So tickt NRW - 21 Uhr: Die Fahnder an der Grenze

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WDR 03:21 Min. Verfügbar bis 03.08.2028

Grenzkontrollen Wie Bundespolizisten entscheiden, wen sie rauswinken

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Während die meisten am späten Abend längst zu Hause sind, bewachen Bundespolizisten wie Larissa Thiel und Sven Geilus die Grenze zu den Niederlanden und Belgien. Viel Routine, viele Leerläufe - aber wenn etwas auffällt, kann es für NRW schnell ernst werden.

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Purvi Patel

Der Bahnhof in Herzogenrath wirkt wie ausgestorben, als die beiden Aachener Bundespolizisten Larissa Thiel und Sven Geilus abends ankommen. Ein paar vereinzelte Fahrgäste steigen aus dem Regionalzug aus den Niederlanden. Nach Kriminalität sieht das hier nicht aus - aber genau das täuscht manchmal.

Sven Geilus erklärt, worauf sie achten: "Geld in größeren, Mengen, Waffen, Drogen, auch auf Menschen, die unerlaubt einreisen, oder auf Personen, die zur Fahndung ausgeschrieben sind - die extra an den kleinen Bahnhöfen aussteigen, um Kontrollen an den großen Bahnhöfen zu umgehen."

Polizist Sven Geilus im Bahnhof

Sven Geilus arbeitet seit 16 Jahren für die Aachener Bundespolizei.

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Die beiden Beamten stehen unten an der Treppe, die Fahrgäste kommen auf ihrem Weg vom Bahnsteig zum Ausgang an ihnen vorbei. Thiel und Geilus sprechen Fahrgäste an, kontrollieren Ausweise.

"Das ist so ein bisschen Bauchgefühl. Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür, welche Personen für uns interessant sein könnten und welche nicht", sagt Thiel. Heute: alles sauber. Die Papiere sind okay, die Fahrgäste dürfen weiter. Thiel und Geilus steigen wieder ins Auto.

Zwei Polizeibeamte, die in einer Unterführung am Bahnhof stehen.

Die Bundespolizisten warten auf Fahrgäste am Bahnhof Herzogenrath.

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200 Kilometer Grenze im Blick

Die Aachener Bundespolizei überwacht eine rund 200 Kilometer lange Grenze zu den Niederlanden und Belgien - ein Abschnitt, über den jeden Tag Menschen und Waren nach NRW kommen.

Thiel und Geilus sind in Aachen-Horbach angekommen. In dem grenznahen Vorort ist an diesem Abend wenig los. Die beiden stehen am Straßenrand. Warten gehört dazu, sagt der 36-jährige Geilus. Und Geduld: "Man hat mal eine Woche Leerlauf, dann ist wieder jede Kontrolle ein Treffer."

Thiel ist erst 25, arbeitet aber schon seit acht Jahren für die Aachener Bundespolizei, Geilus seit 16 Jahren. Weggehen? Könnte er - will er aber nicht. "Klar, man kann sich bundesweit einsetzen lassen", sagt er. "Es ist immer nur die Frage: Gefällt es einem in Hamburg oder in München besser?"

"Da ist halt jeder anders gestrickt - und mir gefällt NRW am besten." Sven Geilus, Bundespolizei Aachen

Thiel nickt: "Ich mag, dass Nordrhein-Westfalen einfach so vielfältig ist. Ich liebe es zum Beispiel ländlich zu wohnen, aber trotzdem in 30 Minuten in der nächsten größeren Stadt zu sein."

Zwei Polizisten kontollieren den Ausweis eines Autofahrers

Die Bundespolizei bei einer Ausweiskontrolle

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Plötzlich rauscht ein schwarzer Kombi die schmale Straße entlang. Thiel und Geilus schauen sich an, die Entscheidung fällt in Sekunden. "Den nehmen wir." - "Ja!" Das Polizeiauto zieht raus, Blaulicht, kurzer Sprint.

Taschen, Einkaufstüten, nichts Auffälliges

Nach wenigen hundert Metern haben sie den Wagen eingeholt, ziehen ihn raus. Geilus fragt den Fahrer: "Haben Sie irgendwas dabei, was in Deutschland verboten ist? Marihuana, Kokain, Waffen, irgendwas anderes? Führen Sie mehr als 10.000 Euro bei sich?" Check im Kofferraum. Taschen, Einkaufstüten, nichts Auffälliges. Thiel meldet knapp: "Negativ."

Der Kombi darf weiter. Für den Fahrer war es nur ein kurzer Schreckmoment - für die Bundespolizisten eine von vielen Kontrollen, bei denen sie hoffen, den einen Fall zu erwischen, der wirklich gefährlich wird.

Zwei Polizisten kontollieren Passagiere in einem Linienbus

Auch in grenzüberschreitenden Linienbussen kontrolliert die Bundespolizei

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Kurz darauf rollt ein Linienbus an, der zwischen den Grenzorten pendelt. Stichproben gehören zum Alltag: Ein paar Fahrgäste müssen ihre Ausweise zeigen, Fragen beantworten. Ein paar Minuten später fährt der Bus weiter, die Polizisten auch.

Bundespolizei - Aufgaben & Zahlen

  • An der Grenze gibt es normalerweise keine festen Kontrollen, nur Stichproben, damit der Warenverkehr locker laufen kann.
  • Die Bundespolizei passt an Straßen, Flughäfen und Bahnstrecken auf und kann jederzeit im Grenzgebiet Kontrollen machen.
  • Seit dem 16.09.2024 hat das Bundesinnenministerium vorübergehend Binnengrenzkontrollen angeordnet.
  • In NRW wurden seitdem an der niederländischen und belgischen Grenze im Durchschnitt jeden Tag etwa 13 illegale Einreisen entdeckt, rund sieben Personen zurückgeschickt und zwei Haftbefehle vollstreckt. Dazu kommen Drogen- und Diebstahlsfälle.

Es ist mittlerweile dunkel. Die beiden fahren auf die A4, Richtung Aachen Laurensberg. Wieder Routine - bis ihnen ein Fahrzeug auffällt, das nicht so ganz ins Bild passt. Thiel ruft über den Lautsprecher auf Englisch: "To the left, left!" Am Rand der Autobahnabfahrt steuern sie eine kleine Verkehrsinsel an.

Autofahrer wird nervös

Der Wagen bleibt stehen, der Fahrer wirkt nervös. Die Batterie ist fast leer, er traut sich nicht, den Motor auszuschalten. "Registration documents and the passport, please…or the ID card", sagt Geilus auf Englisch. Die Beamten bleiben ruhig, versprechen, Starthilfe zu leisten, falls der Wagen wirklich nicht mehr anspringt.

eine Beamtin und ein Beamter der Bundespolizei in schwarzen Warnwesten kontrollieren einen Autofahrer, der nicht zu erkennen ist

Die Bundespolizei im Einsatz

Bildquelle: WDR/Purvi Patel

Der Fahrer nimmt den Schlüssel und öffnet den Kofferraum, den die Bundespolizisten inspizieren. Wieder: alles in Ordnung. Nur ein müder Fahrer mit schwacher Batterie - und zwei Bundespolizisten, die lieber einmal zu viel hinsehen als einmal zu wenig.

Ein tierischer Fahndungserfolg

Nicht immer geht es um Drogen, Schleusungen oder Haftbefehle. Manchmal wird es auch ganz skurril. Thiel erzählt von einem kleinen Fahndungserfolg, der ihr Herz höher schlagen ließ - ein entflogener Sittich.

"Der war total zahm und ist einer Frau wahrscheinlich auf die Schulter geflogen, weil er verwirrt war und nicht wusste, wo er hin soll. Sie ist auf uns zukommen. Und dann habe ich den Sittich auf die Hand genommen."

"Er ist mir direkt auf die Schulter geklettert. Dort hat er dann geschlafen, bis das Ordnungsamt da war, um ihn abzuholen." Larissa Thiel, Bundespolizistin

Der kleine Vogel ist am Ende wieder bei seinen Besitzern gelandet. Die Leuchtreklame am Polizeiauto blinkt im Dunkeln. Für Thiel und Geilus geht die Schicht jetzt zu Ende. Züge, Busse, Kombis, verdächtige Autos - viel Kontrolle, wenig Spektakel. Und trotzdem eine Menge Verantwortung.

Unsere Quellen:

  • Bundespolizeiinspektion Aachen
  • WDR-Gespräche mit Larissa Thiel, Bundespolizei
  • WDR-Gespräche mit Sven Geilus, Bundespolizei
  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort

Sendehinweis: WDR.de, So tickt NRW - 21 Uhr: Die Fahnder an der Grenze, 03.08.2026, 12:30 Uhr

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