CDU-Politiker Jens Spahn
Spahns Leihmutter-Debatte : Der Zorn der NRW-Frauenunion
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Als der Gesprächstermin in seinem Wahlkreis Paderborn anberaumt wurde, ahnte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann noch nicht, dass ihn der Zorn der Frauenunion treffen würde. Die geplante Unterhaltung zur Familienpolitik mit dem zugeschalteten NRW-Vorstand bekam durch die Debatte um Leihmutterschaft rund um den amtierenden Unionsfraktionschef Jens Spahn eine ganz andere Wendung als gedacht.
Besonders die Respektlosigkeit, mit der die Debatte geführt werde, stört die NRW-Vorsitzende der Frauenunion, Heimat- und Bauministerin Ina Scharrenbach. Die Art und Weise der Diskussionsführung sei in Teilen "völlig unterirdisch", sagte Scharrenbach dem WDR auf Anfrage vor der geschlossenen Sitzung am Montag, zu der der CDU-Generalsekretär zugeschaltet wurde. So, wie die Diskussion geführt werde, sei sie der Sache, aber auch der Familie und den Personen gegenüber respektlos. Dennoch betont die NRW-Vorsitzende: "Wir haben natürlich in Deutschland das Verbot der Leihmutterschaft aus guten Gründen und wir diskutieren das als Christdemokraten auch aus guten Gründen genau so."
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Genau das stört die anwesenden Politikerinnen: Spahn habe diese Position für sich selbst so ausgelegt, wie es ihm passe. Die Frauenunion, wie die gesamte Union, sei beim Thema Leihmutterschaft ganz klar, sagt Colette Röder-Möhring, Kreisvorsitzende der Frauenunion in Köln und auch Mitglied im Bundesvorstand der Frauenunion.
Die Position haben die Frauen 2024 auf Bitte des damaligen Oppositionsführers und heutigen Kanzlers Friedrich Merz zunächst als Positionspapier ausgearbeitet. Die CDU hatte auf Grundlage dieses Papiers erst im Februar auf ihrem Bundesparteitag beschlossen, am Verbot der Leihmutterschaft festzuhalten - ausdrücklich auch bei sogenannten altruistischen Modellen - ohne Bezahlung.
"Und die zweite Facette ist die Frage der Glaubwürdigkeit, dass man einerseits als Partei so was vertritt und früher auch als Politiker und dann das über die USA umgeht." Colette Röder-Möhring, Vorsitzende Frauenunion Köln
Vielleicht, meinen auch andere Anwesende am Eingang, vielleicht sei das Thema der Leihmutterschaft von den Männern in der Union lange Zeit nicht ernst genug genommen worden. Natürlich könne sie auch menschlich nachvollziehen, was da in Jens Spahn vorgegangen sei, meint die stellvertretende Landesvorsitzende der Frauenunion, Elke Duhme. Dennoch glaubt sie nicht, dass der Diskurs, der jetzt losgegangen ist, irgendetwas aufweichen könnte in der Haltung der Union zum Thema Leihmutterschaft.
Die Position der Frauenunion stärker an die Spitze
Wünschen würden sich viele Frauen an diesem Abend lediglich, dass die oder der Nachfolger des Fraktionschefs auch die Position der Frauenunion stärker vertritt. Ein konstruktiver Austausch mit Generalsekretär Linnemann sei da schon ein Anfang. Ob der aus ihrer Sicht ein geeigneter Nachfolger von Spahn als Fraktionsführer sei oder aber die Bundesvorsitzende der Frauenunion, Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) - darüber will an diesem Abend niemand spekulieren. "Aber als Frauenunion freuen wir uns immer, wenn mehr Frauen in der CDU in Toppositionen kommen", sagt eine Teilnehmerin hinter vorgehaltener Hand.
Unsere Quellen:
- Treffen der Frauen Union NRW am 20.07.26
- Interviews und Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 5, Westblick, 20.07.2026, 17:04 Uhr
