NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) sieht "große Erfolge" beim Artenschutz in Nordrhein-Westfalen. Allerdings seien 45 Prozent aller Arten weiter auf den roten Listen der bedrohten Arten, sagte er am Donnerstag bei der landesweit ersten Artenschutzkonferenz in Düsseldorf. Krischer wollte mit der eintägigen Konferenz Ehrenamtliche und Behörden zusammenbringen, die sich für den Erhalt von Pflanzen und Tieren engagieren.
Zuvor fast ausgestorbene Tierarten wie Weißstorch, Feldhamster und Seeadler hätten "wieder positive Bestandstendenzen", sagte der Minister. "Das zeigt eben: Artenschutz lohnt sich." Krischer betonte aber, dass es beim Artenschutz weiter große Herausforderungen gebe.
Krischer: Invasive Arten nicht Hauptproblem
Umweltminister Krischer berichtete, dass er schon als Jugendlicher für den Artenschutz engagiert war
Bildquelle: WDRKrischer sprach auch über die Gefahr für Flora und Fauna durch "fremde Arten". Diese invasiven Arten bedrohten heimische Tiere und Pflanzen. Der Minister nannte als Beispiel den "Waschbär und die asiatische Hornisse". Der zuständige Abteilungsleiter im Ministerium, der frühere Nabu-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck, brachte es auf den Punkt: "Nicht alle Arten machen Spaß."
In Nordrhein-Westfalen fremde Arten seien aber "nicht die zentrale Bedrohung unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt", so Krischer. Nach wie vor seien das menschliche Wirtschaften und der Flächenverbrauch das größte Problem.
Artenschutz in NRW | WDR aktuell
Bildquelle: WDRWDR. 1 Min. 50 Sek.. Verfügbar bis 03.09.2028.
Vorführung am Rande der Konferenz: Insekten liegen unter Mikroskop
Bildquelle: WDRDer NRW-Umweltminister gab an, dass die schwarz-grüne Koalition biologische Stationen aber auch Landwirte weiter beim Artenschutz unterstützen wolle. Insgesamt fördert das Land derzeit 65 große Arten-Hilfsprogramme. Bei der Konferenz wurden Schutzprojekte zum Beispiel zur Flussperlmuschel, zu Tagfaltern und Edelkrebsen und zu Libellen vorgestellt.
Die Maßnahmen reichen nach Angaben des NRW-Umweltministeriums "vom Anlegen spezieller Laichgewässer für Amphibien über den Bau von Nistplätzen bis hin zur Zucht und Auswilderung seltener Fische".
Lob und Kritik von Umweltverband
Holger Sticht, Vorsitzender BUND NRW
Bildquelle: BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen"Licht und Schatten wechseln sich ab", sagt Holger Sticht vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW. Das international bedeutende Wisent-Wiederansiedlungsprojekt sei vom Land beendet worden. Zudem sei ein zweiter Nationalpark für NRW vorerst gescheitert. "Weil es an dem nötigen konsequenten Regierungshandeln mangelte", so BUND-Landeschef Sticht.
Auf der anderen Seite habe Krischer in Zeiten knapper Landeshaushalte den Naturschutzetat gehalten beziehungsweise "leicht erhöhen können", so Sticht, "wenn auch nicht entsprechend des Koalitionsvertrags". Darin hatten CDU und Grüne versprochen, den Naturschutzhaushalt des Landes zu verdoppeln. Der BUND-Landeschef weiter: "Zahlreiche Artenschutzprojekte wurden weitergeführt oder neu unterstützt." Lobend erwähnt er das neue Programm Biologische Vielfalt.
"Beim Artenschutz schmückt der Minister sich mit bestehenden Prestigeprojekten, schaut aber nicht nach vorne", sagt der SPD-Umweltexperte im Landtag, René Schneider. Invasive Arten wie die asiatische Hornisse würden zum Problem für die heimische Artenvielfalt. Wenn Krischer es ernst meine mit der Biodiversität, "muss er auch erklären, wie NRW mit diesen aufziehenden Herausforderungen umgeht". Dazu müsse man politisch arbeiten, statt nur Konferenzen abzuhalten. Der SPD-Abgeordnete rügte zudem Kürzungen im Haushaltsplan 2027.
Unsere Quellen:
- Krischer und Tumbrinck bei Konferenz in Düsseldorf
- Krischer im WDR-Interview
- Sticht und Schneider auf WDR-Anfrage
Sendung: WDR Aktuell, Artenschutz in NRW , 03.09.2026, 12:45 Uhr
