Trockenheit und Hitze haben den Rhein, der eigentlich ein gewaltiger Strom ist, viel schmaler und flacher gemacht. Jetzt hat sich der Fluss durch kräftige Regenfälle vor allem in Süddeutschland von seinen historischen Tiefständen in diesem Sommer etwas erholt. Von Durchschnitts-Pegelständen und einer Güterschifffahrt mit voller Beladung ist der Fluss aber noch weit entfernt - das zeigen die Pegeldaten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.
Niedrigwasser im rheinland-pfälzischen Kaub Mitte August 2026.
Bildquelle: Thomas Frey/dpaDer aktuelle Wasserstand an der besonders flachen Rheinstelle bei Kaub in Rheinland-Pfalz, die für eine durchgehende Schiffbarkeit des Flusses wichtig ist, lag am Sonntag bei 46 Zentimetern. Damit war dieser Wasserstand immer noch deutlich unter dem niedrigsten mittleren Wasserstand der Vergleichsperiode 2010 bis 2020. Der beträgt 65 Zentimeter.
Rheinpegel um Köln legt um 40 Zentimeter zu
Auch andere Rheinpegel lagen inzwischen wieder über ihren zur Monatsmitte gemessenen Tiefständen. Bei Koblenz wurden am Sonntag 34 Zentimeter gemessen, dort war der Wasserstand zuletzt zeitweise bis in den einstelligen Bereich gefallen.
In Köln lag der Pegelstand am Sonntagnachmittag bei 85 Zentimetern. Zum Vergleich: Der Kölner Rheinpegel hatte in der Nacht zum 16. August 2026 ein historisches Rekordtief von nur 45 Zentimetern erreicht.
Auch in anderen NRW-Städten hat der Rhein inzwischen mehr Wasser
In Bonn wurde am Sonntagnachmittag ein Pegelstand von 95 Zentimeter gemessen. Seinen tiefsten Stand im Sommer 2026 hatte er in den Morgenstunden des 7. August mit rund 74 Zentimetern. Damit war der alte historische Tiefstand aus Oktober 2018 mit 81 Zentimetern deutlich unterboten worden.
In Düsseldorf lag der Pegelstand am Sonntagnachmittag bei 45 Zentimetern. Der Wasserstand in der NRW-Landeshauptstadt war am 16. August auf minus fünf Zentimeter gefallen. Damit war er erstmals in der Geschichte in den negativen Bereich gesunken. In Duisburg-Ruhrort betrug der Pegelstand des Rheins am Sonntagnachmittag 185 Zentimeter, in Wesel 120 Zentimeter und in Rees 59 Zentimeter.
Wirkliche Entspannung erst im Herbst
Auch wenn die Rheinpegel steigen: Güterschiffe sind wegen der immer noch niedrigen Wasserstände noch mit nur rund 20 Prozent der sonst üblichen Ladung unterwegs. Darauf wies die Betreibergesellschaft des größten deutschen Binnenhafens Duisburg am Freitag hin. Zwar gehe man von einer leichten Erholung aus, sagt der Hafen-Konzernbevollmächtigte Binnenschifffahrt Joachim Holstein. Eine wirkliche Entspannung werde aber erst "in Richtung Ende September, Anfang Oktober" erwartet.
Binnenschifffahrt auf eigenes Risiko
Der Binnenschiffer Hendrik van Aswege sagte dem WDR, es müsste mindestens eine Woche intensiv regnen, damit Schiffe wieder ungehindert über den Rhein fahren könnten. Dies sei voraussichtlich erst Ende des Jahres wieder möglich. Zum Vergleich verwies van Aswege auf das Rhein-Niedrigwasser im Jahr 2018. Auch damals habe es bis zum Jahresende gedauert, bis Schiffe wieder regulär den Rhein queren konnten. Eine offizielle Freigabe, wann Binnen- und Güterschiffe wieder über den Rhein fahren dürfen, gibt es nicht. "Das ist alles Bauchgefühl und Absprache untereinander und erfolgt auf eigenem Risiko", so van Aswege.
Zeitweise konnten Ende Juli/Anfang August keine Güterschiffe auf dem Rhein verkehren. Um das auszugleichen, griff die Politik ein: Zahlreiche Bundesländer lockerten das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen. In NRW dürfen sie bis zum 30. September sonntags fahren.
Rheinfähren nehmen nach Zwangspause wieder ihren Betrieb auf
Fährt wieder: Rheinfähre zwischen Bad Godesberg und Königswinter-Niederdollendorf.
Bildquelle: WDR / picture alliance / imageBROKER / Stefan ZieseInzwischen fahren die ersten Rheinfähren nach wochenlanger Zwangspause wieder. So etwa in Köln, Düsseldorf, Bonn-Bad Godesberg sowie zwischen Orsoy und Duisburg-Walsum. "Wir waren kurz davor, Kurzarbeit zu beantragen", sagte Jens Jansen, der Betreiber der Rheinfähre zwischen Düsseldorf und Dormagen-Zons (Rhein-Kreis Neuss). Auch die Rheinfähre "Glück Auf" nimmt ihren Betrieb wieder auf. Vor der Nutzung von Fähren sollte man auf der Webseite der Fährenbetreiber nachschauen, ob sie fährt.
Der finanzielle Schaden ist erheblich. So rechnet etwa die Stadt Leverkusen durch den Ausfall der Personenfähre nach Köln mit Einbußen von etwa 30.000 Euro. Wegen des teilweise immer noch recht niedrigen Pegelstandes, können viele Fähren weiterhin keine Wohnmobile oder Transporter befördern.
Unsere Quellen:
- Pegeldaten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
- Nachrichtenagentur dpa
- Nachrichtenagentur AFP
- Bericht von tagesschau.de
- Binnenschiffer Hendrik van Aswege gegenüber dem WDR
- Bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Rheinpegelstände steigen nach Regen langsam, 23.08.2026, 17.02 Uhr