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Bürgergeld-Fall in Witten Welche Konsequenzen der EN-Kreis nun zieht

Stand:

Nach den Vorwürfen gegen das Jobcenter schreibt der zuständige EN-Kreis nun, was falsch gelaufen ist. Etwa zu wenig Kontrolle.

Von Carmen Krafft-Dahlhoff

Der Fall aus Witten hatte in Medien für Aufsehen gesorgt. Aus Angst vor Gewalt musste ein 56-jähriger Syrer drei Jahre lang nicht im Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises erscheinen und nicht mitwirken. Tenor vieler Medien: die Behörde gibt klein bei und schont einen schwierigen Kunden - in diesem Fall ein anerkannter Flüchtling.

Immerhin zeigte sich NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann umgehend "schockiert": Jobcenter-Mitarbeiter hätten ihre Arbeit "nicht rechtskonform" erfüllt aus "Angst vor Leistungsbeziehern". Zwei Wochen später bestätigt der EN-Kreis jetzt seine erste Analyse.

Mitarbeiter des Jobcenters Witten fürchteten um ihre Sicherheit

Den Behörden-Mitarbeitern ist etwas durchgegangen. Vom EN-Kreis heißt es: Man habe eine "angelegte Entscheidung nach Ablauf dieses Zeitraums nicht ausreichend überprüft und korrigiert." Über drei Jahre seien Integrationsbemühungen "unterblieben". Erklärt wird das mit der Überlastung der Behörde besonders seit der Zuständigkeit für Flüchtlinge aus der Ukraine 2022.

Was war im Fall des Syrers passiert? Mitarbeiter des Jobcenters hatten wohl um ihre Sicherheit gefürchtet und "potentielle Gefahrensituationen" nicht provozieren wollten. Nach WDR-Informationen hatte es einen Hinweis vom Bewährungshelfer gegeben.

Jobcenter Witten habe viel getan, um 56-Jährigen zu vermitteln

Laut WDR hatte es gegen den 56-Jährigen von 2020 bis 2025 Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung und Gewalt gegeben. So sollen zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes ihn angezeigt haben, weil er ihnen den Mittelfinger gezeigt haben soll.

Sein Geld - wohl rund 530 Euro Bürgergeld monatlich - soll der Familienvater trotzdem bekommen haben. Die Rückstellung des 56-Jährigen selbst war laut EN-Kreis übrigens rechtskonform. Wenn wichtige Gründe gegen Integrationsbemühungen sprechen, kann dies vorübergehend geschehen. Aber es muss laut Gesetz weiter geprüft werden. "Die Kollegen haben von 2020 bis 2023 sehr viel getan, um den Kunden zu vermitteln", so Ingo Neumann.

Ennepe-Ruhr-Kreis will künftig besser kontrollieren und dokumentieren

Aus Fehlern wollen das Jobcenter Witten und der EN-Kreis gelernt haben. Die "Integrationsarbeit" werde wieder aufgenommen. Der 56-Jährige lebt nach WDR-Informationen in einer Obdachlosen-Unterkunft und Gewalttätigkeiten sind zurzeit nicht bekannt.

Und noch eins will der EN-Kreis besser machen: "Wiedervorlagen, Kontrollen und Dokumentationen" sollen zukünftig "verbindlicher abgesichert" werden. Die Fallzahlen im Jobcenter sind tatsächlich nicht weniger geworden. 250 Fälle bearbeitet ein Mitarbeiter, erfuhr der WDR. Einmal im Jahr muss er jeden Kunden persönlich sehen. Es sei denn, es gibt in Ausnahmefällen Gründe, dies vorübergehend nicht zu tun.

Jobcenter Witten will nach Kritik besser kontrollieren

WDR 16.09.2026 35 Sek. Verfügbar bis 15.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Mitteilung des Ennepe-Ruhr-Kreises
  • vorherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Jobcenter Witten will nach Kritik besser kontrollieren, 16.09.2026, 16:43 Uhr

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