Für Wuppertal wird OGS-Anspruch zum Problem
Bildquelle: WDRWDR. 2 Min. 29 Sek.. Verfügbar bis 25.09.2028.
Als bei Felizitas Kehrenberg die Warteliste immer länger wurde, die Eltern immer verzweifelter, wusste die Schulleiterin: Wir müssen uns jetzt etwas einfallen lassen. An der Grundschule am Engelbert-Wüster-Weg in Ronsdorf platzt der Offene Ganztag (OGS) schon jetzt aus allen Nähten. 80 Prozent der Kinder werden nach dem Unterricht betreut. Doch 20 Kinder haben keinen Platz.
Dabei sollte sich das ändern: Seit dem aktuellen Schuljahr haben Eltern von Erstklässlern einen Rechtsanspruch auf eine Acht-Stunden-Betreuung. Das müssen Städte und Kommen als Schulträger erfüllen. Meistens gibt es den Offenen Ganztag mindestens bis 15 Uhr. Gefördert vom Land.
Für OGS fehlt vielen Schulen der Platz
Doch die Kommunen stellt das vor Herausforderungen: Seit die Bundespolitik 2021 den Rechtsanspruch beschloss, musste viel gebaut und investiert werden. Es fehlt an Mensen, die warmes Essen servieren. An Räumen, in denen Kinder auch zusammen spielen können. Zum Teil gibt es überhaupt keinen Platz auf dem Schulcampus, um noch anzubauen. Und vielen Gemeinden fehlt sowieso Geld im Haushalt.
Eine vertrackte Lage, die Wuppertal besonders trifft. Der WDR hat Kommunen in ganz NRW angefragt, ob sie genügend Plätze für den Ganztag haben. Zwei Drittel haben geantwortet. Das Ergebnis: In keiner anderen Kommune gehen so viele Erstklässler bei der Suche nach einem Betreuungsplatz leer aus, wie in Wuppertal. 190 Kinder konnten trotz Anmeldung – und Rechtsanspruch – nicht in den Ganztag aufgenommen werden.
Ein Versagen mit Ansage
Schon lange ist bekannt, dass die OGS-Plätze in Wuppertal zum Start in das neue Schuljahr nicht ausreichen. Die Stadt sagt dem WDR nun: "Die Stadtverwaltung setzt ihre Ressourcen dafür ein, den Ausbau des Ganztags voranzutreiben, statt den Platzmangel zu verwalten."
Eingang der Engelbert-Wüster-Grundschule
Bildquelle: WDR/ Julian PiepkornDoch genau das muss die Grundschule Engelbert-Wüster-Weg in diesem Jahr tun: "Die Schule ist mit 200 OGS-Plätzen am Limit", sagt Schulleiterin Kehrenberg. Es gebe einfach zu wenig Räume auf dem Schulgelände.
Die Stadt begründet die Lage mit der Gebäudesituation vor Ort und fehlendem Fachpersonal für Umbauarbeiten. Immerhin: 400 neue OGS-Plätze wurden in diesem Jahr geschaffen. Seit 2021 sogar 1.900 zusätzliche Plätze. Dennoch reicht das nicht aus. Man wolle jetzt ein Schulbauprogramm entwickeln, um die Ganztagsbetreuung auszubauen.
Das geht nicht von heute auf morgen
Im kommenden Jahr haben dann nicht mehr nur die neuen Erstklässler den Rechtsanspruch, sondern auch die Zweitklässler. Das Problem droht sich zu verschärfen.
Die Stadt sagt dazu: "Wie viele andere Städte, kann auch die Stadt Wuppertal den Rechtsanspruch nicht für alle Kinder gewährleisten. Dass es im Einzelfall zu Klagen kommen kann, kann nicht ausgeschlossen werden."
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) sagte dem WDR, an mangelnder Unterstützung durch das Land liege es nicht: "Wir haben auch viele Kommunen, in denen es trotz Haushaltssicherung gelungen ist, für alle Kinder einen Platz zur Verfügung zu stellen." Man habe viele Fördergelder zur Verfügung gestellt, so die Ministerin.
Eine Wuppertaler Schule arbeitet für OGS mit Jugendzentrum zusammen
In der Grundschule am Engelbert-Wüster-Weg in Ronsdorf haben sie am Ende eine pragmatische Lösung gefunden. Das benachbarte Jugendzentrum öffnet jetzt zwei Stunden früher. Zehn Kinder nutzen aktuell das sogenannte Übermittagangebot, sagt Leiterin Adina Böhm. Die Eltern können für 40 Euro Zehnerkarten kaufen - bei jedem Besuch im Jugendzentrum wird davon eine eingelöst.
Schulleiterin Felizitas Kehrenberg
Bildquelle: WDR/ Julian PiepkornSchulleiterin Kehrenberg hingegen wünscht sich langfristig mehr Unterstützung durch die Politik. Wenn man den Ganztag ausbauen wolle, brauche es mehr finanzielle Mittel. Für zusätzliches Personal und schöne Räume, in denen sich die Kinder wohlfühlen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)
- WDR-Gespräche mit Schulleitung Felizitas Kehrenberg und Jugendzentrumsleitung Scheidtstraße, Adina Böhm
- Antwort der Stadt Wuppertal auf WDR-Anfrage
- Vorherige Berichterstattung auf WDR.de
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 25.09.2026, 18:08 Uhr

2 Kommentare
Kommentar 2: Sandra Schmidt schreibt am 26.09.2026, 09:32 Uhr :
Was schaffen sich Menschen Kinder an, wenn sie weder Zeit noch Lust haben sich um sie zu kümmern?
Antwort von Jörg Borowski , geschrieben am 27.09.2026, 00:57 Uhr :
Die Situationen haben sich geandert durch höhere Ausgaben. Jetzt gehen öfter beide Elternteile arbeiten. Und es gibt eine grössere Anzahl Kinder duch dem Zuzug von Migranten. Arbeitslose sollten auf einen Platz freiwillig verzichten .
Kommentar 1: Cronenberger schreibt am 25.09.2026, 22:24 Uhr :
Naja dass mit den zusätzlich geschaffenen Ganztagsplätzen seit 2021 war eher ein Zahlentrick. Einen wesentlicher Anteil der "zusätzlich" geschaffenen Ganztagsplätze wurde dadurch geschaffen, dass in Wuppertal die sogenannte "kleine Betreuung", die bis 13:00 bzw. 14:00 ging, aufgelöst wurde und diese Plätze dann als Ganztagesplätze wieder eröffnet wurden. Da die Betreuungsplätze der kleinen Betreuung, bereits voll belegt waren, wurde durch diesen Trick kein einziger echter zusätzlicher Betreuungsplatz geschaffen. Am Ende ist es die gleiche Situation wie bei den Tagesmüttern und den Kindergärten in Wuppertal in den letzten Jahren. Die Stadt hat auf die steigenden Geburtenzahlen bei gleichzeitig steigender Erwerbstätigkeit der Mütter nicht reagiert, und war völlig überrascht vom Bedarf an Tagesmüttern, später als die Kinder älter wurden waren die Ganztags-Kindergarten Plätze rar und jetzt sind es die Betreuungsplätze in den Grundschulen. Als nächstes sind es die Weiterführenden Schulen