Studiogespräch: Benjamin Limbach, Justizminister NRW | Aktuelle Stunde
Bildquelle: WDRAktuelle Stunde . 31.08.2026. 38 Min. 38 Sek.. UT. Verfügbar bis 31.08.2028. WDR.
Gitterstab durchgesägt, durchs Fenster, Fassade hoch, aufs Dach - und weg. So ist wohl gestern ein Mann aus der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn geflohen. Wie das genau passieren konnte, ist noch unklar. Aber: Solche Ausbrüche sind in den vergangenen Jahren sehr selten geworden.
Den letzten klassischen Gefängnisausbruch in NRW - vor diesem - hat es im Juni 2021 gegeben, aus der JVA Bielefeld-Brackwede. Damit endet jetzt der längste Zeitraum ohne Ausbruch seit solche Daten erfasst werden, seit 1979. Häufiger sind sogenannte "Entweichungen", bei denen Gefangene zum Beispiel nicht oder verspätet von ihrem Freigang zurückkommen. Im Jahr 2024 hat es 174 solcher Fälle gegeben.
Viele JVAs in die Jahre gekommen
Trotzdem kritisiert die Sprecherin der NRW-SPD im Rechtsausschuss im Landtag, Sonja Bongers, dass zu wenig Geld für die JVAs da sei - und das auch auf Kosten der Sicherheit gehe:
"Viele unserer Vollzugsanstalten sind in die Jahre gekommen und entsprechen definitiv nicht mehr dem, was man einem modernen Vollzug zuschreiben müsste." Sonja Bongers, Sprecherin NRW-SPD im Rechtsausschuss des Landtags
Auch Horst Butschinek vom Bund der Stravollzugsbediensteten (BSBD) NRW sieht bauliche Mängel bei den Gefängnissen. Man müsse der Landesregierung aber zugestehen, dass sie daran arbeite. Und er glaubt: Auch wenn solche Ausbrüche immer wieder passieren könnten, sind unsere Gefängnisse sicher. So sei auch die JVA in Duisburg modernisiert worden.
Jetzt zu sagen: da ist alles so marode, da kann man sich mit nem Teelöffel ein Loch durch die Mauer graben - also das ist mitnichten so. Horst Butschinek, Landesvorsitzender Bund der Stravollzugsbediensteten NRW
Bewegungsmelder und Kameras zur Überwachung
Butschinek sieht die Gefängnisse in NRW auch durch technische Neuerungen der letzten Jahrzehnte gut aufgestellt. So würden Mauern und Dächer mit Bewegungsmeldern ausgestattet, Kameras überwachten 24 Stunden am Tag die Gefängnisse.
Und auch die Gefängnisstange, die der Insasse in Duisburg-Hamborn entfernen konnte, könne man nicht mit einer einfachen Metallsäge aus dem Baumarkt durchtrennen. Wie der Mann trotzdem entkommen konnte, müssen jetzt Untersuchungen zeigen.
Unsere Quellen:
- NRW-Justizministerium
- Deutsche Presse-Agentur
- Interview Horst Butschinek, Landesvorsitzender Bund der Strafvollzugsbediensteten NRW
- Interview Sonja Bongers, MdL und Sprecherin der NRW-SPD im Rechtsausschuss im Landtag, im WDR 5 Morgenecho
Sendung: WDR Hörfunk, Der Tag um 12, 31.08.2026, 12 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 31.08.2026, 18:45 Uhr