Sicherheitstraining für Zugbegleitende in Essen
Bildquelle: WDR/Kyra PreußLokalzeit aus Duisburg . 10.03.2026. 03:12 Min.. Verfügbar bis 10.03.2028. WDR. Von Jennifer Kerkhoff.
"Also, ich komm' auf dich zu." Kampfsport-Trainer Dominik Fischer nähert sich Zugbegleiter Boris Lorenz nur ein kleines Stück. Schnell nimmt dieser die Hände nach oben und stoppt seinen potenziellen Angreifer in der Bewegung. "Genau, sehr gut", lobt ihn der Trainer.
Bei der Schulung in einer Bahn ganz in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs geht es darum, dass die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter lernen, wie sie reagieren, wenn sie in einer brenzligen Situation mit Worten nicht mehr weiterkommen. "Wenn Deeskalation nicht mehr wirkt, dann hilft es nicht, sich klein zu machen", sagt Kampfsport-Trainer Jörg Aschemann.
Mitarbeiter sollen lernen, sich zu schützen
Deshalb zeigen sie, wie man Angreifer mit einfachen Mitteln stoppen kann und wie wichtig es dabei ist, schnell zu reagieren. Auch Gökhan Kilic macht beim Kurs mit: "Ich finde es wichtig , dass wir Mitarbeiter uns schützen können. Ich wurde schon beleidigt, ich wurde geschubst, ich wurde angefasst, obwohl ich das nicht möchte." Das passiere etwa einmal die Woche.
Zug als besonderer Übungsort
Angeboten wird das Sicherheitstraining von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, kurz EVG. Dass das Training dieses Mal in einem Zug stattfindet, ist eine Besonderheit, sagt Benjamin Köster von der Gewerkschaft.
"Normalerweise findet so ein Training in einem Seminarraum statt, aber dieses Mal hat uns die Bahn einen Zug zur Verfügung gestellt", sagt Köster. "Das ist natürlich für das Gefühl nochmal was ganz anderes. Da hat man einen Sitz im Weg, man stößt sich den Kopf. Das ist viel realistischer."
Zugpersonal fühlt sich immer unsicherer
Sicherheitstrainings für Zugpersonal werden immer wieder angeboten. Auch von der Bahn selbst, sagt Benjamin Köster: nicht erst seit dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz. "Wir merken, dass die Nachfrage da ist." Nach einer gestern veröffentlichten Umfrage der EVG fühlen sich zwei Drittel der Mitglieder immer unsicherer im Job. Im Vergleich zur Sicherheitsumfrage von 2024 hat sich das Sicherheitsempfinden der Zugbegleiter verschlechtert. Ein knappes Drittel zieht sogar in Betracht, den Beruf zu wechseln.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG
- Gespräche mit Teilnehmern des Sicherheitstrainings
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 10.03.2026, 09.31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 10.03.2026, 19.30 Uhr