Der Super-Blutspender aus Bad Oeynhausen
Bildquelle: WDR/Luca Peters4 Min. 2 Sek.. Verfügbar bis 22.09.2028.
Durch die Türschleuse, rechts abbiegen, immer weiter den Gang entlang bis zu einer freien Liege. Andreas Blase, 58, kennt die Wege im Bad Oeynhausener Blutspendedienst wie sonst nur die Menschen, die hier arbeiten. Jeden Freitag, immer um 12 Uhr. Seit einem Novembertag im Jahr 1996 geht das so. Unglaubliche 727 Mal.
Ein Arm für andere
Routiniert nippt Blase an einer Cola, während sein Blut aus seinem Arm durch lange Schläuche in eine Maschine und zurückgepumpt wird. Nur selten spendet er Vollblut, meistens Blutplasma oder sogenannte Thrombozyten, Blutplättchen, die vor allem für Krebspatienten und Schwerverletzte gebraucht werden.
Spenden kann Blase nur noch mit dem rechten Arm. Den linken hat er seiner Blutspende-Leidenschaft geopfert.
Bildquelle: WDR/Luca PetersAll das geht nur noch mit dem rechten Arm. Den anderen, den linken, hat Blase gewissermaßen für seine Blutspende-Leidenschaft geopfert. "Die Hauptvene ist vernarbt. Das ist nur noch ganz wenig Platz frei, wo man überhaupt reinstechen kann".
Vom Kaufmann zum Dauer-Blutspender
Früher einmal arbeitete Blase als Industriekaufmann. Später plagten ihn Depressionen, jahrzehntelang war er arbeitslos, Beziehungen gingen in die Brüche. Vor drei Jahren wurde Blase schließlich frühverrentet.
In 30 Jahren kam einiges an Terminen zusammen - 727 Blutspenden machte Andreas Blase bereits.
Bildquelle: WDR/Luca Peters"Beim Blutspenden bekomme ich die Wertschätzung, die mir oft gefehlt hat. Hier freut man sich über das, was ich tue", erzählt er. Sein ganzes Leben hat Blase um den freitäglichen Spendetermin herumstrukturiert. Manchmal macht er Urlaub, aber nie länger als sechs Tage am Stück. Am Freitag ist ja schließlich Blutspende.
Blutspender sind knapp
Im Bad Oeynhausener Blutspendezentrum ist man stolz auf den Super-Spender im eigenen Haus. Blase kennt jeden, jeder kennt Blase. Sie können ihn hier gut gebrauchen, denn in Deutschland fehle es an Blutspendern, betont Dr. Attila Mandl, Facharzt für Transfusionsmedizin. In den sechs Einrichtungen des Uni-Blutspendedienstes OWL, der auch den Standort in Bad Oeynhausen betreibt, sei die Anzahl der Blutspenden im letzten Jahr um drei Prozent zurückgegangen.
Besonders jetzt, im Spätsommer, wenn Reserven aufgebraucht und viele Menschen noch im Urlaub weilten, sei das Blut oft knapp: "Wir brauchen jede Spende und freuen uns über Menschen wie Herrn Blase. Blut lässt sich eben nicht einfach günstig herstellen", sagt Mandl.
Dr. Attila Mandl (links) vom Bad Oeynhausener Blutspendedienst, beglückwunscht Andreas Blase zur 727. Spende.
Bildquelle: WDR/Luca PetersBlut gegen Geld
50 Euro erhält Andreas Blase für seine 90-minütige Blutplättchen-Spende. Wer Plasma spendet, bekommt knapp die Hälfte. Eigentlich zu wenig, findet Blase, der mit dem Geld auch seine knappe Rente aufbessert. Die Aufwandsentschädigung sei seit den 90ern nicht mehr angepasst worden.
Aber sei es drum, wichtiger ist Blase die Genugtuung, der Gesellschaft doch noch etwas zurückgezahlt zu haben. Mehr als 1.000 Menschen, so seine Rechnung, habe er in seiner Spenderkarriere schon das Leben gerettet. Und das, findet Blase, sei einfach ein "tolles Gefühl".
Unsere Quellen:
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit Dr. Attila Mandl, Chefarzt für Transfusionsmedizin am HDZ Bad Oeynhausen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 22.09.2026, 19:30 Uhr