Noch mehr Waffen in Remscheid?
06:03 Min.. Verfügbar bis 06.07.2028.
Im Wuppertaler Landgericht ist der Andrang von Pressevertretern an diesem Montag groß. Verhandelt wird einer der größten Waffenfunde in der Geschichte der Bundesrepublik, so die Wuppertaler Staatsanwaltschaft.
Sie berichtet noch vor Prozessbeginn von einem neuen Zeugen, der den Hauptangeklagten stark belastet. Der Zeuge soll bei einer Vernehmung in Polen gesagt haben, dass der Hauptangeklagte mit einer dreistelligen Zahl an Waffen gehandelt haben soll.
Eindrücke von WDR-Reporter Wolfram Lumpe zum Prozessstart
WDR. 00:45 Min.. Verfügbar bis 06.07.2037.
"Da diese Gegenstände nicht bei ihm gefunden worden sind, müssen wir davon ausgehen, dass es womöglich noch deutlich mehr Verkäufe gegeben hat, als das bisher Gegenstand der Anklage ist", sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. Diese Waffen könnten also in Umlauf geraten sein.
Waffenfund: Staatsanwaltschaft vermutet größeres Ausmaß
Das Ausmaß des Falles sei enorm und deute auf Verbindungen in die kriminelle Szene hin, so Baumert weiter: "Ob wir hier an Rockerbanden denken, an organisierte Kriminalität oder einen Einzeltäter - das wird Gegenstand der weiteren Aufklärung sein."
Wuppertals Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert vor Prozessbeginn
Bereits die reine Aufzählung der sichergestellten Waffen während der Verlesung der Anklageschrift dauerte fast eine Stunde.
Ermittlungen wie in einem Krimi
Angeklagt sind insgesamt drei Männer: Der 60 Jahre alte Hauptangeklagte und mutmaßliche Waffenhändler und zwei 35 und 38 Jahre alte Remscheider, die die Waffen weiterverkauft haben sollen. Bekannt war bisher nur ein mutmaßlicher Abnehmer in Hamm.
Die Angeklagten vor Prozessbeginn im Wuppertaler Landgericht
Zum Prozessauftakt wollten zwei der drei Angeklagten keine Aussagen machen. Die Verteidigung des Hauptangeklagten Remscheiders regte allerdings ein Rechtsgespräch an. Dabei könnte am Ende ein Deal herauskommen. Sollten alle Angeklagten volle Geständnisse ablegen, könnten sie mit Freiheitsstrafen zwischen zwei und acht Jahren davonkommen, heißt es vom Gericht.
Mitangeklagter Remscheider gesteht Vorwürfe
Der 35-jährige Mitangeklagte sei aussagebereit, so sein Verteidiger. Die Vorwürfe für den Hauptangeklagten Waffen verkauft zu haben, gibt er zu.
Vorausgegangen waren umfangreiche Ermittlungen. Ende Oktober nahm die Polizei eine Waffenkammer in Remscheid hoch. Der Fund: Etliche Gewehre aus dem Zweiten Weltkrieg, Munition und Sprengmittel aus dieser Zeit. Dann fanden die Ermittler hinter eingezogenen Wänden drei weitere Waffenkammern.
Scharfe Waffen und Munition in Waffenarsenal in Remscheid
Sichergestellt wurden unter anderem Maschinengewehre, Pistolen, Präzisionsgewehre, Handgranaten und Panzerabwehrwaffen - insgesamt 300 scharfe Waffen und 100.000 Schuss Munition.
Waffenfund in Remscheid
Katalogisierung und Abtransport beschäftigten die Polizei über Wochen. So etwas habe er noch nicht gesehen, sagt Polizeipräsident Markus Röhrl bei einem Besuch vor Ort.
Lange Ermittlungen führen zu Waffen-Razzia
Die Polizei hatte unter anderem verdeckte Ermittler eingesetzt. Die fädelten an einem Kiosk in Remscheid einen angeblichen Waffenkauf ein, der Hautangeklagte kam ins Viser der Polizei.
Scharfe Waffen, Gewehre und Pistolen
Auf der A1 wurde er in seinem Auto gestoppt und festgenommen, während die Durchsuchung seiner Werkstatt begann.
Waffen aus Remscheid wecken Interesse
Die scharfen Waffen und die "antiken" Gewehre werden offenbar an einem geheimen Ort gelagert. Was danach damit passiert, ist wohl noch unklar. Waffensammler und andere Interessenten hatten schon nach den Durchsuchungen ihr Interesse daran bekundet.
Einige der durch die Polizei nummerierten Waffen
Zumindest dem Hauptangeklagten dürfte bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu acht Jahren drohen. Alle drei müssen sich wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz verantworten.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 06.07.2026, 12:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 06.07.2026, 19:30 Uhr
