Häufig stimmen die Optik von Angeklagten und die ihnen vorgeworfenen Straftaten nicht überein. So krass wie heute aber ist es selten. Der 24-jährige Hauptangeklagte Deutsch-Iraker sieht eher wie ein Intellektueller aus.
Prozessauftakt: Mutmaßlicher Chef von Drogenbande vor Gericht in Köln
Lokalzeit aus Köln. 08.12.2025. 03:13 Min.. Verfügbar bis 08.12.2027. WDR. Von Markus Schmitz, Jochen Hilgers.
Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Seine mutmaßlich rechte Hand, ein 25-jähriger Iraker ist Typ Schwiegersohn. Gelassen treten die beiden auffällig kleinen und gut gekleideten Angeklagten in den Gerichtssaal - begleitet von Justizwachtmeistern. Polizei steht vor dem Saal. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sichtbar, aber nicht übertrieben.
Die Vorwürfe, die ihnen die Staatsanwaltschaft macht, sind ein wilder Ritt durch das Strafgesetzbuch. Folterung, Geiselnahme, Sprengstoff-Anschläge sind nur drei von 35 Vorwürfen. Im Publikum sitzen Familie und Freundinnen der Angeklagten.
700 Kilo Rauschgift aus den Niederlanden
Der Hauptangeklagte gilt als Kopf der Kölner Drogenbande, die tonnenweise Drogen ins Rheinland geschmuggelt und hier weiterverkauft haben soll. Von einer Lieferung von 700 Kilo Cannabis wurde der Bande rund die Hälfte geraubt. Die Suche danach soll Entführungen, Geiselnahme, Folterungen und Sprengstoffanschläge zur Folge gehabt haben. Beauftragt laut Staatsanwaltschaft vom Hauptangeklagten.
Ihm droht die Sicherungsverwahrung, sagt der Pressesprecher des Landgerichts. Das wurde in ganzes Leben hinter Gittern bedeuten. Für einen 24-jährigen. Das will Wolf Bonn, der Anwalt des Hauptangeklagten verhindern.
Unterstützt wurde der Hauptangeklagte laut Anklage von seiner rechten Hand, dem mitangeklagten 25-jährigen Iraker. Ihn vertritt die Anwältin Pina Carmen. Der Iraker will sich schweigend verteidigen, sagt sie.
Polizei ermittelt gegen 90 Beschuldigte
Die Serie der Straftaten setzte die Ermittelnden unter Druck. Bis zu 80 Beamtinnen und Beamte der Polizei und fünf Staatsanwälte ermittelten zwischenzeitlich in der Ermittlungsgruppe "Sattla", dem arabischen Word für Haschisch oder Cannabis.
Es gibt laut Staatsanwaltschaft 90 Beschuldigte. Zwischenzeitlich hatte die Polizei den Verdacht, die niederländische sogenannte "Mocro Mafia" versuche im Rheinland Fuß zu fassen. Dann stellte sich aber heraus, dass es ein Konflikt innerhalb einer Kölner Organisation war.
Prozess noch bis Sommer 2026
Tatort Ehrenstraße Köln-Innenstadt
Für das Verfahren sind mehr als 30 Verhandlungstage vorgesehen. Der mutmaßliche Vertraute des Hauptangeklagten soll zum Beispiel bei der äußerst brutalen Geiselnahme mit schweren Folterungen dabei gewesen sein - im Auftrag des Hauptangeklagten. Dabei soll ein Mann und eine Frau in einer Villa in Köln schwer misshandelt worden sein. Das war im Juli 2024.
Bereits am 5. Juli 2024 wurde er am dortigen Tatort in Köln-Rodenkirchen verhaftet. Es war der Tag, als der Drogenkonflikt in die Öffentlichkeit kam.