Krankentaxis vor dem Aus? Demo vor dem Düsseldorfer Landtag | WDR aktuell
Bildquelle: WDR/ Thomas Kalus31 Sek.. Verfügbar bis 09.07.2027.
Krankentaxis vor dem Aus? Demo vor dem Düsseldorfer Landtag
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Adrian Blaschke aus Ahlen leitet seit 20 Jahren eine Firma für Krankenfahrten. Der gelernte Rettungsassistent konnte von seinem Fahrdienst gut leben, bis die Kostenexplosion der letzten Jahre sein Unternehmen in die Krise stürzte. Zusammen mit anderen Branchenkollegen protestiert er heute vor dem Landtag in Düsseldorf.
"Heute Chef – morgen Patient. Wer fährt mich dann?", heißt es auf einem der Schilder der Demonstrierenden vor dem Düseldorfer Landtag. Sie fordern bessere Bedingungen und eine bessere Versorgungssicherheit für Krankenfahrten. 50 leere Rollstühle haben sie vor dem Landtag aufgestellt, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.
Wer trägt die Kostenexplosion?
Vorsitzender des Verbands der Kranken- und Behindertenfahrdienste NRW Stefan van Asch
Bildquelle: Thomas Kalus/WDRDer Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste hat zu dem landesweiten Protest aufgerufen. Er kritisiert, Löhne, Diesel, Versicherungen, gesetzliche Vorgaben würden teurer, aber die Krankenkassen drückten die Vergütung – oder verweigerten sie gänzlich für personalintensive Trage- und Liegendtransporte. Die Betreiber fürchten, dass explodierende Kosten und Personalmangel dazu führen, dass die Fahrten keiner mehr übernehmen kann. Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat Nordrhein-Westfalen keinen einheitlichen Rahmenvertrag für Kranken- und Behindertenfahrdienste.
Krankenfahrten zu lebenswichtigen Therapien
Der Verband vertritt über 90 Unternehmen, die mit mehr als 600 Spezialfahrzeugen monatlich rund 75.000 Patientinnen und Patienten zu lebenswichtigen Behandlungen wie zum Beispiel Dialyse, Bestrahlung oder Chemotherapie in NRW befördern.
Krankenfahrten bringen keinen Gewinn
Adrian Blaschke aus Ahlen leitet seit 20 Jahren eine Firma für Krankenfahrten. Jetzt steckt die Branche in der Krise. Er sagt, seine Kosten seien mittlerweile so hoch, dass er bei einfachen Stadtfahrten keinen Gewinn mehr erwirtschafte. Die Kassen zahlen ihm eine Pauschale von 56,50 Euro für den Transport eines Menschen in einem Tragestuhl.
Branche der Krankentaxen hat Zukunftssorgen
Bildquelle: WDR / MeisLokalzeit Münsterland. 08.07.2025. 2 Min. 34 Sek.. Verfügbar bis 08.07.2027. WDR. Von Max Meis.
Als wir ihn und seinen Mitarbeiter auf einer Fahrt begleiten, wird deutlich, wie aufwendig ein solcher Einsatz ist. Die beiden Männer fahren eine Adresse in Ahlen an und tragen einen 81-Jährigen aus seiner Wohnung im 3. Stock nach unten. Im Spezialfahrzeug geht es zum Arzt, dort warten die Fahrer mit dem Patienten, bis der Termin vorbei ist. Nach 30 Minuten geht es zurück, bis der ältere Herr wieder auf seinem Sofa sitzt.
Die Rechnung geht für Krankentaxis nicht mehr auf
Ein Patient wird aus dem dritten Stock nach unten getragen
Bildquelle: WDR / MeisAnderthalb Stunden Arbeit für zwei Mitarbeiter. Am Ende zahlt die Kasse zwei Mal 56,50 Euro, also insgesamt 113 Euro. Personal, Kraftstoff, Finanzierung der Spezialfahrzeuge, Reparaturen, Reinigungskosten, Desinfektionsmittel, Einweg-Handschuhe, all das muss damit bezahlt werden. "Am Ende bleibt nichts über", sagt Blaschke und fordert von den Krankenkassen 100 Euro für eine Stadtfahrt, also 200 für Hin- und Rückfahrt.
Eine ganze Branche betroffen
Weil es der ganzen Branche in NRW so geht, hat sich der "Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste in NRW" (VdKBf) gegründet. 90 Firmen sind darin organisiert, zusammen leisten sie rund 75.000 Fahrten im Monat. Am 9. Juli werden sie vor dem Landtag NRW protestieren und hoffen, dass Politik und Kassen reagieren.
Was sagen die Krankenkassen?
Adrian Blaschke aus Ahlen
Bildquelle: WDR / MeisAuf unsere Anfrage erteilt der "Verband der Ersatzkassen (vdek)" den Forderungen der Fahrdienste eine klare Absage: "Eine Verdopplung der Vergütung läge weit entfernt von einer wirtschaftlichen Leistungserbringung und jenseits der Entwicklung der Grundlohnsumme, um eine Beitragsstabilität zu gewährleisten." Streikaktionen kritisiert der "vdek" als unverantwortlich den Patientinnen und Patienten gegenüber.
Adrian Blaschke hat bereits angekündigt, die Krankenhäuser im Kreis Warendorf nicht mehr anzufahren, sollte er bis Donnerstag (10.7.) keine Gesprächsangebote der Krankenkassen bekommen.
Unsere Quellen:
- Adrian Blaschke
- Reporter vor Ort
- Kreis Warendorf
- VdKBf e.V. - Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste in NRW
- vdek - Verband der Ersatzkassen e.V.