In einem Waffenladen wird eine Schreckschusswaffe in der Hand gehalten.

Täuschend echt So gefährlich sind Schreckschuss- und Softairpistolen

Stand:

Regelmäßig muss die Polizei in NRW ausrücken, weil Menschen eine Waffe bei sich tragen - manchmal handelt es sich dabei jedoch um keine echte Schusswaffe. Welche imitierten Waffen es gibt und welche Gesetze gelten.

Immer wieder muss die Polizei in NRW ausrücken, weil sie eine Meldung von einer bewaffneten Person bekommt. So wie beispielsweise Anfang September in Ennigerloh, als das SEK eine Flüchtlingsunterkunft stürmte. Die Waffe, die gemeldet wurde, entpuppte sich dann jedoch als harmlose Spielzeugpistole. Auch in Münster und Aachen kam es in diesem Jahr bereits zu Polizeieinsätzen wegen einer Spielzeugpistole.

Und auch Schreckschusspistolen führten in den vergangenen Jahren immer wieder zu Polizeieinsätzen, wie beispielsweise in Mettmann und Essen im Juli dieses Jahres oder im August in Dortmund.

Mit dem Lauf einer Schreckschusspistole wird in Richtung Kamera gezielt.

Viele imitierte Waffen sehen täuschend echt aus.

Bildquelle: WDR / dpa

Nicht alle imitierten Waffen sind gefährlich, doch sind sie häufig nicht so einfach von echten Schusswaffen zu unterscheiden - vor allem nicht für das ungeübte Auge. Zudem gibt es, je nach Art der Pistole, gesetzliche Vorgaben, wer und wo die Waffe in der Öffentlichkeit geführt werden darf.

Welche imitierten Pistolen gibt es?

Wie unterscheiden sich Softair-, Spielzeug- und Dekopistolen?

Welche Waffen darf man in der Öffentlichkeit führen?

Was sind Schreckschusspistolen?

Warum sind Schreckschusspistolen gefährlich?

Gibt es offizielle Zahlen zu Polizeieinsätzen wegen Fake-Pistolen?

Welche imitierten Pistolen gibt es?  

Pistolen, die tatsächliche Schusswaffen imitieren, nennt man in Deutschland im Fachjargon "Anscheinswaffen": Sie geben äußerlich den Anschein vor, echte Pistolen zu sein, sind aber nicht "scharf". Dazu zählen Softairpistolen, Dekorations- und auch Spielzeugpistolen - unter gewissen Umständen.

Wie unterscheiden sich Softair-, Spielzeug- und Dekopistolen?  

Softair-Waffen sind Imitationen realer Schusswaffen, mit denen Plastikkugeln mittels Federkraft oder Luft- oder Gasdruck verschossen werden können. Sie werden häufig im Sport- oder Freizeitkontext verwendet und sind in der Regel nicht gefährlich.

Eine Hand in einem schwarzen Handschuh hält eine schwarze Softairwaffe,

Softair-Waffen können schnell mit einer echten Schusswaffe verwechselt werden.

Bildquelle: dpa/David Young

Liegt die Energieleistung der Geschosse unter 0,5 Joule, werden sie sogar als Spielzeug eingestuft. Dann sind sie vom Waffengesetz ausgenommen. Liegt die Energie über 0,5 Joule, gelten sie aber als Anscheinswaffen und sind gesetzlich reglementiert.

Waffenimitate gelten nach dem Waffengesetz dann als Spielzeug, wenn sie "erkennbar nach ihrem Gesamterscheinungsbild zum Spiel oder für Brauchtumsveranstaltungen" bestimmt sind. Dies ist der Fall, wenn die Größe der Pistole "die einer entsprechenden Feuerwaffe um 50 Prozent über- oder unterschreitet".

Verschiedene Wasserpistolen in rot, grün und gelb lieben aufeinander in einem roten Metallkasten

Spielzeugpistolen erkennt man häufig an ihren Neonfarben, aber nicht immer.

Bildquelle: WDR / IMAGO

Eine Spielzeugpistole ist nach dem Gesetz als solche definiert, wenn sie aus "neonfarbenen Materialien" besteht oder wenn "keine Kennzeichnungen von Feuerwaffen" auf das Spielzeugmodell gedruckt wurden. Außerdem muss die Geschossenergie einer Spielzeugwaffe unter 0,5 Joule liegen.  

Dekorationswaffen sind echte Schusswaffen, zum Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg, die unbrauchbar gemacht wurden, oder Repliken solcher Waffen. Sie werden zum Beispiel im Film oder Theater verwendet oder auch von Menschen gesammelt.   

Während es für Spielzeugwaffen keine Altersbeschränkung gibt, verkaufen viele Händler Softair- und Dekopistolen häufig erst ab 14 Jahren. Es gibt jedoch keine gesetzliche Altersbeschränkung. Wenn die Geschossenergie zwischen 0,5 und 7,5 Joule liegt, muss der Käufer 18 Jahre alt sein. Bei über 7,5 Joule braucht der Käufer einen Waffenschein.

Welche Waffen darf man in der Öffentlichkeit führen?  

Spielzeugwaffen, die deutlich als Spielzeug erkennbar sind, dürfen in der Öffentlichkeit geführt werden. Ansonsten ist es verboten, Anscheinswaffen offen und zugriffsbereit zu tragen. Sie dürfen lediglich in einem verschlossenen Behälter transportiert und auf einem sicher geschützten, privaten Gelände genutzt werden.

Wer die Waffe trotzdem offen trägt, begeht man eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro geahndet werden kann.

 

Das gilt übrigens auch für Karneval, Volksfeste oder Tanzveranstaltungen, wo eine Waffe möglicherweise zu einem Cowboy- oder Polizisten-Kostüm gehören könnte. "Grundsätzlich gilt: Je unrealistischer eine Nachbildung wirkt, desto unbedenklicher ist ihr Mitführen", schreibt dazu beispielsweise die Polizei Duisburg in einer Pressemitteilung. Ausnahmen seien nur in eng begrenzten Fällen möglich und bedürften einer ausdrücklichen Genehmigung.  

Was sind Schreckschusspistolen?  

Anders als Anscheinswaffen gelten Schreckschusspistolen, die auch Gas- oder Signalpistolen genannt werden, als gefährlich. Sie werden mit Knallkartuschen, sogenannten Platzpatronen, oder mit Reizstoffkartuschen (Gaspatronen) oder pyrotechnischer Munition (Leuchtraketen) befüllt.

Eine männliche Hand umgreift eine schwarze Schreckschusswaffe, ein Finger ist neben dem Abzug, die andere Hand schiebt ein Magazin in die Waffe

Die Gefahr von Schreckschusspistolen wird laut Polizei häufig unterschätzt.

Bildquelle: WDR / dpa / Oliver Killig

Wer eine Schreckschusspistole besitzen möchte, braucht einen kleinen Waffenschein und muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Schreckschusspistolen nehmen seit Jahren an Beliebtheit zu: Laut dem Bundesverwaltungsamt verzeichnete das Nationale Waffenregister im Dezember 2025 mehr als 900.000 solcher Waffenscheine in Deutschland. Das ist ein Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zu 2021.

Warum sind Schreckschusspistolen gefährlich?

Laut der Polizei NRW werde die Gefahr von Schreckschusspistolen häufig unterschätzt. "Die genannten Waffen sehen zumeist wie scharfe Waffen aus. Häufig sind sie nicht von solchen zu unterscheiden, wodurch es unter Umständen zu einem unkontrollierten Handeln bei Außenstehenden kommen kann", schreibt sie in einer Pressemitteilung.

So könne es gerade in Stresssituationen rasch dazu führen, dass Unbeteiligte oder der Waffenträger selbst verletzt würden, bisweilen sogar lebensgefährlich.

"Vor allem, wenn der Schuss mit angesetzter Mündung oder aus wenigen Zentimetern Entfernung abgegeben wird, kann es zu schwersten und unter Umständen sogar tödlichen Verletzungen kommen"   Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Das Bundesinnenministerium erteilte 2022 die Weisung, dass die Polizei Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen, welche bei einer Inaugenscheinnahme durch Polizei- oder Waffenbehörden nicht als solche erkennbar seien, als scharfe Schusswaffen behandeln sollen.

Tatwaffe auf Polizeitisch

Viele Softairpistolen sind von echten Waffen auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden.

Bildquelle: Bundespolizei Dortmund

Bedeutet: Zieht eine Person eine Schreckschusspistole, kann die Polizei auch scharf schießen. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) weist darauf hin, dass Schreckschusswaffen in kritischen Situationen zu Verwirrung und Fehlinterpretation führen könnten. Selbst für geschulte Polizisten seien diese Waffen teilweise nicht von echten Schusswaffen zu unterscheiden.

Gibt es offizielle Zahlen zu Polizeieinsätzen, die von Fake-Pistolen ausgelöst wurden?

Nein. Eine Auswertung der polizeilichen System nach Einsätzen, in denen "Fake-Pistolen" eine Rolle spielten, sei nicht möglich, hieß es von der NRW-Polizei auf WDR-Nachfrage.

Unsere Quellen:

  • br.de
  • Polizeigewerkschaft GdP
  • Polizei NRW
  • Polizei Duisburg
  • bussgeldkatalog.net
  • unterschiedliche Medienberichte zu Polizeieinsätzen bei Waffensichtungen
  • Deutsches Waffengesetz
  • zoll.de

So gefährlich sind Schreckschuss- und Softairpistolen wirklich

WDR 04.09.2026 1 Min. 3 Sek. Verfügbar bis 03.09.2028 WDR Online

Sendung: WDR.de, So gefährlich sind Schreckschuss- oder Softair-Pistolen wirklich, 04.09.2026, 5:03 Uhr

Weitere Beiträge aus NRW

1 / 2