Bahnsperrung Köln-Düsseldorf | WDR Aktuell

WDR 04:12 Min. Verfügbar bis 11.07.2028

Bahn-Sabotage bei Leverkusen Linksextreme Gruppe "Angry Birds" bekennt sich

Stand:

Die Gruppe "Kommando Angry Birds" hat sich zur "Sabotage" bei Leverkusen bekannt. Sie schreibt im Netz, sie sei für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen verantwortlich. NRW-Innenminister Reul verurteilt die Taten und fordert mehr Befugnisse für Behörden im Internet.

Die Gruppe schildert in dem Schreiben, dass sie Brandsätze in einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke und auf halbem Weg zwischen der Unterführung und dem Funkmast in einem schmaleren Schacht deponiert hätten. Für die Brandsätze wurden nach Angaben der Gruppe Timer und ein Liter Grillanzünder verwendet. Als Motiv nannte die Gruppe "das durch den Fortschritt verursachte Massensterben von Arten".

Reparaturarbeiten abgeschlossen - Strecke wieder freigegeben

Freigelegter Kabelschacht an der Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf

Freigelegter Kabelschacht am Gleis

Die zwischenzeitlich gesperrte Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf ist inzwischen wieder freigegeben. Die Deutsche Bahn schloss die Reparaturarbeiten an den zahlreichen beschädigten Kabeln nach eigenen Angaben am frühen Samstagabend ab. Fachleute hätten seit Freitag durchgehend daran gearbeitet, die Schäden so schnell wie möglich zu beheben.

NRW-Innenminister hält Bekennerschreiben für echt

Ein Sprecher der Polizei Köln sagte auf Anfrage, es würden Ermittlungen geführt, ob das Bekennerschreiben authentisch sei. In einem solchen Bereich werde auch geprüft, ob gegebenenfalls Zusammenhänge zu anderen Delikten bestünden. Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte bereits am Freitag die Ermittlungen übernommen, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte

Zumindest bei einem der beiden Anschläge könne man "relativ sicher" sein, dass die Gruppierung "Kommando Angry Birds" dahinter stecke, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) im WDR-Interview. Er machte zudem klar, dass Staat und Gesellschaft an vielen Stellen verwundbar seien. In einer "Euphorie der Transparenz" habe man viele Informationen über die kritische Infrastruktur öffentlich gemacht.

"Nichts ist mehr versteckt. Alles sollte öffentlich sein - und jetzt haben wir den Salat!" NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Als Beispiele nannte Reul neben der Bahn auch die Strom- und Wasserversorgung. Er erinnerte auch an den Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar, von dem zehntausende Haushalte betroffen waren.

Reul: Ermittlungsbehörden brauchen mehr Informationen aus dem Netz

Herbert Reul beim Pressegespräch zu Spionageaktivitäten in Nordrhein-Westfalen

Herbert Reul, NRW-Innenminister

Den aktuellen Fall nutzt der NRW-Innenminister für die Forderung nach mehr Befugnissen. Polizei und Verfassungsschutz bräuchten mehr Informationen aus dem Internet, "um vorbereitet zu sein und die Typen erwischen zu können". Dies könne nach strengen Regeln geschehen, zum Beispiel indem Richter in Entscheidungen eingebunden würden.

"Wenn wir nicht mehr Möglichkeiten kriegen, auch im Netz Informationen beschaffen zu dürfen, dann sieht die Nummer schlecht aus." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Betreiber kritischer Infrastruktur wie die Deutsche Bahn müssten sich viel besser vorbereiten. Hier müsste überprüft werden, wo mehr Videoüberwachung möglich und nötig ist.

Feuerwehrkräfte bei den Löscharbeiten zwischen Köln und Düsseldorf

Die Feuerwehr beim Löschen des Brandes

Infrastruktur-Experte: "Keine völlige Sicherheit möglich"

An die Kabelschächte heranzukommen, sei sehr einfach, sagte auch Manuel Atug, Experte für den Schutz kritischer Infrastruktur, am Samstag dem WDR. Man habe mehrere 10.000 Kilometer Bahnstrecke, diese hundertprozentig zu schützen, sei unmöglich. "Insofern wird man diese Anfälligkeit immer haben und nie ganz verhindern können."

Ein Mann mit grauen Haaren und Brille

Infrastruktur-Experte Manuel Atug

Allerdings könne die Bahn ihr Notfallmanagement verbessern, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Zuletzt habe das Unternehmen hier Personal entlassen. "Das ist natürlich Sparen an der falschen Stelle. Da sollten wir auf die Resilienz mehr Wert legen", so Atug.

Selbstbild: "Angry Birds" als Anti-Tech-Bewegung

In der Veröffentlichung auf "Indymedia" stellt sich das "Kommando Angry Birds" selbst als Industriegegner und Anti-Tech-Bewegung dar, die für den Schutz der Natur die "vollständige Zerschlagung des technologisch-industriellen Systems" anstrebt. "Diese Bewegung wird verhindern, dass der Planet geschreddert wird", heißt es.

Serie von Bahn-Anschlägen in den vergangenen Jahren

Bereits mehrmals in der Vergangenheit hat sich die linksextreme Gruppe zu Anschlägen bekannt, auch auf Bahnstrecken. Im Januar 2025 brüstete sich die Gruppe zuletzt mit einem Brandanschlag auf "Düsseldorfs wichtigstes Gleis für den Güterverkehr". Damals war eine Strecke zwischen Düsseldorf und Solingen vorübergehend lahmgelegt worden, auch dort hatten Kabel gebrannt.

Linksextreme Gruppe "Angry Birds" bekennt sich zu Bahn-Sabotage

WDR 11.07.2026 00:24 Min. Verfügbar bis 10.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Interview mit Herbert Reul
  • Bekennerschreiben auf indymedia.org
  • Bisherige WDR-Berichtersattung zu "Angry Birds"
  • ARD-Sicherheitsexperte Holger Schmidt
  • Deutsche Bahn
  • Interview mit Manuel Atug
  • Statement von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Sendung: WDR.de, Linksextreme Gruppe "Angry Birds bekennt sich zu Bahn-Sabotage", 11.07.2026, 12:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 11.07.2026, 12:45

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