Am 24. Juli 2010 kamen bei dem Techno-Event im Massengedränge im Zugangsbereich am Karl-Lehr-Tunnel 21 Menschen ums Leben, mehr als 500 weitere wurden verletzt. Zum 16. Jahrestag versammeln sich Angehörige, Betroffene, Bürgerinnen und Bürger am Nachmittag an der Gedenkstätte, um der Verstorbenen zu gedenken. Erstmals richtet dabei die Stadt Duisburg die offizielle Gedenkveranstaltung selbst aus.
Stadt übernimmt von aufgelöster Stiftung
Die langjährige Opferstiftung "Duisburg 24.07.2010", die das Erinnern über Jahre hinweg maßgeblich gestaltete, war von Beginn an als eine Einrichtung auf Zeit angelegt und hat sich Ende 2025 planmäßig aufgelöst.
Mit dem Ende der Stiftungsarbeit verändert sich auch das Gedenken vor Ort: Die traditionelle "Nacht der 1.000 Lichter", bei der am Vorabend des Jahrestags hunderte Kerzen den Unglücksort erleuchteten, fand in diesem Jahr nicht mehr statt.
Die "Nacht der 1.000 Lichter" fand zum letzten Mal 2025 statt
Inoffizielle "Nacht der 1.000 Lichter"
Es gab aber am Donnerstag eine inoffizielle "Nacht der 1.000 Lichter". Nicole Ballhause, die als Ordnerin bei der Loveparade eingesetzt war, hat diese mitorganisiert. Sie berichtet von einem Kerzen-Spendenaufruf: "Es kamen Menschen, die haben 50 Lichter mitgebracht!"
Ballhause will auch in den kommenden Jahren dafür sorgen, dass die Nacht stattfindet: "Das gehört zum Gedenken einfach dazu."
Öffentliche Feier am Tunnel und Andacht für Angehörige
Die zentrale öffentliche Erinnerungsveranstaltung findet direkt an der Gedenkstätte im Karl-Lehr-Tunnel statt. Neben Oberbürgermeister Sören Link wird auch der Theologe und freie Redner Stephan Steinberg sprechen. Abseits der Öffentlichkeit wird zuvor in der Duisburger Salvatorkirche ein nicht-öffentlicher Gottesdienst abgehalten, der ausschließlich den Familien und Angehörigen der Todesopfer vorbehalten ist.
Um 17 Uhr, der Unglücksstunde vor 16 Jahren, hat Ulrike Stender, frühere Vorsitzende der Loveparade-Stiftung, 22 Mal die Glocke geschlagen: Für die 21 Toten und einmal für die mehr als 500 Verletzten und Traumatisierten.
Die Gedenkveranstaltung findet am Unglücksort der Loveparade-Katastrophe statt
Gedenkstätte bleibt - Information per QR-Code
Die Gedenkstätte am Karl-Lehr-Tunnel bleibt auch in Zukunft dauerhaft erhalten. Vor Ort angebrachte Infotafeln mit QR-Codes bieten Besuchenden die Möglichkeit, sich direkt per Smartphone über die Geschehnisse des Unglückstags, sowie die nachfolgende Aufarbeitung zu informieren.
Wie das öffentliche Erinnern in Duisburg konkret weitergeführt wird, ist derzeit noch offen. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll die künftige Form des Gedenkens in engem Austausch zwischen der Stadt Duisburg und den Hinterbliebenen abgestimmt werden.
Juristische Aufarbeitung ohne Urteil beendet
Das strafrechtliche Verfahren um die Loveparade-Katastrophe wurde im Jahr 2020 vom Landgericht Duisburg ohne Urteilsspruch eingestellt. Eine rechtliche Schuld konnte keinem der Angeklagten nachgewiesen werden. Eine Geldstrafe wurde gegen die Verantwortlichen ebenfalls nicht verhängt.
Neue Pläne für ehemaliges Festivalgelände
Das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs südlich des Hauptbahnhofs soll sich in ein modernes und grünes Stadtviertel verwandeln. Allerdings verzögert sich das Projekt: Weil seit Corona viel weniger Bürofläche gebraucht wird, muss die Stadt die Pläne erst einmal umgestalten. Der Starttermin für die Bauarbeiten ist deshalb noch unklar.
Die Gedenkstelle bleibt bestehen. Eine Rampe, die zwischenzeitlich von einem Investor schmaler gebaut wurde, könnte wieder erweitert werden. Oberbürgermeister Sören Link: "Wir werden alles mit den Angehörigen abstimmen". Später soll die Rampe das Herzstück einer ruhigen Parkanlage im neuen Quartier werden.