Winterhoff-Prozess: Fälle abgetrennt
Bildquelle: IMAGOLokalzeit aus Bonn. 18.06.2025. 01:01 Min.. Verfügbar bis 18.06.2027. WDR.
26 Fälle werden von den ursprünglich angeklagten 36 abgetrennt. Den Beschluss haben die Richter nun verkündet. Somit verhandelt das Bonner Landgericht jetzt nur noch zehn Fälle von gefährlicher Körperverletzung, die der Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff begangen haben soll.
Staatsanwaltschaft beschwert sich
Der Rest soll erst dann wieder auf den Tisch kommen, wenn die Staatsanwaltschaft die übrigen Fälle "ausermittelt" habe. Die legte direkt Beschwerde ein: Wenn nur noch zehn Fälle verhandelt würden, könne kaum geklärt werden, ob es sich um eine Serienstraftat handele und der Angeklagte mit Vorsatz gehandelt habe.
Ein Anwalt der Nebenklage stellte heute außerdem einen weiteren Befangenheitsantrag gegen Richter und Schöffen. Ein erster Antrag dieser Art gegen die gesamte Kammer war vor drei Wochen schon mal zurückgewiesen worden.
Vorwurf: unnötige Medikamentenvergabe
Die Staatsanwaltschaft wirft Michael Winterhoff vor, 36 Kindern und Jugendlichen das Medikament "Pipamperon" dauerhaft verordnet zu haben - ohne, dass es einen medizinischen Grund dafür gab. Die von ihm jeweils angegebene Diagnose „frühkindlicher Narzissmus“ hat er nach Meinung der Staatsanwaltschaft nicht richtig abgeklärt.
Außerdem soll er die Eltern oder andere Sorgeberechtigte nicht ausreichend über die Nebenwirkungen informiert haben. Ihnen erklärte er offenbar, das Medikament mache die Kinder unter anderem "emotional erreichbar". Das ist laut Staatsanwaltschaft wissenschaftlich aber gar nicht nachvollziehbar.
Behandelte leiden - Winterhoff bestreitet Vorwürfe
Stattdessen wirkte das Mittel sedierend und hatte Nebenwirkungen wie starke Gewichtszunahme, Müdigkeit und Bewegungssteifigkeit. Laut einem Opferanwalt würden die Betroffenen bis heute seelisch und körperlich unter den Folgen der Behandlungen leiden.
Die Ermittlungen gegen den Bonner Psychiater hatte unter anderem eine ARD-Dokumentation ins Rollen gebracht, in der es um ruhigstellende Medikamente als Langzeittherapie bei Kindern und Jugendlichen ging. Winterhoff bestreitet die Vorwürfe.
Unsere Quelle:
- Landgericht Bonn