für mehr Aufklärung.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Kerstin Martensen
- Gespräch mit Kirsten Kremer
- Gespräch mit Sepsis-Forscher Prof. Michael Booke
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 11.09.2026, 19:30 Uhr
