Sprengung am alten Kohlekraftwerk Ibbenbüren | WDR aktuell

01:22 Min. Verfügbar bis 20.02.2028

Schornstein ade! Sprengung am alten Kohlekraftwerk Ibbenbüren

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Bereits im Frühling 2025 waren Kühlturm und Kesselhaus platt gemacht worden. Jetzt sind der Schornstein und die Reste von zwei Rauchgasreinigungsanlagen dran. Damit ist das gesamte Kohlekraftwerk Ibbenbüren endgültig Geschichte.

Von Petra Brönstrup

Der Schornstein ist 275 Meter hoch und weil er auf dem bis zu 176 Meter hohen Schafberg steht, ist der Schlot bei klarer Sicht in der gesamten Region weithin zu sehen, auch in Münster und Osnabrück. "Wenn wir mit dem Auto aus dem Urlaub gekommen sind, dann war immer die Frage, wer sieht den Schornstein als Erster", erinnert sich Uwe Beck. Er arbeitet auf dem alten Zechengelände nebenan.

Wahrzeichen und Orientierungspunkt

Ehepaar Leissing steht auf einem Balkon und schaut in ein Album.

Doris und Rainer Leißing auf ihrer Terrasse

Viele Ibbenbürener lieben "ihren" Schornstein. Er ist Wahrzeichen, Landmarke, Orientierungspunkt. Auch für Doris Leißing. Sie wohnt mit ihrer Familie nur wenige hundert Meter entfernt. Von der Terrasse aus schauen sie direkt auf den Schornstein.

Unser Enkelkind hat gesagt, Oma, dann weiß ich gar nicht mehr, wo du wohnst. Weil er sagt immer, guck mal, da ist der Turm, da ist das Kraftwerk, da wohnt Oma. Doris Leißing, Anwohnerin

Doris Leißing hat miterlebt, wie das Kohlekraftwerk Ibbenbüren mit dem Schornstein in den 1980er Jahren gebaut wurde. Ihre Eltern mussten deshalb ihr Haus räumen und umsiedeln. Die Familie litt anfangs sehr darunter. Dann jedoch wurde das Kraftwerk mit seinen riesigen Gebäuden immer mehr zu einem Stück Heimat.

Abriss seit 2023

Das Bild zeigt das stillgelegte Steinkohlekraftwerk in Ibbenbüren

Das Kraftwerk Ibbenbüren vor dem Abriss

Doch die Zeiten änderten sich. Deutschland wollte raus aus der Kohle. 2018 machte zuerst die Zeche Ibbenbüren dicht, 2021 dann das Kohlekraftwerk nebenan. Beide Industrieanlagen werden seitdem abgerissen. "Ich bin da sehr traurig drüber", sagt Doris Leißing. Sie hätte sich gewünscht, dass Teile des Kraftwerks erhalten bleiben, als Andenken.

Doch es gibt andere Pläne. Auf dem alten Kraftwerksgelände soll ein riesiger Strom-Konverter zur Umwandlung von Windstrom aus den großen Offshore-Parks vor der deutschen Nordseeküste in Wechselstrom für die Steckdose entstehen. Bauherr ist der Netzbetreiber Amprion aus Dortmund.

Der Fall des Kühlhauses

Abriss des Kühlturms im April 2025

Dafür soll das alte Kraftwerksgelände bis zum Sommer geräumt sein. Das erledigt ein Abbruchunternehmen aus Gütersloh. Es hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren schon viele Gebäude abgerissen, darunter der riesige Kühlturm und das Kesselhaus. Die wurden im April 2025 gesprengt.

Erneut Evakuierung geplant

Für die zweite Sprengung am Sonntag sind 21 Experten im Einsatz. Sie haben über 1.000 Löcher in die Fundamente des Schornsteins und der beiden alten Rauchgasreinigungsanlagen gebohrt und darin den Sprengstoff platziert, insgesamt 600 Kilogramm. Die Zündung soll um 11 Uhr erfolgen.

Aus Sicherheitsgründen und in Absprache mit dem Abbruchunternehmen haben Ordnungsamt und Polizei einen Sperrbereich rund um das Gelände eingerichtet. Davon betroffen sind fast 200 Anwohner. Sie müssen ihre Häuser verlassen. Auch eine Flüchtlingseinrichtung mit etwa 400 Bewohnern wird geräumt. Die Evakuierung startet am Sonntagmorgen um 7 Uhr und soll bis zum Mittag dauern.

Unsere Quellen:

  • Stadt Ibbenbüren
  • Unternehmensgruppe Hagedorn, Gütersloh
  • Reporterin vor Ort
  • Anwohnerin Doris Leißing
  • Uwe Beck, Leiter Abriss Zeche Ibbenbüren

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 19.02.2026, 19:30 Uhr​

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