"Noch vier Meter bis zum Tastobjekt"

Bildquelle: WDR / Anette Flentge

WDR 03:13 Min. Verfügbar bis 20.08.2028

Blind durchs Haus der Geschichte "Noch vier Meter bis zum Tastobjekt"

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Im Museum mit Sehbehinderung: Per App kann man sich ab jetzt durch das Haus der Geschichte in Bonn führen lassen. Die App ist in Deutschland bishere einzigartig und navigiert per Piep-Töne und Stimme, wo es lang geht, was dort ausgestellt und was man erfühlen kann.

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Anette Flentge

Hartmut Streuff ist seit seinem 14. Lebensjahr blind. Er hat sein Handy in der Hand, lässt sich von der neuen Navigations-App durch das Haus der Geschichte leiten. "Ich muss mich jetzt erstmal ein bisschen orientieren", sagt der 74-Jährige.

Die App vergleicht das, was die Kamera sieht mit der 3D-Darstellung des Hauses, gibt Piep-Töne und spricht.

"Sie sagt auch zwischendurch "noch vier Meter bis zum Tastobjekt" oder sie sagt, "das Tastobjekt befindet sich jetzt einen Meter vor dir". Und dann kann man mithilfe des Blindenstocks das Tastobjekt erfühlen und sich damit auseinandersetzen." Hartmut Streuff, Museumsbesucher

Audio-Guide beschreibt: wo ist was zu fühlen?

Ein bisschen Übung brauche es schon, um sich damit zurechtzufinden, aber das sei ja immer so mit neuen Technologien. Mit Taststock, Handy und Ehefrau Jutta ist Hartmut in der Ausstellung unterwegs.

Eine Hand, die ein Handy hält, auf dem die neue Navigations-App bedient wird.

Neue Navigations-App soll Museen auch mit Sehbehinderung erlebbarer machen

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"Du stehst vor einer Taststation", tönt es aus dem Lautsprecher seines Handys. Und dann beschreibt es, wo er was ertasten kann. Zum Beispiel die Papiertüten, die sich Demonstrierende beim Besuch des Schahs 1967 über den Kopf zogen.

Arbeitsgruppe zur Inklusion

Eine 20 Personen starke Arbeitsgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung hatte die Modelle zum Tasten in zwei Jahren erarbeitet - auch Hartmut Streuff.

Er hatte sie getestet und sich beispielsweise gewünscht, dass die Augenhöhlen tiefer und die Augenbrauen höher gestaltet sind, um sie besser erfühlen zu können. Und so hat er sich bei vielen neuen Tastmodellen mit eingebracht.

Die Ahr-Flut zum Fühlen

Das Tastmodell vom Hochwasser bei der Ahrflut findet Hartmut Streuff besonders gelungen. Er kann eine Kirche und Häuser erfühlen und die kleine Ahr, die dazwischen fließt.

Zwei Hände, die ein Tastobjekt zur Flutkatastrophe im Ahrtal abtasten.

Hartmut Streuff am Tastmodell zur Ahrflut

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Und wenn er eine Kunststoff-Abdeckung herunter klappt, kann er fühlen, wie viele der Häuser während der Flut noch über dem Wasser herausragten.

Geschichte für Gehörlose und in einfacher Sprache

Auch eine Gesamtübersicht in 3D ist entstanden. Für Gehörlose sind die Texttafeln in Gebärdensprache auf rund 60 Monitoren übersetzt. Es soll jetzt eine Ausstellung für alle sein, erhofft sich Projektleiterin Mirjam Manigel, für Museumsbesucher mit Hör- und Sehbehinderungen.

Eine Frau mit braunen Haaren schaut lächelnd in die Kamera.

Projektleiterin Mirjam Manigel

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Und nicht nur das: "Wir haben jetzt neu den Audio-Guide zum Beispiel auch in verständlicher Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten." Sehen, hören, fühlen - Geschichte für alle. Und die Fühlmodelle kämen übrigens auch bei sehenden Menschen ganz gut an.

„Noch 4 Meter bis zum Tastobjekt“

WDR 20.08.2026 00:40 Min. Verfügbar bis 20.08.2028

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Sendung: WDR2, WDR2 für das südliche Rheinland, 19.08.2026, 14:32 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 20.08.2026, 19:30 Uhr

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