Körperliche Gewalt - teilweise auch mit Waffen - ist unter Jugendlichen keine Seltenheit mehr.
Bildquelle: laif / Hary MuellerDemnach ist die Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Während es 2025 rund 6 Prozent weniger Tatverdächtige unter 21 Jahren gab, bleibt die Zahl der unter 14-Jährigen aber nahezu unverändert. Aus der Untersuchung des Landeskriminalamtes geht außerdem hervor: Vor allem die Zahl besonders junger Täter hat zugenommen.
NRW-Innenminister Herbert Reul bei der Vorstellung der Zahlen des Landeskriminalamtes.
Bildquelle: WDR / Dominik HamersVerbesserung, aber Internet und Social Media spielen größere Rolle
Bei der öffentlichen Vorstellung des Ergebnisses in Steinfurt betonte Innenminister Herbert Reul (CDU): "Die Richtung stimmt. Aber deshalb legen wir jetzt nicht die Hände in den Schoß." Trotz des Rückgangs geben die Ergebnisse des Lageberichts auch Anlass zur Sorge.
Die Straftaten, die besonders ins Gewicht fallen, sind - wie im Jahr 2024 - vor allem Delikte wie Raub, Diebstahl und Körperverletzung, auch wenn die Zahlen in allen Bereichen zurückgehen. Einen Anstieg gibt es dagegen bei Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie bei Straftaten im Internet.
Alarmierend ist hier vor allem die Verbreitung jugendpornographischer Inhalte. Die Delikte in diesem Bereich stiegen um fast 30 Prozent, insgesamt verzeichnete die Polizei fast 1.300 Straftaten in der Altersspanne von 14 bis 18 Jahren.
Im WDR-Gespräch zog Reul ein gemischtes Fazit. Der erneute Rückgang – bereits 2024 war die Zahl der Straftaten Jugendlicher gesunken - sei einerseits erfreulich. Der Anstieg der Internetkriminalität bereite ihm jedoch Sorgen. Ebenso wie die stagnierende Zahl bei Tatverdächtigen unter 14 Jahren, die bekanntlich nicht strafmündig sind, also keine Konsequenzen erfahren.
Eine Lösung für dieses Problem habe er nicht. Pädagogische Mittel wären ein Hebel, sagte Reul, ohne konkrete Maßnahmen vorzuschlagen. Einmal mehr plädierte der Minister für ein Herabsetzen der Strafmündigkeit, nannte dabei aber keine Altersgrenze.
Jugendbande in Steinfurt beschäftigte die Polizei über Monate
Steinfurt als Ort der Präsentation habe der NRW-Innenminister bewusst gewählt. Dort macht die Polizei eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen für zahlreiche Straftaten verantwortlich: Beleidigung, Sachbeschädigung, Diebstahl, Bedrohung und Gewaltdelikte. Inzwischen sind laut Polizei dort erste Erfolge zu vermelden.
"So etwas verändert das Gefühl in einer Stadt. Plötzlich fragen sich Menschen: Wer hat hier eigentlich das Sagen?" Herbert Reul, NRW-Innenminister
Gewaltfreie Schule sollen Baustein zur Verbesserung in Steinfurt sein
Aber auch Gewaltprävention ist Thema in Steinfurt. Die Stadt ist nämlich auch Teil des Projektes "miteinander.stark.sicher", einer Initiative zur Prävention von Jugendkriminalität. Dazu gehört die Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrern bei Deeskalationstrainings, in Klassenräumen wird gewaltfreie Konfliktlösung trainiert.
"Wer ein Mal auf die schiefe Bahn geraten ist, den soll man nicht weiterfahren lassen." Herbert Reul, NRW-Innenminister
Die Erfahrungen in den 20 am Pilotprojekt beteiligten Schulen in NRW seien positiv, sagte Reul in Steinfurt. Es sei denkbar, die Maßnahmen auch landesweit anzuwenden.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz des NRW-Innenministers Herbert Reul
- Lagebild der Jugendkriminalität in NRW 2025
Sendung: WDR.de, Jugendkriminalität in NRW - "Wer hat hier eigentlich das Sagen?", 09.09.2026, 16:01 Uhr
