Reporter Pierre Dyckmans zur Zerstörung im Hohen Venn

Bildquelle: IMAGO/Photo News/Didier Lebrun

WDR 02:51 Min. Verfügbar bis 20.08.2028

Hohes Venn Wie lange brennt es noch - und wie erholt sich das Moor?

Stand:

Noch lodert das Feuer im Hohen Venn. Das kann noch dauern - und noch länger dauert es, bis sich das Moor erholt.

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Helga Hermanns
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Purvi Patel

Das Hohe Venn, wie Besucher es kannten, gibt es nicht mehr. So weit das Auge reicht, sieht man verbrannte Flächen. Immer noch steigt dichter Rauch auf. Luc Burette, Kommandant der Feuerwehrzone Warche-Amblève-Lienne sagt, das aktuelle Problem sei es, die Einsatzmittel über einen längeren Zeitraum zu planen. Die Löscharbeiten brauchten Zeit, mehrere Tage, sogar mehrere Wochen.

Der Regen hat die Lage zwar etwas verbessert, aber noch nicht entschärft, sagen die Einsatzkräfte. Der Boden ist jetzt aufgeweicht, so dass sich schwere Maschinen festfahren können. Die werden unter anderem gebraucht, um die obere Erdschicht abzutragen, um Wasser besser in den Untergrund spritzen zu können.

Hohes Venn: Gefahr durch Weltkriegsmunition

Hinzu kommen - ähnlich wie bei dem Waldbrand im Hürtgenwald - Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Feuerwehr-Kommandant Luc Burette erzählt, dass es in dem Gebiet, wo das Feuer gewütet hat, im Zweiten Weltkrieg ein deutsches Munitionslager gab. Der ganze Sektor sei nun geräumt worden, um die Feuerwehrleute nicht zu gefährden.

Die Grafik zeigt kleine Brandnester im Moor

Der Moorbrand im Hohen Venn spielt sich zum Großteil unterirdisch ab

Bildquelle: WDR

Vor allem im östlichen Teil des Brandgebietes gibt es weiter intensive Löscharbeiten. Es wurden Schneisen geschlagen, um den Brand einzukesseln. Dennoch bleibt das Feuer unberechenbar. Denn Wind kann die Flammen im Untergrund anfachen und hochschlagen lassen.

Das Feuer im Hohen Venn in Bildern

So stark ist die Zerstörung durch den Brand im Hohen Venn...

Hohen Venn

Schwarzer, verkohlter Boden statt blühenden Landschaften. Das Feuer hat verheerende Spuren hinterlassen.

Rauch steigt aus dem Boden in den abgebrannten Waldgebieten im Naturschutzgebiet Hohes Venn,

Immer wieder steigt Rauch aus dem Boden auf, weil sich der Brand tief ins Torf des Hochmoors gefressen hat und unterirdisch weiterbrennt.

Schwarzes verbranntes Moor

Das Hohe Venn gleicht vielerorts einer rauchenden Kraterlandschaft.

Regenwetter nach Waldbrand im Hohen Venn

WDR-Reporter vor Ort beschreiben den Blick auf die verkohlte Landschaft als erschütternd.

Eine Straße trennt den unbeschadeten Wald des Hohen Venn vom Waldbrandgebiet

Hier grün und lebendig, dort schwarz und verkohlt - ein Unterschied wie Tag und Nacht. Eine Straße trennt den unbeschadeten Wald des Hohen Venn vom Waldbrandgebiet.

Luftaufnahmen vom Brand im Hohen Venn

Auf Luftaufnahmen sieht man, wie sich das Feuer durchs Hohe Venn gefressen hat Auf seinem Weg hat es große Zerstörung angerichtet.

Eine große Rauchwand in Belgien über dem Hohen Venn

Luftaufnahmen zeigen eine riesige Rauchwolke.

Starke Rauchentwicklung durch Großbrand im Hohen Venn

Die Rauchwolke zieht auch Tage nach dem Ausbruch des Feuers über die Region. Die Nina-Warnapp muss mehrfach vor dem Rauch und gesundheitlichen Risiken warnen.

Blick von dem Ortsteil Monschau-Kalterherberg auf die belgische Seite, wo das Hohe Venn in Flammen steht.

Apokalyptische Bilder: In den ersten Nächten nach dem Start des Feuers ist das der Blick der Bewohner von Monschau-Kalterherberg auf das Hohe Venn.

Feuerwehrleute im Einsatz beim Großbrand im Naturschutzgebiet Hohes Venn

In tagelangem Einsatz ringen die Feuerwehrleute die Flammen nieder.

Löscharbeiten im Hohen Venn

Die Löscharbeiten im Hohen Venn laufen weiter - vielleicht noch wochenlang. Den Brand tief im Boden zu löschen, gestaltet sich schwierig.

Schwarzer, verkohlter Boden statt blühenden Landschaften. Das Feuer hat verheerende Spuren hinterlassen.

Immer wieder steigt Rauch aus dem Boden auf, weil sich der Brand tief ins Torf des Hochmoors gefressen hat und unterirdisch weiterbrennt.

Das Hohe Venn gleicht vielerorts einer rauchenden Kraterlandschaft.

WDR-Reporter vor Ort beschreiben den Blick auf die verkohlte Landschaft als erschütternd.

Hier grün und lebendig, dort schwarz und verkohlt - ein Unterschied wie Tag und Nacht. Eine Straße trennt den unbeschadeten Wald des Hohen Venn vom Waldbrandgebiet.

Auf Luftaufnahmen sieht man, wie sich das Feuer durchs Hohe Venn gefressen hat Auf seinem Weg hat es große Zerstörung angerichtet.

Luftaufnahmen zeigen eine riesige Rauchwolke.

Die Rauchwolke zieht auch Tage nach dem Ausbruch des Feuers über die Region. Die Nina-Warnapp muss mehrfach vor dem Rauch und gesundheitlichen Risiken warnen.

Apokalyptische Bilder: In den ersten Nächten nach dem Start des Feuers ist das der Blick der Bewohner von Monschau-Kalterherberg auf das Hohe Venn.

In tagelangem Einsatz ringen die Feuerwehrleute die Flammen nieder.

Die Löscharbeiten im Hohen Venn laufen weiter - vielleicht noch wochenlang. Den Brand tief im Boden zu löschen, gestaltet sich schwierig.

Feuer im Hohen Venn: Wie lange brennt es noch?

Gerald Jurasinski ist Professor an der Uni Greifswald und einer der führenden Moor-Forscher in Deutschland. Wie lange das Feuer noch unterirdisch brennt, hängt auch davon ab, wie tief es in den Torfboden eingedrungen ist - je tiefer es brennt, desto länger kann es dauern.

Ein Mann mit Outdoor-Kleidung steht vor einem Universitätsgebäude.

Er forscht zu Mooren: Gerald Jurasinski

Bildquelle: Gina Heitmann / Universität Greifswald

Ob sich das Naturschutzgebiet an der Grenze zur deutschen Eifel wieder erholen wird, ist stark abhängig von klimatischen Bedingungen und der Witterung. "Feuer gehört durchaus zu Hochmoorökosystemen dazu. Und wenn es nur oberflächlich gebrannt hat, kann die Vegetation bei günstiger Witterung mit viel Regen und Schnee sich oft relativ schnell erholen, sagt Jurasinski.

Moore wachsen nur einen Millimeter pro Jahr

Aber der Torf, der durch den Brand verloren gegangen ist, braucht eine lange Zeit - Jahre oder sogar Jahrzehnte. Denn Moore wachsen nur 0,5 bis 1 Millimeter pro Jahr. Bei Projekten der Uni Greifswald konnte nachgewiesen werden, dass mit dem Ausbringen von kultivierten Torfmoosen eine Wiederherstellung der moortypischen Vegetation beschleunigt werden kann.

Jurasinski setzt sich für eine Wiedervernässung von Mooren ein. Nicht nur im Hohen Venn sei das zwingend geboten, sondern bundesweit.

Auch Holger Sticht, der Moor-Experte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sieht die Entwässerung der Moore als großes Problem. Der BUND fordert angesichts der Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn in NRW mehr Tempo bei der Wiederherstellung entwässerter Moore, Wälder und Auen.

Holger Sticht, Moorexperte vom BUND
So ein Feuer kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern da liegt Fahrlässigkeit vor oder Brandstiftung. Das ist das eine. Das andere ist, dass ein Moor nur brennen kann, wenn es nicht intakt ist. Holger Sticht, Landesvorsitzende und Moor-Experte vom BUND

Feuer im Hohen Venn wirkt sich auf Klimabilanz aus

Die entwässerten Moore in Deutschland würden mehr Treibhausgase emittieren als der Flugverkehr, so Jurasinski. Der Moor-Forscher hat errechnet, dass nur bei diesem einen Brand im Hohen Venn ein Zehntel der deutschen Jahresemissionen aus entwässerten Mooren in die Luft ausgestörmt ist. Das zeigt laut Jurasinski, dass sich Feuer wie im Hohen Venn auf die Klimabilanz auswirken, dass aber auch ohne Brände große Mengen des klimaschädlichen CO2 aus entwässerten Mooren in die Atmosphäre abgegeben werden.

Unsere Quellen:

  • Luc Burette, Kommandant der Feuerwehrzone Warche-Amblève-Lienne
  • Professor Dr. Gerald Jurasinski, Moorforscher Institut für Botanik und Landschaftsökologie, Universität Greifswald
  • Beobachtungen Reporter vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 20.08.2026, 19:30 Uhr 

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