Abschied mit Würde im deutschlandweit ersten Hospiz
Bildquelle: WDR / Arndt Lorenz6 Min. 57 Sek.. Verfügbar bis 09.09.2028.
Unheilbar kranken Menschen Lebensqualität und Geborgenheit geben - seit 1986 gibt es in Deutschland Hospize. Das erste war das "Haus Hörn" in Aachen, es feiert jetzt seinen 40. Geburtstag. Hier versorgen Pflegerinnen, Seelsorger und Sozialarbeiter die Menschen auf ihrem letzten Weg. Und auch besondere Musikinstrumente kommen zum Einsatz.
Harfenmusik im Hospiz Haus Hörn in Aachen
Alle zwei Wochen bekommt Hospizbewohnerin Ursula Dickmeis Besuch von Ivonne Schmidt. Und immer dabei: Großes Gepäck. Schmidt besucht die Hospizbewohner mit ihrer Harfe. Die Musik - gut für die Seele und den Körper der schwerkranken Frau und der anderen Gäste im Haus Hörn. Harfen eignen sich hervorragend, um über den Holzresonanzboden Klänge und Schwingungen zu übertragen.
"Die Klänge spürt man unheimlich intensiv." Ursula Dickmeis, Bewohnerin
Die ausgebildete Harfentherapeutin Schmidt spielt ruhige Stücke, singt mit den Hospizbewohnerinnen und lässt sie die Vibrationen der Harfe direkt an Füßen oder Händen spüren. Das bringt den Kranken Trost, nimmt ihnen für eine Weile die Angst und sorgt für Entspannung. Für die Musikerin ist die Arbeit im Hospiz ein Herzensprojekt.
"Die Harfe ist ein Brückenbauer, die Bewohner können entspannen, wie bei der Klangmassage." Ivonne Schmidt, Harfinistin
Abschied vom Leben in Würde
Auch die Menschen, die neu sind im Haus Hörn und Ängste haben, könne sie so etwas beruhigen. Im Hospiz "Haus Hörn" in Aachen können zeitgleich 12 schwerkranke Menschen leben. Der Betreuungschlüssel für die Betreuung ist hier komfortabler als im Pflegeheim oder in Krankenhäusern. Pflegefachkräfte und andere Betreuer kümmern sich liebevoll um die Hospizbewohnen und haben dafür auch genügend Zeit.
Die Pflege ist im Haus Hörn möglichst individuell
Bildquelle: WDRDer Aufenthalt im Hospiz ist für die Gäste und ihre Angehörigen kostenlos. Nach einer Überweisung durch die behandelnden Ärzte kommen dafür die Kranken- und Pflegekassen auf. Für das Pflegepersonal ist die Arbeit in der Einrichtung oft erfüllend.
"Die Arbeit mit den Menschen ist toll, ich bekomme viel zurück! Aber ich verkneife mir zu sagen, wenn jemand traurig ist - es wird alles wieder gut! Die Gäste, die hier sind, wissen ganz genau, es ist ihre letzte Station." Bianka Schümmer, Pflegefachkraft
Für die Pflegerinnen und Pfleger ist es ein Begleiten der Menschen auf ihrem letzten Weg, wie Schümmer ergänzt. Dazu gehöre es dann auch, "den Menschen hier eine nette Zeit zu bereiten."
Haus Hörn in Aachen: Kein dunkler Ort zum Sterben
Beim Betreten des Hospizes empfängt die Besucher und Patienten eine wohnliche Atmosphäre. Das "Haus Hörn" will den Neuangekommen die erste Last nehmen. Bei aller Traurigkeit wird hier auch gelacht. Die Betreuer interessieren sich für das Leben, die Krankheit und darüber, was die Schwerkranken gerne gemacht haben oder welche Wünsche sie noch haben.
Harfentherapeutin Ivonne Schmidt hat mehrere Stunden lang dafür gesorgt, dass die Hospizbewohner mit Hilfe von Musik eine Zeit lang ihre Schmerzen vergessen haben. Und in Würde ihren letzten Weg gehen können.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Bianka Schümmer, Pflegefachkraft
- WDR-Gespräch mit Ivonne Schmidt, Harfinistin
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 08.09.2026, 19:30 Uhr
