Anwohner klagen gegen die Stadt Bonn
Bildquelle: Jörg StolpeWDR. 4 Min. 9 Sek.. Verfügbar bis 04.09.2028.
"Wir müssen jede geplante Änderung am Äußeren unserer Häuser beantragen. Und ob das dann genehmigt wird, wissen wir nicht“, sagt Alexander Zimmerhofer. Seine Nachbarin Jette Schmidt wird noch konkreter: "Wir sind gerade dabei, unser Haus energetisch zu sanieren. Jetzt ist unserer Planung ein Riegel vorgeschoben."
Hauseigentümer Alexander Zimmerhofer und Jette Schmidt klagen gegen Denkmalschutz
Bildquelle: Jörg StolpeBeide ärgern sich darüber, dass sie als Hausbesitzer nicht mehr allein über ihr Eigentum entscheiden könnte. Denn jetzt habe der Denkmalschutz das letzte Wort.
Vor wenigen Wochen hat die Stadt Bonn ihre komplette Siedlung unter Denkmalschutz gestellt. Vorausgegangen war ein Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalschutz, wonach die Siedlung Oberer Lyngsberg ein besonderes Beispiel für die Bauweise in den 70er und 80er Jahren ist. Und deshalb denkmalschutzwürdig.
Ärger über "Erlaubnispflicht"
Viele Anwohner klagen gegen diese Entscheidung. Hauptkritikpunkt ist die „Erlaubnispflicht“. Danach müssen Hauseigentümer denkmalgeschützter Gebäude erst eine Genehmigung bei der zuständigen Behörde einholen, bevor sie etwas an dem Gebäude verändern wollen.
Denkmalgeschützte Reihenhäuser
Bildquelle: Jörg StolpeDas stört auch Anwohnerin Ute Barthelmess. Und dennoch sieht sie und andere Nachbarn den Denkmalschutz insgesamt positiv.
"Hier zu wohnen, ist etwas Besonderes. Ich würde mich freuen, wenn das Gesamtkonzept der Siedlung erhalten bliebe und nicht jeder Hauseigentümer nach eigenen Vorstellungen Farbe und Form der Häuser umgestaltet." Ute Barthelmess
Aber wie funktioniert die "Erlaubnispflicht" in der Praxis? In einer Mitteilung erklärt die Stadt nur vage, dass es immer um "denkmalgerechte Lösungen" geht. Im Einzelfall würden diese Lösungen auch im Gespräch vor Ort gesucht.
Gute Erfahrungen mit Denkmalschutz
Rolf Fischer vor seinen Sonnenjalousien
Bildquelle: Jörg StolpeRolf Fischer hat mit der Denkmalbehörde bisher gute Erfahrungen gemacht. Er wohnt seit 2012 im Stadtteil Plittersdorf in einer ebenfalls denkmalgeschützten Siedlung. Als er zum Beispiel Sonnenjalousien gegen die Sommerhitze anbringen wollte, hat er einen Antrag gestellt. Die Behörde hat geprüft und genehmigt, weil die Fassade dadurch nicht stark verändert wurde.
In der Siedlung Oberer Lyngsberg ist man trotzdem skeptisch. "Wir wissen nicht, wie lange solche Genehmigungsverfahren dauern", sagt Jette Schmidt. Und außerdem könne es teurer werden, wenn man denkmalgerechte Materialien verwenden muss. Deshalb klagen Sie und Alexander Zimmerhofer gegen die Entscheidung der Stadt. Wenn sie Erfolg haben, würde der Denkmalschutz ihrer Siedlung neu bewertet.
Unsere Quellen:
- Amtsblatt der Stadt Bonn
- Schriftliche Mitteilung der Stadt Bonn
- Recherche vor Ort
- Gespräche mit Anwohnern
- Gespräch mit Bonner Stadtkonservatorin Katrin Bisping
Sendung: WDR.de, Anwohner klagen gegen die Stadt Bonn, 07.09.2026, 5:00 Uhr