Martin Vincentz, AfD, beim parteitag in Marl

Krise in der Partei AfD-Bundesvorstand fordert Abbruch des NRW-Parteitags

Stand:

Der Streit um den AfD-Listenparteitag vom vergangenen Wochenende eskaliert. Der Bundesvorstand hat eine Krisensitzung abgehalten und fordert den Abbruch. Am Freitag wurde die Wahl zur Landtagsliste in Marl zunächst fortgesetzt.

Am Sonntag hatten Gegner des AfD-Landeschefs den Parteitag blockiert. Zuvor waren auf die Liste zur Landtagswahl 2027 fast ausschließlich Kandidierende aus dem Lager des Landeschefs aufgestellt worden.

Deshalb hatten vor allem rechtsextreme Kräfte aus dem selbsterklärten "patriotischen Lager" beschlossen, Sand ins Getriebe des Parteitags zu schütten. 21 Listenplätze waren zu dem Zeitpunkt gewählt - sie garantieren bei den aktuellen Umfragewerten ein sicheres Landtagsmandat nach der Wahl 2027.

Als am Sonntag Platz 22 aufgerufen wurde, nominierte das patriotische Lager fast 100 Kandidaten. Die Folge: Am Sonntag konnte wegen der daraus folgenden, stundenlangen Vorstellung der Platz nicht abschließend gewählt werden.

Hinter der Aktion wurde vor allem der stellvertretende Bundeschef der AfD, Sven Tritschler, vermutet. Dieser hatte eine Chatgruppe gegründet, in der die massenhafte Kandidatur koordiniert wurde.

Vincentz spricht von "Antifa-Auswüchsen" in der AfD

Ein Vemittlungsverfahren zwischen den Lagern scheiterte am Mittwoch nach wenigen Minuten. Landeschef Martin Vincentz setzte daraufhin ein Schreiben an den Bundesvorstand auf und griff darin Parteichefin Alice Weidel an.

Martin Vincentz, Landessprecher / Fraktionsvorsitzender AfD NRW

Martin Vincentz bei der Listenaufstellung der AfD am 10.07.2026 in Marl

"Wir sind darüber hinaus fassungslos, dass eine Bundessprecherin sich nicht klar von derartigen undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen distanziert", schrieb er im Namen seines NRW-Vorstandes.

Am Donnerstagabend hat es deshalb eine Krisensitzung des AfD-Bundesvorstandes gegeben. Dort haben die Anhänger Weidels eine deutliche Mehrheit gegenüber ihrem Co-Chef Tino Chrupalla - er wird von Vincentz unterstützt.

Abbruch wegen vermeintlicher Drohungen gefordert

Nach der Sitzung einigte man sich auf einen Brief mit einer deutlichen Bitte an den größten Landesverband. Darin heißt es: "Der Bundesvorstand fordert den Landesvorstand auf, unmittelbar nach der Fortsetzung der Versammlung darauf hinzuwirken, dass diese wegen der existierenden Risiken abgebrochen wird."

Begründet wird dies mit vermeintlichen Drohungen gegen Delegierte, wenn sie die falschen Kandidaten wählen würden. Davon wurden mehrere von den Betroffenen am Sonntag zu Protokoll der Sitzung gebracht, aber nicht belegt. Der Vorstand um Weidel und Chrupalla sieht darin aber eine Gefahr für die Rechtmäßigkeit der bisherigen Wahlen.

Eigentlich sollte es am Freitag in Marl weiter gehen. Vincentz-Gegner hatten dazu weitere Blockaden angekündigt, der Landeschef Vincentz dagegen zeigte sich davon bisher unbeeindruckt.

Lösung trotzdem nicht in Sicht

Auch jetzt ist nicht mit einer Lösung zu rechnen. Landeschef Vincentz hat in einem Brief an den Bundesvorstand einen Abbruch aus rechtlichen Gründen abgelehnt. "Der von Ihnen geforderte Weg führt genau in das Debakel, das Sie angeblich abwenden wollen", so Vincentz an Parteichefin Weidel. Damit meint er die Gefahr, die AfD könne durch den Machtkampf um die Liste und daraus entstehender Formfehler nicht zur Wahl zugelassen werden.

Aus dem Bundesvorstand ist von einem Alleingang des NRW-Landeschefs die Rede, allerdings heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass es nicht zu einem Abbruch kommen wird.

Es sei damit zu rechnen, dass man über den Abbruch abstimmen lasse, aber es dafür keine Mehrheit gibt und die Wahlen fortgesetzt würden. In diesem Fall wären dem Bundesvorstand die Hände gebunden - selber den Stopp der Versammlung anordnen kann er rechtlich nicht. Dann könne er lediglich den NRW-Landesvorstand absetzen, was jedoch ein schwerwiegender Eingriff und parteirechtlich mehr als umstritten wäre.

Gottschalk kritisiert Bundesvorstand

Der stellvertretende Landessprecher der NRW-AfD, Kay Gottschalk, sagte im WDR, er gehe nicht von einem Abbruch des Listenparteitages aus, das gehe aus rechtlichen Gründen nicht. Er stellte die Frage, "ob der Bundesvorstand hier deutlich seine Legitimität" überschritten habe. Die Blockade komme aus den Reihen des Bundesvorstands, konkret nannte er Sven Tritschler.

Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk war bis Anfang Juli einer von drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD. Er wurde auf dem Bundesparteitag in Erfurt vom NRW-Landtagsabgeordneten Sven Tritschler abgelöst.

AfD Spitze fordert: NRW-Landesparteitag abbrechen

WDR 16.07.2026 01:17 Min. Verfügbar bis 15.07.2028 WDR Online

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AfD in NRW: Machtkampf auf dem Parteitag

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.07.2026 08:27 Min. Verfügbar bis 17.07.2027 WDR 5

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Quellen:

  • Informationen des WDR-Reporters
  • Brief Martin Vincentz
  • Mitteilung des AfD-Bundesvorstands
  • Bisherige WDR-Berichterstattung über den AfD-Listenparteitag
  • WDR-5-Interview mit Kay Gottschalk

Sendung: WDR.de, "AfD-Spitze fordert: NRW-Landesparteitag abbrechen", 16.7.2026, 20.54 Uhr

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