Prozessbeginn Waffenkammer
Aktuelle Stunde . 06.07.2026. 20:01 Min.. UT. Verfügbar bis 06.07.2028. WDR. Von Helge Rosenkranz.
Rund 300 scharfe Schusswaffen, darunter mehr als 100 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, dutzende Langwaffen, Handgranaten und sogar Panzerabwehrwaffen - der Fund von Waffen in einem Remscheider Keller im Oktober 2025 war spektakulär.
Eine Stunde dauert es beim Prozessauftakt die gefundenen Waffen aufzuzählen. Aber was passiert mit diesem Arsenal, wenn der Prozess zu Ende ist? Vor allem einige historische Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg haben schon Sammler auf den Plan gerufen.
Alle Waffen sind Beweismittel
Eins ist klar: So lange der Prozess läuft, bleiben die Waffen als Beweismittel in der Obhut des Staates. Das war angesichts der Menge an Gewehren, Munition und Co. gar nicht so einfach - die zuständige Aservatenkammer konnte nicht alles aufnehmen. Jetzt werden die Waffen an einem geheimen Ort aufbewahrt.
Im Prozess wird dann - neben den Strafen für die Angeklagten - entschieden, was mit den Waffen passiert. Dabei könnte es auch unterschiedliche Entscheidungen zu unterschiedlichen Arten von Waffen geben.
Kriegswaffen
Aufgereihte Maschinengewehre auf der Remscheider Waffenkammer.
Relativ klar ist der Fall bei Kriegswaffen oder anderen verbotenen Waffen: Die sind "zu vernichten", heißt es im Erlass des Landesinnenministeriums dazu. Bei einem Wert über 1.000 Euro können sie dem staatlichen Treuhandunternehmen Vebeg angeboten werden. Das Unternehmen verkauft Dinge, die dem Staat gehören und das Geld fließt dann in die öffentlichen Kassen.
Aber: Vebeg würde nur besonders seltene und sehr wertvolle Waffen verkaufen, die in der Regel deaktiviert (also unbenutzbar) sind - und auch das kommt praktisch kaum noch vor. Alternativ bleibt in der Regel nur die Vernichtung.
Andere scharfe Waffen
Drei der sichergestellten Panzerbüchsen, großkalibrige Gewehre aus der Zeit des zweiten Weltkriegs.
Auch hier gehen verschiedene Experten davon aus, dass die Waffen wahrscheinlich vernichtet werden - auch dann, wenn sie mit Berechtigung legal wären. "Die Waffen werden sichergestellt und dann im Rahmen des Strafverfahrens eingezogen", so Anwalt für Waffenrecht Christian Freund aus Ratingen. Sie gehen damit an den Staat über, der sie dann in der Regel vernichte.
In den legalen Handel gelangen solchen Waffen fast nie. "Für Waffenhändler spielen solche Funde als Quelle für Waffen keine große Rolle", erklärt Jan Zimmer vom Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB).
Die Waffen können stattdessen auch in kriminaltechnische Sammlungen aufgenommen werden - die gibt es unter anderem beim Landeskriminalamt, bei der Bundeswehr oder dem Institut der Aus- und Fortbildung der Polizei.
Dekowaffen und historische Waffen
In Remscheid wurden auch zahlreiche Dekowaffen gefunden sowie historische Waffen, vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Sofern diese dauerhaft "unbrauchbar" gemacht sind, kann deren Besitz sogar erlaubt sein. Die Waffen sind dann so umgebaut, dass sie nicht mehr schießen können und auch nur mit viel Aufwand wieder scharf gemacht werden können. "Dann kann es sein, dass die wieder ausgegeben werden", so Anwalt Freund.
Oder sie werden im Prozess ebenfalls eingezogen. "Wenn in so einem Fund besonders seltene oder historische Waffen dabei sind, werden die von den verantwortlichen Stellen teils verkauft oder an Sammlungen oder Museen abgegeben", so Zimmer vom Waffenhändler-Verband. Auch das passiert im deaktivierten Zustand, die Waffen können also nicht mehr benutzt werden.
Prozess mit zehn Verhandlungstagen
Für den Prozess rund um den Waffenfund hat das Wuppertaler Landgericht bis zum 23. September zehn Verhandlungstage angesetzt. Dann gibt es auch eine erste Entscheidung zu den Waffen - die könnten aber im Falle einer Revision auch noch deutlich länger vom Staat gelagert werden.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- dpa
- Interview mit Rechtsanwalt Christian Freund
- Interview mit dem VDB (Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler)
- Recht.NRW: Erlass des Innenministeriums vom 24.3.2004
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.07.2026, 18:45 Uhr