Fast auf der Straße - jetzt Lokführer
Bildquelle: WDR / Lisa BlockWDR. 4 Min. 5 Sek.. Verfügbar bis 08.09.2028.
Fast auf der Straße, heute Lokführer : Wie René sein Leben zurückgewann
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René Breuers steckte vor ein paar Jahren in einer tiefen Krise. Er verlor fast alles, sogar seine Wohnung. Familie, Freunde und seine ehrenamtliche Arbeit halfen ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Dann machte er mit Anfang 40 eine Ausbildung zum Triebfahrzeugführer. Heute steht er wieder voll im Leben und hilft anderen in Not.
11:40 Uhr, Emmerich Hauptbahnhof: René Breuers stapft mit Sicherheitsmontur über die Gleise zur Triebfahrzeug-Übernahme. "Der ganze Zug muss jetzt vom Wagenmeister überprüft werden, das kann dauern!", weiß René.
René Breuers reinigt die Scheibenwischer für eine gute Sicht.
Bildquelle: WDR / Lisa BlockEr putzt derweil seine Frontscheibe mit Silberspray und überprüft die Feststellbremse. Alles muss funktionieren. Der Zug hat auf 389 Meter Gefahrgut geladen. Auf der Strecke bis nach Köln-Gremberg sollte René alles ganz genau im Blick haben: Geschwindigkeit, Fahrplan, Kilometerzeichen, Signalstellung. Ungefähr jede halbe Minute muss er deshalb eine Wachsamkeitstaste drücken.
René stand vor dem Nichts
René ist seit gut zwei Jahren Lokführer bei der Rail Cargo Group. Die Entscheidung für den Beruf lag für ihn auf der Hand: "Als Musiker bin ich gerne ICE gefahren und habe mir sogar zu Hause Führerstandsvideos angeschaut." Das Schönste an seinem Beruf seien die Landschaften, durch die er fährt und, dass er viele Menschen kennenlernt. René ist froh, dass er die schwere Ausbildung geschafft hat. Kurz nachdem er vor dem Nichts stand.
Lokführer René Breuer hat alles im Blick.
Bildquelle: WDR / Lisa Block"Ich hatte ein kleines Musikstudio, eine schöne große Wohnung, aber irgendwann habe ich mich verzettelt mit der Selbstständigkeit", erzählt René. Als er seine Wohnung verlor, ging auch seine Beziehung in die Brüche. Drogenkonsum kam dazu. "Wenn man mehrere Schicksalsschläge auf einmal hat, dann passiert das schon mal, dass man seine Sachen nicht mehr auf die Reihe bekommt", sagt er.
Hilfe suchen und annehmen ist wichtig
Bei der Essensausgabe vom Verein "Miteinander stark e.V." am Bielefelder Hauptbahnhof hat er Halt gefunden, als es ihm schlecht ging. René hilft alle zwei Wochen mit, weil er weiß, wie es den bedürftigen Menschen geht.
René Breuers erzählt einem jungen Obdachlosen von Hilfsangeboten.
Bildquelle: WDR / Lisa BlockEr gibt einem jungen obdachlosen Paar eine Schale mit Nudeln und Käse, dann spricht er mit ihnen. Für viele hier ist ein Gespräch oft noch wichtiger als die warme Mahlzeit. Er erzählt ihnen vom Unterstützten Wohnen, einem Angebot für Suchtkranke von Bethel.regional. Eine Sozialarbeiterin kümmerte sich dort in seiner Not um ihn und er bekam auch eine Wohnung.
"Weil ich so viel Hilfe bekommen habe, möchte ich auch Hilfe zurückgeben." René Breuers
Miteinander stark e.V. gibt es seit 2022. Jeden Mittwoch kommen um die 100 Bedürftigen. René ist seit Anfang an dabei. Seit seiner Krise. Den Mitgründer Stefan Wulfmeyer kennt René aus seinem Sportverein VfR Wellensiek. Ein weiterer Anker in seinem Leben. Sein kleiner Job als Platzwart hatte ihm damals Struktur gegeben. Unterstützung sei extrem wichtig, ob durch Familie, Freunde oder Vereine, betont René, aber man müsse auch selber etwas tun: "Wenn man keine Hilfe sucht oder annehmen möchte, dann passiert natürlich auch nichts!"
"Das Leben macht wieder Spaß!"
René hebt das Schnurtelefon in der Führerstandskabine ab: "44971, der René, moin!". Er ist kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Oberhausen. Die Zentrale fragt, ob sein Zug eine Behandlung brauche. Braucht er nicht, alles in Ordnung. Genauso wie in Renés Leben:
"Die Wohnung ist ordentlich, der Kühlschrank ist voll, ich bin in vielen Städten unterwegs und das Leben macht wieder Spaß!" René Breuers
Seine letzte Schicht von neun ist ein sogenannter "Umleiter", also braucht er etwas länger als gewöhnlich. Am späten Nachmittag erreicht er Köln-Gremberg. Dann hat er acht Tage frei und seinen nächsten Einsatz bei der Bielefelder Essensausgabe.
Unsere Quellen:
- Recherchen der Reporterin vor Ort
- Gespräche mit René Breuers
- Miteinander stark e.V.
- Österreichische Bundesbahn (ÖBB)
Sendung: WDR.de, Fast auf der Straße - jetzt Lokführer, 08.09.2026, 05:02 Uhr
