Trockenes Laub im Sommer
Bildquelle: WDR/ Melvin PetraschDie Blätter der kleinen Buche zerbröseln zwischen den Fingern. Um sie herum stehen ihre Geschwister, alle kaum hüfthoch. Die meisten sind vertrocknet. Wo eigentlich der Wald von morgen wachsen soll, geht heute alles ein. Man merkt Rico Hollenberg die Enttäuschung an.
Hollenberg ist Förster in Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke. Der 26-Jährige zeigt bei einer Tour durch den Wald, was die Trockenheit der letzten Monate angerichtet hat. Dass hier etwas nicht stimmt, erkennt man sofort: Unter den Schuhen raschelt trockenes Laub. In den Kronen sieht man Gelb und Braun, wo eigentlich Grün sein müsste. Es sieht nach Herbst aus. Dabei ist eigentlich Sommer.
"Normalerweise ist beim Buchenlaub [...] dieser goldene Oktober das Bild, das wir kennen und da sind wir jetzt eigentlich zwei Monate zu früh." Rico Hollenberg, Förster
Tote Blätter als Schutzmechanismus
Die Bäume werfen ihre Blätter früher ab, um zu überleben. Sie würden sonst zu viel Wasser verdunsten. Ohne Laub besteht zumindest die Chance, im nächsten Frühjahr wieder auszutreiben. Erst dann zeigt sich das ganze Ausmaß der Schäden.
Die Buchen leiden besonders unter der Trockenheit.
Bildquelle: WDR/ Melvin PetraschFür viele Bäume ist es wohl schon zu spät. Hollenberg bleibt vor einer großen Buche stehen. Geschätztes Alter: 120 Jahre. 2026 könnte ihr letztes sein. Schwarzer Schleim quillt aus der Rinde, ausgelöst vielleicht durch einen Pilz oder Insekten. Klar ist, dass dem Baum die Kraft fehlt, um sich dagegen zu wehren.
Der Wald verdurstet. Der Regen der letzten Tage sei ein guter Anfang, sagt Hollenberg. "Aber wir brauchen noch viel, viel Niederschlag, um dieses Defizit des Sommers auszugleichen."
Auch Tiere leiden unter der Dürre
Nicht nur die Bäume kämpfen mit der Trockenheit. Empfindliche Tierarten wie der Feuersalamander bräuchten feuchte Böden und stabile Gewässer um zu überleben, heißt es von der Biologischen Station Ravensberg.
Vom Wiehenturm aus erkennt man die Schäden in den Baumkronen.
Bildquelle: WDR/ Melvin PetraschFür Rehe und Wildschweine sei die Situation entspannter, weil sie im Herbst und im Winter trotz der sommerlichen Dürre noch genug Futter finden, sagt Hollenberg. Gut gemeint, aber nicht wirklich hilfreich: Vor kurzem hat er Schalen mit Wasser und Katzenfutter im Wald gefunden.
"Die Wildtiere kommen schon allein klar, wenn Wasserquellen und Bäche noch da sind." Rico Hollenberg, Förster
Das Klima verändert sich zu schnell
Aber was hilft? Hollenberg ist in Preußisch Oldendorf aufgewachsen, er kennt den Wald von Kindesbeinen an. Seit 2018 arbeitet er hier im Revier. Erst im Studium, seit drei Jahren als Förster.
Borkenkäfer, Fichtensterben und immer häufigere Dürren hat er in dieser Zeit miterlebt. Die Geschwindigkeit, in der sich das Klima verändert, macht ihm große Sorgen. Niemand könne mehr sagen, wie die Natur in 100 Jahren aussehen wird.
"Wir sind in einer ungewissen Situation, da muss man ehrlich mit umgehen und sagen: Wir müssen einfach das Risiko streuen." Rico Hollenberg, Förster
Kastanien gegen den Klimawandel
Das Risiko streuen heißt auch: Arten pflanzen, die hoffentlich besser mit der Trockenheit klarkommen. Zum Beispiel die Esskastanie. Im Rheinland gibt es sie schon lange, die Römer haben sie aus Südeuropa mitgebracht. Die Dürre macht ihr weniger zu schaffen als den heimischen Baumarten. Auch im Wald bei Preußisch Oldendorf wächst die Esskastanie seit ein paar Jahren. Ihre Blätter leuchten noch grün. Die Farbe der Hoffnung.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
- Gespräch mit Rico Hollenberg
- Biologische Station Ravensberg
Sendung: WDR.de, Warum die Bäume jetzt schon ihre Blätter abwerfen, 23.08.2026, 17 Uhr