Sabotage: Bahnstrecke Köln-Düsseldorf gesperrt

Aktuelle Stunde 11.07.2026 42:44 Min. UT Verfügbar bis 11.07.2028 WDR Von Raphael Markert

Linksextreme Bahnsabotage Was wir über das "Kommando Angry Birds" wissen

Stand:

Das linksextremistische "Kommando Angry Birds" hat sich zum Bahnanschlag bei Leverkusen bekannt. Was wir über die Gruppe wissen.

Am Freitag führte ein Feuer an einem Kabel der Bahn im Norden von Leverkusen zu großen Problemen im Zugverkehr zwischen Düsseldorf und Köln. Die linksextremistische Gruppe "Kommando Angry Birds" hat sich im Internet zu dem Anschlag mit Brandsätzen mit Zeitzündern bekannt. Die Gruppe wird von den Sicherheitsbehörden auch für andere Brandanschläge auf die Bahn-Infrastruktur verantwortlich gemacht, unter anderem im letzten Sommer. Was über die Gruppe bekannt ist:

Der Verfassungsschutz rechnet das "Kommando Angry Birds" dem Linksextremismus zu. Nach Ansicht des Verfassungsschutzes NRW ist es keine konkrete Gruppe, sondern eher eine "Mitmachaktion", ähnlich den im Berliner Raum aktiven "Vulkangruppen". Das mache eine Identifizierung von beteiligten Personen besonders schwierig. Das "Kommando Angry Birds" schreckt nicht vor Sabotage-Akten und Anschlägen zurück, insbesondere im Rheinland. Abgesehen vom aktuellen Fall hat sie sich auch zu einem Brandschlag auf ein Stromkabel der Bahn im Januar 2025 in Düsseldorf, sowie zu einem Anschlag auf die Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg im Sommer letzten Jahres bekannt, der damals enorme Einschränkungen im Bahnverkehr im ganzen Land verursacht hat. Sie führt aber nicht nur selber Anschläge durch, sondern bietet auch Anleitungen zum Bau von Brandsätzen. Über die Anzahl der Mitglieder ist nichts bekannt.

Die Anschläge begründet das "Kommando Angry Birds" mit antikapitalistischen und ökologischen Motiven. Beim Anschlag 2025 setzte sie laut dem Verfassungsschutz die Industrie mit einem Tumor gleich, der "neutralisiert" werden müsse. Auch im aktuellen Bekennerschreiben zum Anschlag bei Leverkusen nimmt die Gruppe Bezug darauf. Sie werde verhindern, dass der Planet geschreddert wird:

"Wir befinden uns mitten in einem Massensterben. Wird es nicht aufgehalten, wird ihm über kurz oder lang auch die Menschheit zum Opfer fallen. Die Ursache des Massensterben ist die technologische Eskalation. [...] Da sich die Konkurrenz zwischen lebenden Wesen zwar vermindern, aber nicht aufheben lässt, ist die Beseitigung der industriellen Technologie geboten. Mittels Sabotage kann sie zur Not auch von einer kleinen Minderheit bewirkt werden." Kommando Angry Birds

Im Januar 2025 hat die Gruppe ein Stromkabel in Brand gesetzt, das neben den Gleisen in einem Graben verlegt und nur lose mit Betonplatten bedeckt war. Weil die betroffene Strecke aber ausschließlich von Güterzügen befahren wird, waren die Auswirkungen auf den Personenverkehr damals überschaubar. Auch im Juli 2025 wurde ein Kabelkanal in Brand gesetzt. Die Auswirkungen waren dabei viel größer, weil die betroffene Strecke zwischen Düsseldorf und Duisburg eine der meistbefahrenen Zugstrecken in Deutschland ist. Auch im Fernverkehr mussten deshalb viele Züge umgeleitet werden.

Im Bekennerschreiben zum aktuellen Fall geht die Gruppe auch detailliert auf ihre Vorgehensweise ein. Demnach habe sie dieses Mal in einem Kabelkanal Brandsätze angebracht und mit Timern und je einem Liter Grillanzünder präpariert. Der Verfassungsschutz NRW schreibt dazu:

"Anlagen der Deutschen Bahn sind dabei aus Sicht der Täter ein geeignetes Ziel, da die Infrastruktur zumeist im Freien liegt und entfernt von möglichen Zeugen der Tat. Viele Schadensobjekte befinden sich ungesichert im Freien oder auf nur vergleichsweise gering gesichertem Gelände, wie auch in diesem Fall". Sprecherin Verfassungsschutz NRW

Unter dem Titel "Move fast and break things" hat das "Kommando Angry Birds" im Januar 2026 auf 36 Seiten beschrieben, was die Gruppe antreibt, wie man gegen die wahrgenommenen Missstände in der Welt ankämpfen will, wie sich Netzwerke von Aktivisten knüpfen lassen und wie diese Netzwerke konspirativ kommunizieren können, ohne Verdacht bei den Sicherheitsbehörden zu schöpfen. Auch Bauanleitungen sind enthalten.

Sowohl der Verfassungsschutz NRW als auch das Bundesamt für Verfassungsschutz haben die Gruppe auf dem Schirm und erwähnen sie in ihre Jahresberichten. Solche Extremisten profitierten von öffentlich zugänglichen Informationen über die kritische Infrastruktur, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul im WDR-Interview. Er forderte deshalb mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden. Polizei und Verfassungsschutz bräuchten mehr Informationen aus dem Internet, "um vorbereitet zu sein und die Typen erwischen zu können". Dies könne nach strengen Regeln geschehen, zum Beispiel indem Richter in Entscheidungen eingebunden würden.

Unsere Quellen:

  • Bundesamt für Verfassungsschutz
  • Verfassungsschutz NRW
  • Manifest "Kommando Angry Birds"
  • Bekennerschreiben "Kommando Angry Birds"
  • Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 11.07.2026, 19:30

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