Kakerlaken, Schimmel, Müll: Kaum Besserung im Duisburger Weißen Riesen
Stand:
Kriminalität, Kakerlaken und Schimmel - vor einem Jahr war der Medienrummel vor dem Duisburger Hochhaus "Weißer Riese" groß. Kamerateams auch vom WDR dokumentierten über Tage und Wochen die Zustände im Weißen Riesen. Hat sich inzwischen etwas verbessert? Nach einem Jahr sind wir wieder da.
Auf Etage 13 öffnet uns Manuela Spitzwieser die Tür. Wer ihr Wohnzimmer betritt, sieht sofort die Wand unter ihren Fenstern: Weiß ist die schon lange nicht mehr. Schimmel breitet sich immer weiter aus, berichtet Frau Spitzwieser. "Es ist furchtbar. Sie überlegen sich, ob sie überhaupt noch Besuch empfangen."
Die Kakerlaken sind immer noch da
Nur Meter weiter, vor einem Schrank, standen wir schon vor genau einem Jahr mit ihr. Als sie den Schrank damals nach vorne zieht, sehen wir Dutzende Kakerlaken, die an der Wand entlangkrabbeln. "Den ziehe ich jetzt nicht weg", meint Spitzwieser. "Da bekomme ich nämlich einen Ausraster." Zu groß ist die Sorge, jetzt wieder etwas finden zu können. Während Spitzwieser das sagt, krabbelt eine Kakerlake an ihrem Schrank entlang.
Immer noch Kakerlaken im Weißen Riesen
Das Kakerlakenproblem ist ein Jahr später immer noch nicht gelöst. Zum Schimmel und den Kakerlaken bekommen wir von der Hausverwaltung keine konkrete Antwort. Nur: Man sei grundsätzlich nur für die Allgemeinflächen im Haus zuständig.
Auch Schimmel ist in vielen Wohnungen ein Problem
Also nicht dafür, was in den Wohnungen passiert. Hier seien die Vermieter selbst verantwortlich. Doch auch der Vermieter hat das Problem noch nicht gelöst.
Egal, wer zuständig ist: Eine Lösung für die geplagte Mieterin ist nicht in Sicht. "Man sperrt sich hier ein wie Fort Knox, damit man einigermaßen kakerlakenfrei ist", sagt Spitzwieser.
Die Probleme sind kein Einzelfall
Die Bewohner schützen sich mit Kakerlakenfallen
Kakerlaken und Schimmel dokumentieren wir bei unseren Dreharbeiten auch in anderen Wohnungen. So mancher hat gleich mehrere Kakerlakenfallen in der Wohnung aufgestellt.
Und unten vor der Tür treffen wir Ralf Meyer. Er war mal Hausmeister im Weißen Riesen, erzählt er. Schlimm sei das gewesen. "Weil dieses Haus immer mehr verdreckt", sagt Meyer. "Müll, Kakerlaken, Dreck, Ratten, alles - und nur Ärger."
Wer die Fenster des Weißen Riesen beobachtet, der sieht, wie im Minutentakt Müll aus den Fenstern fliegt. Der Weg zur Tonne scheint vielen Bewohnern zu weit zu sein. Am Nachmittag liegen Müllsäcke, Essensreste und Unrat am Fuße des Hochhauses.
Überall liegen Müllsäcke auf dem Gelände
Die Hausverwaltung teilt auf WDR-Nachfrage mit, es sei beschlossen worden, das Hausmeister- und Reinigungsteam aufzustocken. Nach wie vor scheint sich an den Zuständen aber wenig verbessert zu haben, auch nicht im Treppenhaus. Vor einem Jahr haben wir auch hier schon gedreht. Immer noch riecht es nach Fäkalien. Dreck an den Wänden, den wir schon vor einem Jahr gefilmt haben, ist teilweise immer noch da.
Im Treppenhaus riecht es nach Fäkalien
Was tun die Behörden?
Und nach wie vor fühlen sich viele Bewohner nicht sicher. "Ich gehe ohne meine Hunde nach Möglichkeit gar nicht raus", sagt Spitzwieser.
Im Oktober 2024 haben die Behörden bei einer Razzia am Weißen Riesen 16 Menschen festgenommen. In 59 Fällen hatte der Staat Kindergeld für Kinder gezahlt, die dort gar nicht wohnten. Über 500 Menschen haben die Behörden danach aus dem Weißen Riesen abgemeldet.
In den vergangenen 18 Monaten habe sich die Situation am Weißen Riesen verbessert, schreibt die Stadt dem WDR, unter anderem seien weniger Beschwerden beim Ordnungsamt eingegangen. Für ein Interview wollte sich Oberbürgermeister Sören Link (SPD) keine Zeit nehmen.
Eigentlich hat die Stadt auch eine eigene Taskforce für Problemimmobilien - eine Taskforce, die kommt, wenn Häuser in einem schlechten Zustand sind, die Häuser gegebenenfalls sogar zwangsräumen lassen kann. Bisher im Einsatz am Weißen Riesen war die Taskforce kein einziges Mal.
Sprengung vom Weißen Riesen im Juli
"Das Einzige, was sich verändert hat: Ich hoffe nicht mehr auf die Hilfe der Stadt", sagt Spitzwieser, "Denn da wird definitiv nichts kommen."
Bringt die Sprengung was?
Auch daran, dass die Sprengung des ebenfalls "Weißer Riese" genannten Nachbarhochhauses im Juli etwas geändert hat, glaubt Spitzwieser nicht, auch wenn die Stadt an dessen Stelle einen Park anlegen will. Bleiben will Spitzwieser trotzdem im Weißen Riesen. "Ich bin stur", sagt sie. Auch das hat sich nicht verändert.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Stellungnahme der Hausverwaltung
- Stellungnahme der Stadt