Bundesweite Schülerdemos gegen die Wehrpflicht

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WDR 47 Sek. Verfügbar bis 25.09.2028

Weniger Teilnehmer als erwartet Bundesweite Schülerdemos gegen die Wehrpflicht

Stand:

In vielen Städten haben heute Schülerinnen und Schüler gegen eine Wehrpflicht und künftige Pflichtmusterungen protestiert.

In mehr als 80 Städten in ganz Deutschland hat am Freitag das Aktionsbündnis "Schulstreik gegen Wehrpflicht" zur Teilnahme an Demonstrationen aufgerufen. In NRW verabredeten sich laut Veranstaltern Schülerinnen und Schüler aus 25 Städten zu Kundgebungen. An manchen Orten im Land blieb die Teilnehmerzahl allerdings stark hinter den Erwartungen zurück.

Wenige Teilnehmer in Duisburg und Krefeld

In Krefeld hatte der Veranstalter bei der Polizei etwa 200 Demo-Teilnehmer angemeldet. Am Platz der Wiedervereinigung hatten sich kurz nach offziellem Demo-Beginn um 10 Uhr aber nur rund 30 Personen eingefunden - darunter nur wenige Schüler. In Duisburg wurden nur knapp 20 Teilnehmende gezählt. Laut WDR-Reporter vor Ort gehörte die Hälfte der Anwesenden zum Organisationsteam.

Eine Gruppe Menschen steht für einem Großen Gebäude. Neben ihnen steht ein kleiner blauer Wagen mit einem Poster auf dem steht "Die Reichen wollen Krieg".

Am Duisburger Hauptbahnhof hat sich eine Gruppe getroffen, um zu demonstrieren.

Bildquelle: WDR/Julian Schildheuer

In Düsseldorf fanden an diesem Morgen zwei Demonstrationszüge statt: Beim größeren der beiden zogen um 11 Uhr immerhin etwa 60 der angemeldeten 80 Teilnehmer vom S-Bahnhof Derendorf los. Ziel des "Schulstreik"-Abelegers in der Landeshauptstadt war es, an sechs Schulen entlang des Demo-Weges weitere Protestierende einzusammeln.

Ein Banner beim Schulstreik in Aachen mit der Aufschrit: "Wir sterben nicht in euren Kriegen"

Schulstreikende in Aachen

Bildquelle: WDR / Betty Meiritz

Aus Aachen meldeten WDR-Reporter dafür mehr als 100 Teilnehmer - überwiegend Schülerinnen und Schüler. In Bielefeld kamen rund 350 Streikende zusammen.

Angst und Enttäuschung bei jungen Demonstrierenden

In Düsseldorf fand der sogenannte Schulstreik bereits zum vierten Mal statt. Die Angst, dass die Welt gerade auf einen "dritten Weltkrieg" zusteuere, hätte ihn auf die Demo gebracht, erklärt der 19-jährige Bela beim ersten Stopp des Demozuges vor dem Düsseldorfer Leibniz-Gymnasium.

Ein junger Mann steht zwischen anderen Streik-Teilnehmern auf einer Straße.

Demoteilnehmer Bela ist es sehr wichtig, sich gegen den Krieg zu positionieren.

Bildquelle: WDR / Benedikt Walter

Außerdem wolle er seine Solidarität mit allen Gleichaltrigen zeigen, die künftig von einem verpflichtenden Musterungsverfahren der Bundeswehr betroffen seien.

Eine junge Frau steht zwischen anderen Teilnehmern des Streiks an einer S-Bahn-Haltestelle.

Charlotte aus Düsseldorf nahm ebenfalls an dem Schulstreik teil.

Bildquelle: WDR / Benedikt Walter

Die 20-jährige Charlotte aus Düsseldorf glaubt, dass an diesem Schulstreik weniger Schülerinnen und Schüler teilnahmen, weil sie frustriert seien, dass es nun doch früher zu Zwangsmusterungen käme, als von der Politik ursprünglich angekündigt worden war. "Das war ein Dämpfer für die meisten Jugendlichen", erklärt sie im Gespräch mit dem WDR. "Wir haben gesehen: Wir sind auf die Straße gegangen. Das hat aber gar nichts gebracht."

"Wieso sollen wir für ein Land in den Krieg ziehen, das so wenig in uns investiert?" Hannes Ermert, Landesschüler*innenvertretung NRW

Zu den Demonstrationen hatte unter anderem auch die "Landesschüler*innenvertretung NRW" aufgerufen. Deren Sprecher betont den hohen Frust vieler jungen Menschen im Land mit den politisch Verantwortlichen - besonders mit Blick auf das aus Sicht seines Verbandes "systematische Zusammensparen" bei Bildung und Kultur.

Verpflichtende Musterung ab Jahrgang 2008

Das Ende 2025 im Bundestag verabschiedete neue Wehrdienstgesetz sieht eigentlich vor, dass erst ab Juli 2027 junge Männer in Deutschland wieder verpflichtend gemustert werden müssen. Allerdings hat die Bundeswehr bereits jetzt damit begonnen, volljährige Männer zur Musterung zu laden. Wie der Nachrichtensender n-tv berichtet, seien laut Verteidigungsministerium seit Juli dieses Jahres fast 1.000 junge Männer zur Musterung geladen worden.

Im Juni hatte die Bundeswehr noch erklärt, dass man die Zahl der Bewerber für den Dienst an der Waffe habe steigern können: Seit dem Start des neuen Wehrdienstes Mitte Januar habe es nach eigenen Angaben ein Bewerberplus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gegeben.

Von den für junge Männer verpflichtenden Fragebögen der Bundeswehr wären rund 96 Prozent fristgerecht beantwortet worden. Mehr als jeder fünfte männliche Befragte habe darin Interesse an einem Dienst bei den Streitkräften signalisiert.

Auch Linksextreme bei Demo anwesend

Unterstützt werden die Demonstrationszüge auch von vielen linken Gruppierungen. So wehten in Düsseldorf an diesem Morgen unter anderem Flaggen der sozialistischen "Internationalen Jugend" und des Jugendverbandes "Rebell" der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD). Letztere wird vom Verfassungsschutz beobachtet und dem linksextremen Spektrum zugeordnet.

Anlässlich der letzten "Schulstreiks" im Mai erklärte Johannes Schorn aus dem Landesvorstand des LSV NRW dazu, es könne niemand gehindert werden, sich zu engagieren. "Was mir wichtig ist, zu betonen: Es ist dezentral organisiert", so Schorn. Die Schulstreik-Komitees an den einzelnen Schulen seien unabhängig.

Auch der NRW-Verfassungsschutz konstatierte im Mai die "Beeinflussung durch Linksextremisten". Neben der MLPD beobachte die Behörde auch Mobilisierungsaufrufe von Organisationen wie die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) und der Deutschen Kommunistische Partei (DKP).

Bundesweite Schülerdemos gegen die Wehrpflicht

WDR 1 Min. 4 Sek. Verfügbar bis 25.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Gespräche der WDR-Reporter mit Demonstrationsteilnehmern
  • Gespräche der WDR-Reporter mit Landeschüler*innenvertretung NRW

Sendung: WDR.de, Bundesweite Schülerdemos gegen die Wehrpflicht, 25.09.2026, 15:40 Uhr

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