Sensation: Transplantation eines schlagenden Herzes

Bildquelle: WDR/Solveig Bader

Aktuelle Stunde 05.05.2026 17 Min. 9 Sek. UT Verfügbar bis 05.05.2028 WDR Von Solveig Bader

Meilenstein in Essen Erste Transplantation eines schlagenden Herzens

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Erstmals wurde in Essen ein schlagendes Herz transplantiert - mit Hoffnung auf weniger Komplikationen und eine längere Lebensdauer.

Von Solveig Bader

Payam Akhyari setzt das Stethoskop an die Brust seines Patienten Ralf Grobe und hört die Herztöne ab. "Funktioniert doch wunderbar", sagt der Herzchirurg und lächelt zufrieden. "Kommen Sie damit im Alltag zurecht?" "Ja, auf jeden Fall", erwidert Grobe. Einkaufen, mit dem Hund spazieren gehen, die Tochter zur Kita bringen, das könne er mittlerweile, "aber nur langsam und mit Pausen dazwischen".

Ralf Grobe lebt seit einem halben Jahr mit einem Spenderherzen. Vor sieben Jahren hatte er einen schweren Herzinfarkt mit irreparablen Schäden und kam auf die Transplantationsliste. Im Oktober 2025 dann der langersehnte Anruf: "Wir haben ein Herz für dich", erzählt Grobe.

Herz hat nur 22 Minuten still gestanden

Der 47-jährige Bochumer hatte nicht nur das Glück, ein Spenderorgan zu erhalten, sondern er ist der erste Patient in Deutschland, bei dem eine sogenannte "Beating-Heart-Transplantation" durchgeführt worden ist. Dabei geht es darum, das frisch entnommene Spenderherz so wenig wie möglich "außer Betrieb" zu setzen, vom Transport bis zur Operation.

Payam Akhyari hat erstes schlagendes Herz transplantiert

Payam Akhyari hat Ralf Grobe operiert.

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Kurz nach der Entnahme wird das Organ in eine Box gelegt, an eine spezielle Maschine angeschlossen und wieder zum Schlagen gebracht. Während des Transports wird es permanent mit Blut und Nährstoffen versorgt und auf Körpertemperatur gehalten. "Bislang war es bei uns am Essener Uniklinikum so, dass wir im OP bei der Implantation beim Patienten das Herz aus technischen Gründen noch einmal stilllegen mussten", so Payam Akhyari.

"Jetzt konnten wir erstmals das Herz im schlagenden Zustand aus der Maschine entnehmen und implantieren". Insgesamt habe es nur 22 Minuten stillgestanden. Für den Chirurgen, der schon etwa 100 Herzen transplantiert hat, ein ganz besonderer Eingriff.

Hoffnung auf weniger Komplikationen

Der Transport eines weiter schlagenden Spenderherzens, die "Heart-in-a-box"-Methode, wird international immer häufiger durchgeführt. "Wir wissen mittlerweile sehr gut, dass dieses Stilllegen und der Transport auf Eis eine sehr kritische Zeit ist. Es gibt sehr gute solide und belastbare Daten, die zeigen, je länger diese Zeit andauert, desto mehr wird das Herz geschädigt", sagt der Essener Herzchirurg Payam Akhyari.

Das Einnähen eines schlagenden Herzens, die "Beating-Heart-Implantation" fand bislang selten statt, erstmals in den USA - und jetzt auch am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum am Essener Uniklinikum. Das gesamte Kardiologenteam hofft, dass durch das neue Verfahren das Risiko von Komplikationen wie Herzstillstand und Abstoßungsreaktionen bei dem Patienten reduziert werden.

Gute Chancen "lange damit zu leben"

Ralf Grobe ist dankbar, dass er für den besonderen Eingriff ausgewählt wurde. Trotzdem hat er eine harte Zeit hinter sich und immer noch mit vielen Nebenwirkungen zu kämpfen.

"Ich weiß, dass die Qualität meines Herzens gut ist und meine Chancen, lange damit zu leben, hoch sind." Ralf Grobe, Herzpatient

Arbeiten kann der gelernte Kaufmann vorerst noch nicht. Seine Frau Julia hofft vor allem, dass ihr Mann auch bald wieder für die gemeinsame Tochter Louisa der Papa von früher sein kann.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Interview mit Herzchirurg Payam Akhyari
  • Gespräche mit Herzpatient Ralf Grobe
  • Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum am Essener Uniklinikum

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 05.05.2026, 18:45 Uhr

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