Fünf Jahre nach Explosion : Sorgen um Sicherheit in Leverkusener Anlage
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Am 27. Juli 2021 explodierte im Leverkusener Stadtteil Bürrig direkt neben der Sonderabfallverbrennungsanlage ein Tank mit Chemikalien. Durch die Wucht der Explosion wurden sieben Menschen getötet, 31 erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Es war einer der schwersten Unfälle in der Chemie-Industrie in Deutschland.
Fünf Jahre nach der Explosion steigt heller Rauch aus dem Schornstein der Leverkusener Müllverbrennungsanlage auf. Vor dem Tor stehen Tankfahrzeuge mit Gefahrgutzeichen. In den Tanks befinden sich demnach brennbare, ätzende, umweltgefährdende Stoffe.
Im Entsorgungszentrum Bürrig des Chempark-Betreibers Currenta ist die Sonderabfallverbrennungsanlage wieder komplett in Betrieb. Chemieunternehmen aus der gesamten EU und aus Großbritannien dürfen hier wieder ihre zum Teil hochbrisanten Abfälle verbrennen lassen.
Viele offene Fragen zur Sicherheit in Leverkusen
Erst vor zwei Wochen hatte der nordrhein-westfälische Umweltminister Oliver Krischer (B90/Grüne) einen Bericht zur vollständigen Wiederinbetriebnahme der Anlage an den Landtag geschickt. Für die SPD-Opposition bleiben aber viele Fragen zur Sicherheit ungeklärt. Der Umweltverband BUND hat Oliver Krischer und der Kölner Bezirksregierung, die für die Aufsicht der Anlage zuständig ist, einen langen Fragenkatalog geschickt.
Chempark Leverkusen: Anwohner mit gemischten Gefühlen
Im nahegelegenen Leverkusener Stadtteil Bürrig blicken Anwohner mit gemischten Gefühlen auf den Schornstein, der etwa einen Kilometer entfernt aufragt. "Ich stand auf dem Balkon. Da habe ich eine Flamme gesehen. Plötzlich krachte es und dann kam der schwarze Qualm. Das war sehr beunruhigend", berichtet eine Anwohnerin dem WDR. "Seitdem weiß man nicht so richtig, was sich da in der Anlage getan hat."
Ein Anwohner sagt: "Die werden schon alles tun, dass so etwas nicht noch einmal passiert." Da ist eine Nachbarin ganz anderer Ansicht: "Von so einer Anlage können immer Gefahren ausgehen. Warum steht so etwas in einem so dicht besiedelten Gebiet?", fragt sie. "Da wird Chemieabfall aus ganz Europa verbrannt. So etwas gehört nicht hierher."
Stele erinnert an Opfer der Explosion
Nach der Explosion war für Stunden eine dichte schwarze Rauchwolke über Bürrig gezogen. Es regnete Asche und Flocken von angebranntem Dämmmaterial. Der Rauch war selbst in Dortmund noch wahrnehmbar.
Eine Stele erinnert an die Todesopfer der Chempark-Explosion.
Wenn die Manager des Anlagenbetreibers Currenta im Leverkusener Chempark heute in ihre Unternehmenszentrale wollen, kommen sie am Eingang an einer Stele aus Metall und Stein vorbei. Darauf stehen die Namen der sieben Todesopfer des schweren Unfalls.
Schon wenige Monate nach der Explosion hatte das nordrhein-westfälische Umweltministerium einen Bericht veröffentlicht, in dem die Ursache für die Explosion beschrieben wurde. Demnach hatte Currenta eine Lieferung Abfall aus Dänemark angenommen. Zu diesem Abfall lagen aber nicht alle notwendigen Informationen vor.
Selbsterwärmung löste Explosion aus
So hätten Angaben gefehlt, aus denen hervorgeht, dass die Chemikalien sich zersetzen und sich dabei selbst erwärmen können. Currenta habe zwar der wichtige Hinweis vorgelegen, dass der Abfall temperaturempfindlich ist. Doch diese Information stand den Mitarbeitern an der Verbrennungsanlage laut Umweltministerium nicht vollständig zur Verfügung.
Vor der Verbrennungsanlage warten LKW mit Chemieabfällen aus ganz Europa
Der Abfall wurde in einen Tank an der Verbrennungsanlage gepumpt und dort zu warm gelagert. Dadurch kam die Selbsterwärmung in Gang, eine Kettenreaktion setzte ein. Schließlich explodierte der Tank.
Strengere Regeln für Currenta
Heute, fünf Jahre nach der Explosion, gelten für den Betrieb der Leverkusener Sonderabfallverbrennungsanlage nach Angaben der Kölner Bezirksregierung strenge Regeln: Unter anderem muss Currenta Abfälle genauer überprüfen, bevor sie in der Anlage angenommen werden.
Das gilt insbesondere für Lieferungen von Stoffen, die sich selbst erhitzen oder zersetzen können, schreibt die Kölner Bezirksregierung dem WDR. Sie müssen im Labor überprüft werden.
"Erst nach entsprechender Freigabe dürfen diese Lieferungen in der Anlage angenommen und entsorgt werden." Bezirksregierung Köln
Der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag reichen die Informationen zu den Sicherheitsvorschriften für die Verbrennungsanlage nicht aus. "Da gibt es viele offene Fragen", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses Julia Kahle-Hausmann dem WDR.
"Unter anderem muss der grüne Umweltminister Oliver Krischer dafür sorgen, dass die Sicherheitsregeln auch überprüft werden. Dafür braucht die Bezirksregierung in Köln aber Personal. Das muss der Minister zur Verfügung stellen." Julia Kahle-Hausmann, SPD-Landtagsabgeordnete
BUND will, das häufiger geprüft wird
Laut Kölner Bezirksregierung sind Kontrollen in der Anlage alle ein bis zwei Jahre vorgesehen. "Das reicht bei weitem nicht aus", sagt Paul Kröfges von der Umweltorganisation BUND. "Es muss viel häufiger geprüft werden, ob die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden."
Der BUND will jetzt vor der Landesregierung genau wissen, wie die Sicherheitsregeln aussehen und wie sie durchgesetzt werden sollen.
Currenta hat auf Fragen des WDR zu Konsequenzen aus der Explosion auf einen Bericht von Umweltminister Oliver Krischer an den Landtag verwiesen. Der Bericht enthält die gleichen Aussagen zu verschärften Kontrollen, die auch die Kölner Bezirksregierung dem WDR geschickt hatte.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Julia Kahle-Hausmann
- WDR-Gespräch mit Paul Kröfges
- WDR-Gespräch mit Anwohnenden
- Kölner Bezirksregierung
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Fünf Jahre nach Explosion bei Currenta, 24.07.2026, 4:57 Uhr
