Punkt 11 Uhr war es soweit: Sprengmeister Artur Feitenheimer gab das Kommando – "Drei, zwei, eins, Zündung!“ – und der Stahlkoloss fiel planmäßig in sich zusammen. Übrig blieb ein riesiger Haufen aus Schutt und Metallschrott. Jetzt heißt es aufräumen, und das kann Monate dauern.
Komplexe Vorbereitungen für Sprengung
Diese Sprengung war deutlich anspruchsvoller als die der Schornsteine. Die bestanden größtenteils aus Beton, dadurch ließ sich besser vorausberechnen, wie sie fallen. Das ehemalige Kesselhaus dagegen bestand aus jeder Menge Stahlträgern, Kesselanlagen, Plattformen, Laufstegen und Rohrleitungen. Deshalb wurde der über 100 Meter hohe Stahlkoloss schon Monate vorher teilweise zerschweißt – überall dort, wo es von außen möglich war.
Auf der Fläche soll ein großer Industriepark enstehen
Direkt nebenan laufen bereits moderne Projekte zur Energiegewinnung: Klärschlamm wird zur Energiegewinnung verbrannt, und in großen Hallen speichern ausrangierte Auto-Akkus Strom, um Schwankungen im Netz auszugleichen.
Ende einer Ära in Elverlingsen
Im Februar 2024 wurde bereits der Kühlturm in Werdohl-Elverlingsen gesprengt.
Bildquelle: WDR/Claudia RoelvinckÜber ein Jahrhundert lang prägte der Standort im Lennetal die Energieversorgung der Region. Seit 1912 wurde hier Strom produziert, zuletzt in den mächtigen Steinkohle-Blöcken E3 und E4. Doch mit der Energiewende kam schrittweise das Aus: 2014 wurde der erste Block abgeschaltet, im März 2018 folgte die endgültige Stilllegung und damit das Aus von Strom durch Kohle im Lennetal.
Werdohl macht Platz für die Zukunft
Relikte des alten Kohlekraftwerk-Areals in Elverlingsen hinter einer Absperrung
Bildquelle: WDR/Heiko DolleSeit der Übernahme des Areals durch den Schrotthändler Thorsten Amsbeck im Jahr 2024 schritt der Abbruch zügig voran. Der 106 Meter hohe Kühlturm fiel im Februar 2024, die beiden über 200 Meter hohen Schornsteine folgten im Jahr darauf. Auf der nun frei werdenden Fläche soll ein moderner Industriepark entstehen und neue Arbeitsplätze schaffen.
Ganz ohne Energie geht es am Standort aber auch künftig nicht: Auf dem Gelände arbeiten weiterhin ein innovativer Großbatteriespeicher sowie eine Klärschlammverbrennungsanlage.
Unsere Quellen:
- Firma Amsbeck
- Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Kesselhaus am alten Kraftwerk Elverlingsen wird gesprengt, 25.09.2026, 5:17 Uhr