Porsche-Geschichte in der Turmgarage in Kleve
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmWDR. 3 Min. 16 Sek.. Verfügbar bis 31.08.2028.
Öl liegt in der Luft. Dazu der Geruch von Leder, Metall und Werkstattstaub. Aus einer Ecke klingt das gleichmäßige Rattern einer Nähmaschine, daneben klackern Werkzeuge auf Stahl. In der Turmgarage in Kleve werden nicht einfach Porsche repariert. Hier bekommen sie eine zweite Chance.
Aus dem Hobby des ehemaligen Kochs Andreas Schulz entwickelte sich ein Lebenswerk
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmDer Name Turmgarage verweist auf die Nähe zur Klever Schwanenburg und auf den weit sichtbaren Turm. Mit der Namenswahl unterstreicht das Unternehmen seine Verbundenheit zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Kleve.
Wie aus einem Koch ein Porsche-Spezialist wurde
Zwischen glänzenden Klassikern, verstaubten Ersatzteilen und halbfertigen Karosserien steht Andreas Schulz. Früher stand er als gelernter Koch am Herd. "Am Herd hat mir nichts gefehlt. Aber wenn ich einen Porsche gesehen habe, war die Begeisterung einfach größer", sagt Schulz und lacht.
Heute gilt der gelernte Koch, Karosserie- und Fahrzeugbaumeister sowie Kfz-Sachverständige als einer der bekanntesten Porsche-Spezialisten am Niederrhein. "Ich habe nie einen Geschäftsplan gehabt. Ich habe einfach das gemacht, was mich begeistert", sagt er. Aus dieser Begeisterung entstand vor mehr als 30 Jahren die Turmgarage. Aus einem Hobby wurde sein Lebenswerk.
Vom Blick auf die Schwanenburg zur Porsche-Adresse
Porsche-Oldtimer in der Turmgarage in Kleve
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmAls Andreas Schulz 1991 in Sichtweite der Klever Schwanenburg die Turmgarage gründet, ahnt er wohl selbst nicht, wohin die Reise führen wird. Aus seiner Begeisterung für klassische Fahrzeuge entsteht über die Jahre ein Unternehmen, das sich auf die Reparatur, Restaurierung und den Verkauf historischer Porsche spezialisiert.
Kunden kommen längst nicht mehr nur vom Niederrhein. "Ich habe nie geplant, daraus einmal so etwas Großes zu machen", sagt Schulz. "Mich haben die Autos einfach nie losgelassen."
Simon Mülders ist der neue Geschäftsführer der Turmgarage
Bildquelle: TurmgarageWas von außen wie eine Werkstatt wirkt, gleicht drinnen eher einer Schatzkammer. In mehreren Hallen stehen Dutzende Porsche. Manche warten auf neue Besitzer, andere auf ihre Wiedergeburt. "Ich spüre in jeder Halle, wie viel Herzblut Andreas Schulz in die Turmgarage gesteckt hat. Meine Aufgabe ist es jetzt, dieses Lebenswerk in seinem Sinne weiterzuführen", erzählt der Kfz-Meister und jetzige Geschäftsführer Simon Mülders.
Wo aus Handwerk Herzblut wird
Sebastian Giammone arbeitet an einem 911er Motor
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmEiner, der diese Leidenschaft teilt, ist Sebastian Giammone. Der 42-Jährige hat Maschinenbau studiert. Heute verbringt er seine Tage zwischen Motorblöcken, Schraubenschlüsseln und dem Geruch von Öl und Benzin. Vor ihm liegt der zerlegte Motor eines alten 911ers. Metall klackt auf Metall, während er routiniert jedes Teil prüft. Viele Motoren haben Jahrzehnte hinter sich, manche standen jahrelang still. Für Giammone ist genau das der Reiz. "Wenn ein Motor nach Jahrzehnten wieder anspringt, bekomme ich immer noch Gänsehaut", sagt er. Für einen kurzen Moment werde aus Technik etwas Emotionales. Dann klingt aus dem Heck plötzlich wieder der typische Porsche-Sound, als hätte der Motor nur auf diesen Augenblick gewartet.
Guido Hollands restauriert Sitze, Verkleidungen und Innenausstattungen
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmNur wenige Meter entfernt riecht es nach frischem Leder. Hier arbeitet Guido Hollands aus Kranenburg. Der 60-Jährige restauriert Sitze, Verkleidungen und Innenausstattungen. Das gleichmäßige Rattern seiner Nähmaschine mischt sich mit den Geräuschen aus der Werkstatt. Behutsam fährt er mit den Fingern über eine frisch bezogene Rückenlehne und kontrolliert jede Naht. Für Hollands stecken darin Erinnerungen und Geschichten. "Manchmal steckt in einem Sitz mehr Geschichte als in manchem Familienalbum", sagt er. "Wer hier einsteigt, soll nicht das Gefühl haben, in einem restaurierten Auto zu sitzen. Sondern in einem Porsche, der seine Geschichte weitererzählt."Zwischen Lederrollen, Garnspulen und alten Originalteilen wird so aus Handwerk oft etwas sehr Persönliches. Manche Kunden bekämen sogar feuchte Augen, wenn sie ihren Wagen zum ersten Mal wiedersehen.
Alte Legenden mit neuem Leben
Porsche-Oldtimer in der Werkstatt der Turmgarage
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmPorsche ist für viele weit mehr als ein Auto. Vielleicht erklärt genau das die Faszination dieser Marke. Und vielleicht auch den Erfolg der Turmgarage. Denn zwischen Werkzeugen, Motoren und Leder geht es am Ende nicht um Luxus oder Höchstgeschwindigkeit.
Sondern um Menschen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Und darum, dass in einer Werkstatt in Kleve jeden Tag ein kleines Stück Automobilgeschichte bewahrt wird. "Diese Autos haben eine Geschichte. Und solange wir noch etwas für sie tun können, geben wir sie nicht auf", sagt Andreas Schulz.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Andreas Schulz, Gründer der Turmgarage Kleve
- WDR-Interview mit Sebastian Giannone, Maschinenbauingenieur
- WDR-Interview mit Guido Hollands, Autopolsterer
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Wie die Turmgarage in Kleve Porsche-Geschichte lebt, 31.08.2026, 6 Uhr
