Sport gegen Missbrauchstrauma
Bildquelle: WDR / Dominik HamersWDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 17.07.2028.
Über den wohl schlimmsten Tag in ihrem Leben spricht Emilia Zadrozny nur zögerlich. Sie macht dabei immer wieder Pausen, dann lächelt sie unsicher, wechselt die Blickrichtung. Sie wirkt angespannt. Noch immer leidet die 22-Jährige unter dem schweren sexuellen Übergriff, den sie als Kind erlebt hat.
Sie ist noch immer in Trauma-Therapie. Ihr Ziel: Ein normales Leben ganz ohne Flashbacks und depressive Phasen. Früher, erzählt sie, hätte sie sich wochenlang nicht aus dem Bett bewegt, wenn es ihr schlecht ging. Nicht einmal fünf Kilometer habe sie durchhalten können - auf einem E-Bike.
Emilia will mit ihrer Geschichte und ihrer Motivation auch anderen Betroffenen Hoffnung geben.
Bildquelle: WDRSport als zusätzliches Werkzeug
Doch jetzt sieht das anders aus. Die junge Frau aus Haltern am See hat sich aufgerafft, fest entschlossen, wieder am Leben teilzunehmen. Auf der Suche nach etwas Positivem besann sie sich auf frühere Erfahrungen: "Sport hat mir immer gut getan und geholfen." Ein Anfang war gemacht.
Inzwischen läuft, radelt und schwimmt die junge Frau fast täglich, hat mit Triathlon ein Werkzeug für sich entdeckt, das ihr auf dem Weg zur Heilung helfen soll. Und das für alle sichtbar in den sozialen Medien. Dabei gehe es ihr nicht darum, zu zeigen, wie sportlich oder talentiert sie ist.
Auch ihr Hund Chico ist jeden Tag an Emilias Seite und gibt ihr Kraft.
Bildquelle: WDR"Ich möchte zeigen, dass es wichtig ist, etwas zu tun, das einem guttut." Emilia Zadrozny, Triathletin
Auf ihren Social-Media-Kanälen erzählt sie auch, was passiert ist, spricht darüber, wie es ihr geht, wie sie sich fühlt. Für Dr. Ansgar Koechel von der Uniklinik Münster ist das ein gängiges Verhalten, wie der Ärztliche Leiter der Psychoonkologie sagt.
Dr. Ansgar Koechel sieht die positiven Effekte sich auf Social Media zu öffnen, aber auch die Gefahren.
Bildquelle: WDRKoechel beobachtet den Umgang mit psychischen Erkrankungen in Sozialen Medien, ist außerdem Trauma-Experte. Sport, auch intensiver Sport kann bei der Heilung helfen, sagt er, "so lange er in einem gesunden Rahmen ist und zum Beispiel keine zu große Belastung für Muskeln und Gelenke ist."
Gefahr von Selbstöffnung in Sozialen Medien
Doch der Mediziner sieht auch Gefahren in der Selbstöffnung auf den sozialen Medien. Das sei für traumatisierte Menschen zwar eine Möglichkeit, außerhalb eines professionellen Umfelds über Erlebtes zu sprechen. "Aber in diesem Moment machen sich Menschen angreifbar und von der Reaktion ihres Gegenübers abhängig."
Emilia Zadrozny sagt, dass sie bisher überwiegend positive Reaktionen bekommen habe. Sie selbst habe sich von Betreiberinnen anderer Accounts dazu ermutigen lassen, offen über ihre Situation zu sprechen.
"Vielleicht gibt mein Kanal ja auch mal jemandem den Mut. Und wenn es nur eine Person ist." Emilia Zadrozny, Triathletin
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit Emilia Zadrozny
- Gespräch mit Dr. Ansgar Koechel
Sendung: WDR.de, Sport gegen Missbrauchstrauma, 20.07.2026, 8:15 Uhr
