Mundraub als Naturschutz

Bildquelle: WDR/dpa/Axel Heimken

3 Min. 29 Sek. Verfügbar bis 25.09.2028

Apfelernte auf Streuobstwiesen Darf ich hier einfach so zugreifen?

Stand:

Bei uns in NRW beginnt jetzt die Apfelernte. Die reifen Äpfel laden geradezu ein, einfach zuzugreifen und sie zu pflücken. Aber darf ich das? Was sind die Regeln, was sollte ich beachten? Wir erklären, wie jeder Obst von den Streuobstwiesen ernten kann.

Christian Chwallek begutachtet genau die Äpfel in der Baumkrone, beginnt dann mit seinem Stab von außen nach innen zu ernten. Er probiert einen Apfel - und ist begeistert. "Durch den heißen Sommer sind viele Äpfel kleiner, aber dafür saftiger und schmackhafter", sagt er. Und sammelt weitere Äpfel in seinem Korb.

Bei vielen Bäumen darf jeder zugreifen

Chwallek hat in der niederrheinischen Gemeinde Alpen schon vor fast 20 Jahren eine öffentliche Streuobstwiese initiiert. Paten haben Bäume gestiftet, 175 stehen hier mittlerweile auf 8.000 Quadratmetern. Einige sind durch rote Bänder markiert - an die dürfen nur die Besitzer. Aber bei den allermeisten Bäumen darf jeder zugreifen.

Christian Chwallek und weitere Helfer auf der Streuobstwiese in Alpen
"Ich wünsche mir, dass die Leute und gerade auch Familien die Bäume und die verschiedenen Apfelgeschmäcker kennenlernen" Christian Chwallek, NABU Alpen
Ein von Sonne beschienener Apfel

Apfelernte im Sonnenschein - als Erlebnis für die ganze Familie

Bildquelle: WDR/Felix Mannheim

Hier stehen alte Sorten - und für Tiere wertvolle Bäume. Gleichzeitig ist das Pflücken auf Streuobstwiesen komplizierter als auf Apfelhöfen, weil die Bäume wilder und höher wachsen. Jeder, der zugreift, hilft deshalb, die Wiesen zu pflegen und zu erhalten. So wird Mundraub zum "praktischen Naturschutz", sagt Chwallek, der sich mit der lokalen NABU-Gruppe um die Wiese kümmert.

Auch Landwirte kann man fragen, ob man bei ihnen pflücken darf

Chwallek ermuntert alle, sich zu informieren - und dann zuzugreifen. Zudem rät er, auch bei Landwirten zu fragen, die Streuobstwiesen haben. Bei denen darf man natürlich nicht einfach so sammeln. Aber viele ernten ihre Bäume nicht mehr selbst ab und erlauben gerne, dass andere sich an den Früchten freuen. Der Lohn: kostenlos Obst, so frisch und gesund, wie es nur sein kann.

"Es tut mir in der Seele weh, zu sehen, wie viel Obst nicht geerntet wird und einfach auf Wiesen vergammelt. Wo das so ist: Einfach nachfragen!" Christian Chwallek, NABU Alpen

Wenn die Äpfel leicht abgehen, sind sie pflückreif

Äpfel pflücken ist dann ganz leicht: Wenn sie sich leicht vom Baum ziehen lassen, sind sie pflückreif. Mit einem Biss merkt man, ob sie schmecken - oder ob es sich etwa um "Lageräpfel" handelt, die noch eine Weile reifen müssen. Wichtig ist, vorsichtig zu ernten und nicht ganze Äste abzureißen.

Saftpressen überall im Land

Wenn es gut läuft, bekommt man dann sogar genug für frischen Saft zusammen. Denn mittlerweile gibt es überall in NRW Mostereien, bei denen man sich als Privatperson gesammelte Äpfel pressen lassen kann.

Der beste Saft: Viele Sorten gemischt

Alexander Haaken und seine mobile Saftpresse

Alexander Haaken und seine mobile Saftpresse

Bildquelle: WDR/Felix Mannheim

Alexander Haaken hat eine mobile Saftpresse - und ist gerade in Sonsbeck im Einsatz. Ab 8 Uhr kommt hier Familie um Familie, Kunde um Kunde mit Kisten voller Äpfel. Josefine Ophey hat mit Ulrich Kluckner und weiteren Freunden auf ihrem Grundstück alte Obstbäume abgepflückt. Auch besondere Sorten sind dabei, etwa kleine, säuerliche Zitronenäpfel. Sie haben die verschiedenen Arten durchgemischt - "das ergibt den besten Saft", sind sie überzeugt.

In Haakens Presse wird der Saft erhitzt. Haltbar ist er dann ein Jahr, angebrochen noch drei Monate. 5 Liter gibt´s ab 6,50 Euro. Er sagt: Alle Sorten taugen für Saft.

Die Saison läuft noch

Josefine Ophey und Ulrich Kluckner tragen viele Kartons davon, den Saft teilen sie unter allen auf, die beim Pflücken geholfen haben. Und, so sagt Ophey: "Damit können wir Geschmack und Gesundheit verschenken!"

Josefine Ophey und Ulrich Kluckner freuen sich über ihre Ernte

Josefine Ophey und Ulrich Kluckner freuen sich über ihre Ernte

Bildquelle: WDR/Felix Mannheim

Wer das auch möchte, sollte schnell raus auf die Obstwiesen. Die Pflücksaison läuft, je nach Sorte und Ort, noch etwa bis Mitte oder Ende Oktober.

Überall in NRW gibt es Flächen, auf denen jeder frische Äpfel oder anderes Obst pflücken und sammeln kann.

Unsere Quellen:

  • Vor-Ort-Recherche auf der Streuobstwiese in Alpen und bei der mobilen Saftpresse
  • NABU
  • städtische Informationen

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 25.09.2026, 19:30 Uhr

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