Carmen Egberts mit ihren beiden Söhnen Julian und Daniel.

Carmen Egberts wünscht sich für ihre Söhne mehr Offenheit in der Gesellschaft.

Bildquelle: Carmen Egberts

Frauenclub in Werl Kampf für eine Gesellschaft ohne Gewalt

Stand:

Eine Welt ohne Unrecht und Gewalt – das ist die große Vision eines Frauen-Service-Clubs aus Werl. Deswegen sammelt er Erfahrungen von Betroffenen. Eine Mutter zweier behinderter Söhne berichtet von Diskriminierung und Ausgrenzung.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Franziska Reinl

Wenn Carmen Egberts früher mit ihren beiden Söhnen durch die Stadt gelaufen ist, hat sie sich gefühlt, als wäre sie "mit zwei karierten Zebras unterwegs". Sie wurden angestarrt oder man ging ihnen aus dem Weg. Denn: Daniel und Julian sind schwer behindert.

Mutter behinderter Söhne erlebt Diskriminierung und Ausgrenzung

Heute steht Carmen Egberts darüber. Sie ist stolz auf ihre Söhne, die 25 und 29 Jahre alt sind, und die beiden sind zufrieden mit ihrem Leben. Doch es gab schwere Zeiten: Immer wieder kam die Familie in Situationen, in denen sie sich nicht willkommen fühlte oder schräg angeschaut wurde.

Ausstellung zum Orange Day in Werl 2025

Bei der ersten Aktion des Soroptimist-Clubs Werl haben über 30 Frauen und Mädchen von Unrecht und Gewalt berichtet.

Bildquelle: WDR / Reinl

Einmal musste die 62-Jährige sogar mit erleben, wie ihr Sohn Daniel beleidigt wird, weil er das Downsyndrom hat. "Er war auf einer Hüpfburg und auf einmal sind alle anderen Kinder um ihn herum gehüpft und haben ein sehr beleidigendes Lied gesungen", erinnert sich die Psychotherapeutin.

Gewalt zeigt sich in verschiedenen Formen

Handgreiflich ist Carmen oder ihren Söhnen gegenüber nie jemand geworden. "Aber ich höre davon, von anderen Eltern und von anderen Menschen mit Behinderung." Gewalt haben sie aber trotzdem erlebt - in anderen Formen. "Es sind diese subtilen Formen von emotionaler Gewalt”, erklärt Carmen Egberts.

Eine blonde Frau sitzt auf einer Bank.
"Aus Unsicherheit durften unsere Kinder gar nicht erst in Sportvereine oder sich mit anderen Kindern zum Spielen verabreden." Carmen Egberts aus Soest

Sie berichtet von Missachtung und Ausgrenzung. In einem Restaurant sei die Familie mal nicht willkommen gewesen. Teilweise seien auch Freundschaften daran kaputt gegangen. Menschen warfen ihr vor, sie hätte doch vor der Geburt einen Test machen können, ob ihre Söhne gesund sind.

"Öffnet eure Türen und Herzen"

Lange habe Carmen Egberts diese Ausgrenzung traurig gemacht, aber auch wütend und verzweifelt, sodass sie sich zurückgezogen hat. Aber immer dort, wo sich eine Tür verschlossen hat, habe sich eine Neue geöffnet. Deswegen kämpft die 62-Jährige weiter.

Soroptimist international...

... ist ein weltweites Netzwerk von Frauen, die sich ehrenamtlich für die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen einsetzen. Der Name setzt sich aus den lateinischen Wörtern soror (Schwester) und optima (das Beste) zusammen. Das bedeutet so viel wie das Beste für Frauen.

Frauenclub aus Werl will Gewalt verhindern

Geschichten wie die von Carmen und ihren Söhnen gibt es Unzählige. Das will der Soroptimist-Club aus Werl ändern. "Wir wollen ein Bollwerk gegen immer neues Leid und Unrecht bilden", erklärt Bärbel Bettin-Wille aus dem Club.

Eine Frau hält ein Plakat für eine Mitmach-Aktion

Ein Frauenclub aus Werl startet eine Initiative gegen Gewalt und ruft dazu auf, Erfahrungen einzusenden.

Bildquelle: WDR / Reinl

Deswegen startet die Gruppe zum zweiten Mal eine Mitmach-Aktion und ruft alle Menschen auf, von ihren Erfahrungen mit Unrecht oder Gewalt zu berichten. Egal ob Mann, Frau oder queer und egal welches Alter.

Betroffene sollen eine Stimme bekommen

25 Einsendungen sind bereits gekommen. Darunter beispielsweise eine Transperson, die aus ihrer Nachbarschaft Morddrohungen bekommen hat, ein Mann, der jahrelang von seiner Mutter kleingemacht wurde und Frauen, die von Übergriffen und Missbrauch berichten.

"Wir müssen verhindern, dass so schlimme Dinge passieren. Denn einige Schäden lassen sich nicht mehr reparieren." Dr. med. Bärbel Bettin-Wille, Soroptimist Club Werl

Mit der Aktion will der Werler Frauenclub Betroffenen eine Stimme geben und Gewalt schon in der Kindheit stoppen. Bis zum 10. September können sich Betroffene anonym per Post oder Mail an Bärbel Bettin-Wille wenden. Am 19. November werden die Einsendungen in der Sekundarschule Werl ausgestellt.

Werler Frauenclub startet eine Initiative gegen Gewalt

WDR 06.09.2026 1 Min. 16 Sek. Verfügbar bis 04.09.2028

Unsere Quellen

  • Soroptimist-Club Werl
  • WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Werler Frauenclub startet eine Initiative gegen Gewalt, 06.09.2026, 05:30 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Soest

1 / 2