Extremes Niedrigwasser in NRW | Aktuelle Stunde

WDR 03:00 Min. Verfügbar bis 24.07.2028

Trockenheit in NRW Wann fällt endlich wieder ausreichend Regen?

Stand:

Es ist trocken in NRW - zu trocken für einen Juli. Welche Regionen sind besonders stark betroffen? Wie viel Regen braucht es, damit Pflanzen, Seen und Flüsse wieder ins Gleichgewicht kommen? Und was bringt das Wetter in den nächsten Tagen? Die Lage im Überblick.

Vertrocknetes Gras in Parks und Gärten, braune Blätter, staubige Äcker und Wege, kaum Wasser in Flüssen und mancherorts sogar Trinkwasserknappheit: Nordrhein-Westfalen ächzt unter der Trockenheit. 

Schon seit sechs Wochen sei es in NRW viel zu trocken, sagt WDR-Meteorologe Jürgen Vogt. "Der Juli ist bisher an vielen Orten der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnung." Schlimmer sei es in den meisten Orten nur 2018 gewesen. "Ob dieser Rekord eingestellt wird, hängt vor allem von den Regenmengen bei den durchziehenden Schauern oder Gewittern am Sonntag ab", sagt Vogt.

Meteorologe Vogt: Nötig ist ein "regelmäßiger Landregen"

Fotografie von Jürgen Vogt

Jürgen Vogt, WDR-Meteorologe

Aber kommt damit auch die Erlösung von der Trockenheit? Danach sieht es nicht aus. Einzelne Schauer oder kurze, kräftige Regenfälle böten keine Erholung für die Böden, sagt Vogt. Was es brauche, sei ein "regelmäßiger Landregen" - moderate Mengen über mehrere Tage.

Was viele nicht wissen: "Der Juli ist eigentlich mit der regenreichste Monat im Jahr", sagt der Meteorologe mit Blick auf die Statistik. "Für die Vegetation, die im Sommer den höchsten Wasserbedarf hat, ist das in normalen Jahren eine glückliche Fügung. Fällt genau in dieser Zeit der Regen aus, dann trifft das die Natur besonders hart."

Schlechte Ernte zum Beispiel im Münsterland

Landwirtin Bettina Hueske in Südlohn mit ihrer Praktikantin im Maisfeld

Landwirtin Bettina Hueske (links) mit ihrer Praktikantin im Maisfeld

Das bekommt zum Beispiel Landwirtin Bettina Hueske in Südlohn im Münsterland zu spüren: Auch bei ihr hat es seit Wochen nicht ausreichend geregnet. Zahlreiche ihrer Maispflanzen auf dem Feld sind fast ausgetrocknet.

Der Boden ihres Maisfelds sei "staubtrocken", sagt sie dem WDR. Und das hat Auswirkungen auf den Ertrag: "Dann sprechen wir auch davon, dass wir deutlich geringere Erntemenge an sich haben, aber vor allem auch die Qualität deutlich geringer ist."

Viel zu wenig Bodenfeuchte in NRW

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gibt mit seinem Dürremonitor aktuelle Karten zur Bodenfeuchte heraus. Eine davon zeigt das tagesaktuelle pflanzenverfügbare Wasser bis 25 Zentimeter Bodentiefe. Für weite Teile von NRW ist derzeit viel zu wenig da, so die Karte des UFZ mit Daten von Mittwoch:

Eine Grafik zeigt das pflanzenverfügbare Wasser in NRW

Das Problem ist eben nicht nur, dass es zu selten regnet. Wenn es denn mal regnet, zum Beispiel bei einem Gewitter, dann bleibt oft viel zu wenig in den Böden hängen. Beispiel Willebadessen im Kreis Höxter. Dort fiel im bisherigen Juli - Stand Freitag - der meiste Regen.

Teils große Regenmengen, die aber nicht einsickern

Von den insgesamt 69 Litern Regen pro Quadratmeter gab es aber allein 50 Liter an nur einem Tag - und zwar in den Gewittern und Wolkenbrüchen am 14. Juli. "Der große Rest des Monats fiel auch hier bisher zu trocken aus", sagt Meteorologe Vogt. "Und große Regenmengen, die in kurzer Zeit fallen, versickern nicht im Boden, sondern fließen ab - und nützen den Pflanzen herzlich wenig."

In vielen anderen Messstationen in NRW hingegen kam im Juli so gut wie gar nichts runter: Mal waren es vier Liter Regen pro Quadratmeter wie in Bochum, mal zwei wie in Attendorn mal weniger als ein Liter wie in Düsseldorf. Eine kleine Auswahl:

Trockenheit auch in den Wäldern sichtbar

Dort, wo man in den Wäldern in NRW jetzt größere Schäden sieht, lägen die Ursachen noch viel weiter zurück als in der aktuellen Trockenheit, sagt Nicole Fiegler, Pressesprecherin beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW, dem WDR. Trotzdem habe der ausbleibende Regen auch sichtbare Auswirkungen auf die Bäume: 

"Zu sehen sind viele braune, abgestorbene Blätter und Nadeln, auch auf dem Boden - und das ist nicht das Laub der vergangenen Jahre", sagt Fiegler. Auch viele "krautige Pflanzen" seien jetzt schon abgestorben. Eine Folge: die Waldbrandgefahr steigt.

Aber nicht nur das. Zwar bestehe in Wäldern grundsätzlich immer die Gefahr von herabstürzenden Ästen und Zweigen. Durch die aktuelle Trockenheit und das vermehrte Totholz sei sie aber noch größer, sagt Fiegler. Es sei daher ratsam, die Wetterlage im Blick zu behalten.

Trockenheit sorgt für niedrige Pegelstände der Flüsse

Besonders sichtbar ist der fehlende Regen auch an Bächen und kleineren Flüssen. Von den 201 Pegelmessstellen meldeten am Freitagmorgen mehr als drei Viertel einen niedrigen oder sehr niedrigen Wasserstand.

Rhein hat Niedrigwasser, große Flächen des Flusses liegen trocken, Blick auf die Rheinkniebrücke und den Rheinturm

Auch der Rhein dürfte in den nächsten Tagen an manchen Stellen noch schmaler werden als bisher. In Köln zum Beispiel wird ein Pegelstand von unter 60 Zentimetern erwartet - niedriger als der bisherige Rekord-Tiefststand von Ende Oktober 2018. Auch in Düsseldorf könnte der Rekord von damals gebrochen werden.

Bemerkenswert dabei: Damals war es das Ende eines trockenen Rekordsommers. Der jetzige Sommer ist noch lange nicht vorbei.

Trinkwasser nur in einzelnen Gemeinden knapp

In vielen Kreisen in NRW besteht wegen der Trockenheit bereits ein Verbot, Wasser für private Zwecke aus Bächen, Flüssen und Seen zu entnehmen. Trotz der Trockenheit ist das Trinkwasser aber bislang nur in einzelnen Gemeinden knapp, zum Beispiel in Bad Oeynhausen.

Wann also kommt nun der Landregen über mehrere Tage, der ausreichend Wasser für Böden und Gewässer bringt? Noch ist er nicht absehbar. Die nächsten Regenfälle sind zwar nicht nur für Sonntag zu erwarten. Und auch am Montag kann es lokale Schauer geben.

Danach aber ist Regen erst mal wieder eine Seltenheit. Zunächst setzt sich die Sonne durch. Ab Dienstag klettern die Temperaturen in NRW erneut auf 30 Grad und mehr. Die nächste Hitzewelle steht wohl bevor.

Unsere Quellen:

  • WDR-Meteorologe Jürgen Vogt
  • Deutscher Wetterdienst
  • Dürremonitor des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
  • WDR-Gespräch mit Nicole Fiegler, Pressesprecherin des Landesbetriebs Wald und Holz
  • WDR-Interview mit Landwirtin Bettina Hueske in Südlohn für die Tagesschau

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 23.07.2026, 18.45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 24.07.2026, 18.45 Uhr

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