Hitze-Folge: Krankenhäuser am Limit
Aktuelle Stunde . 28.06.2026. 41:45 Min.. UT. Verfügbar bis 28.06.2028. WDR.
Hitze in NRW : Rettungsdienste am Limit
Stand:
An den Hitzetagen mussten Rettungsdienste und Feuerwehren in NRW deutlich häufiger ausrücken als sonst. Vor allem in den Großstädten wie Köln, Essen und Dortmund gerieten viele Menschen mit Vorerkrankungen an ihre Belastungsgrenze. Notaufnahmen und Einsatzkräfte arbeiten am Limit.
In vielen Fällen seien alte Menschen betroffen gewesen, häufig mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen, berichtet Dr. Kathrin Schaller vom Feuerwehrverband: "Ich denke, viele Leute waren bei den wärmeren Temperaturen der Tage vorher schon an ihren persönlichen Grenzen angekommen." Als es dann zum Wochenende hin noch heißer wurde, sei es den Betroffenen nochmal deutlich schlechter gegangen.
Dr. Katrin Schaller vom Verband der Feuerwehren in NRW im WDR-Gespräch (Archiv)
Der Verband der Feuerwehren in NRW berichtet, dass die Belastung regional sehr unterschiedlich gewesen sei. Auf dem Land gab es für die Rettungsdienste viel zu tun - heftiger noch war es aber in den Städten: "Die Rhein-Ruhr-Schiene mit der dichten Bebauung, den Großstädten und den vielen Menschen war deutlich stärker beansprucht als die eher ländlichen Gebiete in NRW", sagt Schaller. Es spiele wahrscheinlich eine Rolle, dass in den Großstädten mehr Menschen alleine leben und weniger soziale Kontakte haben. Auf sich alleine gestellt, komme es dann bei vielen zu medizinischen Notfällen.
Hitze-Einsätze als Belastung für Einsatzkräfte in NRW
Durch die vielen Einsätze und die Sicherheitskleidung seien die Einsatzkräfte bei der Hitze körperlich an ihre Grenzen gekommen, hieß es von der Feuerwehr Dortmund. Kathrin Schaller vom Verband der Feuerwehren in NRW ist ärztliche Leiterin beim Dortmunder Rettungsdienst. Sie berichtet von den besonderen Herausforderungen:
"Wir sind in einer Blechbüchse unterwegs. Natürlich gibt es auch in Rettungswagen mittlerweile Klimaanlagen, aber wir sind ja nicht in einem umbauten Raum, in dem die Temperaturen deutlich kühler sind." Kathrin Schaller, Ärztliche Leiterin Rettungsdienst Dortmund
Zudem fänden viele Einsätze in der Sonne statt - da, wo die Patienten in eine Notsituation geraten.
Ehrenamtliche unterstützen Rettungsdienste in vielen Städten
In Essen hatte die Feuerwehr deutlich mehr Einsätze als an gewöhnlichen Tagen: Am Donnerstag waren es rund 300, am Freitag 350 und am Samstag 440 Einsätze. An durchschnittlichen Tagen sind es rund 240 Einsätze, hieß es. Wie in vielen Städten haben Ehrenamtliche der Hilfsorganisationen die Feuerwehr bei den Rettungseinsätzen unterstützt. Das sind in NRW etwa das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter.
Nach der Schicht: Schnell raus aus der warmen Einsatzkleidung
In Köln teilte die Feuerwehr am Samstag (27.06.26) mit, dass sie an der Kapazitätsgrenze angekommen sei: "Nach zehn aufeinanderfolgenden Tagen mit extremer Hitze und ohne nennenswerte Abkühlung ist die Lage ernst." In 24 Stunden seien sieben Menschen bewusstlos in ihren Wohnungen - überwiegend im Dachgeschoss - gefunden worden. Ihre Körper waren lebensbedrohlich überhitzt. Betroffen waren nicht nur Menschen mit Vorerkrankungen. Auch körperlich fitte Menschen hatten teils Körpertemperaturen von 42 Grad, hieß es.
Auch der Rettungsdienst in Wuppertal und Mülheim an der Ruhr hatte ungewöhnlich viele Einsätze. Auch in Dortmund gab es zahlreiche Anrufe beim Rettungsdienst wegen Kreislaufbeschwerden, neurologischen Erkrankungen und allgemeinem Unwohlsein. Insgesamt gab es am Samstag 700 Einsätze, an üblichen Tagen sind es rund 450. Deshalb wurden am Samstag insgesamt zwölf zusätzliche Kranken- und Rettungswagen eingesetzt.
Lange Wartezeiten in den Notaufnahmen in NRW
Nicht nur die Rettungsdienste, auch die Notaufnahmen sind vielerorts am Limit. In Essen kann es laut Feuerwehr zu längeren Wartezeiten in den Kliniken kommen. Die medizinische Versorgung sei aber gesichert. Im Rhein-Sieg-Kreis bekommen jetzt mehrere Krankenhäuser Unterstützung durch den Katastrophenschutz.
Kathrin Schaller vom Verband der Feuerwehren in NRW verweist darauf, dass die Notaufnahmen oftmals ein Nadelöhr seien. Dort kämen zusätzlich zu den Rettungseinsätzen auch viele Menschen fußläufig an: "Wenn da die Kapazitätsgrenzen erreicht sind, warten wir als Rettungsdienst auch länger in der Notaufnahme."
Ärztin: Hitze-Einsätze im Rettungsdienst sind nötig
Schaller sieht in der Hitzelage keine unnötigen Einsätze. Die Patienten würden den Rettungsdienst rufen, wenn sie sich "persönlich in einer Lage befinden, mit der man nicht mehr klarkommt". Wenn man wegen der Hitze Kreislaufbeschwerden habe, gehe es einem wirklich schlecht: "Und ein Hitzschlag mit starken Kopfschmerzen ist etwas, was einem viel Sorgen macht und was man nicht kennt." Die Hitze könne wirklich bedrohlich werden. Schaller nennt dazu eine Zahl aus Dortmund: Dort hätten am Samstag um die zehn Menschen reanimiert werden müssen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Kathrin Schaller, ärztliche Leiterin Rettungdienst Dortmund, Verband der Feuerwehren in NRW
- Gespräch mit Stefan Gandelau, Kreisbrandmeister Rhein-Sieg-Kreis
- Meldungen der Feuerwehren in NRW
Sendung: WDR 2 Nachrichten, Rettungsdienste im Dauereinsatz, 28.06.2026, 14:00 Uhr
Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 28.06.2026, 18:45 Uhr