"Hingucker:innen" schützen vor K.o.-Tropfen

Bildquelle: dpa/Achim Scheidemann

WDR 2 Min. 41 Sek. Verfügbar bis 23.09.2028

Sorglos feiern in Haan "Hingucker" schützen vor K.o.-Tropfen

Stand:

Auf der Haaner Kirmes geht es am Wochenende nicht nur um Spaß, Popcorn und Karussells. Leider geht es auch um die Gefahr durch K.o.-Tropfen. Deshalb sind speziell geschulte Teams unterwegs: die "Hingucker:innen". Sie sollen Jugendlichen helfen, sich vor K.o.-Tropfen zu schützen.

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Christian Licht

Wenn es auf der Kirmes ab Freitag voll wird, sind auch die "Hingucker:innen"-Teams unterwegs. Immer zu zweit, mit leuchtenden Warnwesten. Sie werden Jugendliche ansprechen und wollen vor allem eines: aufmerksam machen auf die Gefahr durch K.o.-Tropfen. Und wie man sich davor schützen kann.

Denn im schlimmsten Fall endet eine fröhliche Feier als Albtraum. Wenn Täter K.o.-Tropfen einsetzen, um ihre Opfer zu betäuben und anschließend auszurauben oder zu vergewaltigen. Das Thema ist längst auch auf der Agenda der Bundespolitik. Der Bundestag hat heute einen Gesetzentwurf beraten, der die Strafen für Verbrechen deutlich erhöhen soll, bei denen K.o.-Tropfen eingesetzt wurden.

Mit Warnwesten und kleinen Helfern unterwegs

Zwei Personen stehen mit dem Rücken zur Kamera, beide tragen eine neongrüne Warnweste, mit der Aufschrift "Hingucker:in", im Hintergrund Kirmesbuden.

Die Präventions-Teams unterwegs auf der Haaner Kirmes

Bildquelle: WDR / Christian Licht

Die "Hingucker:innen" - das sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Haan und der Caritas-Streetworker im Kreis Mettmann. Eine von ihnen ist Simona Berkholz. Auch sie will am Wochenende wieder mit Jugendlichen auf der Haaner Kirmes ins Gespräch kommen.

Eine Frau mit langen blonden Haaren, bekleidet mit einer neongrünen Warnweste, im Hintergrund stehen Kirmesbuden.
„Wir haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, das jedes Mal bei unserem Projekt, junge Menschen erzählen, dass sie selbst oder ihre Freunde Opfer von K.o.-Tropfen geworden sind.“ "Hinguckerin" Simona Berkholz

"Kondom“ fürs Glas

Mit dabei haben die Teams verschiedene kleine Hilfsmittel. Dazu gehören beispielsweise Abdeckungen für Trinkgläser, passende Strohhalme, die durch diese Abdeckung gesteckt werden, Silikonkorken für Flaschen, und: ein Flaschenöffner.

Zwei Personen halten verschiedene Utensilien, zur Vorbeugung der KO-Tropfen Zugabe, in den Händen.

Diese Hilfsmittel für Glas und Flasche schützen vor K.o.-Tropfen

Bildquelle: WDR / Christian Licht

Denn auch das ist einer der Ratschläge der Präventions-Teams: Flaschen immer selber öffnen. Weil schon auf dem kurzen Weg von der Theke jemand K.o.-Tropfen in eine Flasche geben könnte. Auf den Flaschenöffnern steht außerdem ein QR-Code. Wer den Code scannt, bekommt direkt Informationen und Kontakte zu Hilfsangeboten.

Prävention gehört zur Kirmes dazu

Die Aktion gibt es in Haan bereits seit einigen Jahren. Sie ist Teil der städtischen Arbeit zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und richtet sich besonders an Jugendliche. Die Idee dahinter: nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern möglichst vorher informieren.

Die Mitarbeiter sollen deshalb nicht nur Material verteilen, sondern mit Jugendlichen ins Gespräch kommen. Und wenn nicht gerade Kirmes ist, dann gehen sie mit ihrem Präventions-Projekt auch an die Haaner Schulen.

Härtere Strafen für die Täter

Während auf der Kirmes die Prävention im Mittelpunkt steht, geht es gerade im Bundestag um die andere Seite des Problems: die möglichen Konsequenzen für Täter. Das Parlament hat sich heute mit einem Gesetzentwurf der Bundesregierung beschäftigt, der den Einsatz von K.o.-Tropfen bei schweren Straftaten strafrechtlich schärfer erfassen soll.

Schutz vor K.O.-Tropfen

Bildquelle: WDR

Morgenmagazin 23.09.2026 4 Min. 17 Sek. UT Verfügbar bis 23.09.2028 Das Erste

Es geht um Fälle, in denen solche Substanzen eingesetzt werden, um dann eine Vergewaltigung oder einen Raub zu ermöglichen. In besonders schweren Fällen soll eine Mindeststrafe von fünf Jahren gelten. K.o.-Tropfen sollen dafür rechtlich einem gefährlichen Werkzeug beziehungsweise einer Waffe gleichgestellt werden.

Strafe allein soll das Problem nicht lösen

Ähnlich also, wie es etwa bei Straftaten wie Raub bereits der Fall ist: Ein bewaffneter Raub wird härter bestraft, als ein Raub ohne Waffe. Eine Initiative, die auch "Hinguckerin" Simona Berkholz für unbedingt nötig hält.

Eine Frau mit langen blonden Haaren, bekleidet mit einer neongrünen Warnweste, im Hintergrund stehen Kirmesbuden.
„Ich denke K.o.-Tropfen sollten wie eine Waffe gesehen werden. Sie schalten den Menschen aus und er hat keinen freien Willen mehr. Das sollte auf jeden Fall härter bestraft werden.“ "Hinguckerin" Simona Berkholz

Gleichzeitig macht Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) deutlich, dass eine Verschärfung des Strafrechts aus ihrer Sicht nur ein Teil der Lösung ist. Ebenso wichtig seien Aufklärung und Prävention.

Ohne die "Hingucker" geht es nicht

Und damit treffen sich die beiden Ansätze aus Haan und Berlin: Während der Bundestag über härtere strafrechtliche Konsequenzen diskutiert, versuchen die "Hingucker:innen“ direkt vor Ort, Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren.

Wenn am Freitag die Haaner Kirmes beginnt, gehören die Präventionsteams deshalb wieder zum Bild auf dem Festplatz – mit Warnwesten, Informationen und ganz praktischen Tipps zum Schutz vor K.o.-Tropfen.

So schützt ihr euch vor K.o.-Tropfen

  • Seid nicht alleine unterwegs. Verabredet euch in einer Gruppe und zieht gemeinsam los.
  • Passt auf euer Getränk auf. Lasst euer Glas nicht aus den Augen und verschließt eure Flaschen, wenn möglich.
  • Lasst euch Getränkeflaschen nur geschlossen von der Theke mitbringen und nehmt einen Flaschenöffner mit.
  • Achtet aufeinander. Fragt eure Freunde, wie es ihnen geht. Kommt euch etwas komisch vor? Sprecht es aktiv an.
  • Glaubt ihr, etwas ist bei euch oder Freunden im Getränk gelandet? Dann ruft gegebenenfalls sofort den Notruf, geht in die Notaufnahme oder zu einem Arzt. Und lasst auch einen Urintest machen, denn K.o.-Tropfen sind nur wenige Stunden lang nachzuweisen.
  • Habt ihr den Verdacht, es könnte etwas Schlimmes mit euch passiert sein? Geht zur Polizei und erstattet Anzeige.
  • Die Anonyme Spurensicherung ist für alle, die sich nicht trauen oder den Fall aus anderen Gründen nicht melden wollen. Die wird unter anderem im St. Josefs Krankenhaus in Hilden, im Mettmanner EVK oder im Velberter Helios Klinikum angeboten. Spuren des Verbrechens werden anonym erfasst und aufbewahrt. Opfer können sich so auch später noch dazu entscheiden, die Täter anzuzeigen.

K.o.-Tropfen: Haaner Kirmes setzt auf Prävention

WDR 23.09.2026 42 Sek. Verfügbar bis 22.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Haan
  • ARD-Interview mit Stefanie Hubig, Bundesministerin für Justiz

Sendung: WDR.de, "Hingucker" schützen vor K.o.-Tropfen, 23.09.2026, 15:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 23.09.2026, 19:30 Uhr

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