VHS out? Finanznot der Volkshochschulen

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Aktuelle Stunde 26.08.2026 24 Min. 9 Sek. UT Verfügbar bis 26.08.2028 WDR Von Cedrik Pelka

Yoga, Sprachkurs und Co. Volkshochschulen unter finanziellem Druck

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Viele Kommunen ächzen unter ihrer Finanzlast. Das spüren auch die Volkshochschulen. Besonders drastisch ist es in Düsseldorf, dort sollen Stunden wegfallen. Andere Städte erhöhen die Gebühren.

Seit Anfang des Jahres gibt Alena Metzler Yoga-Workshops an der Kölner Volkshochschule (VHS). Für die 45-Jährige ein "echter Glücksgriff", wie sie sagt. Sie freut sich auf das neue Semester, das im September startet. Neben ihrer Tätigkeit als Honorarkraft ist sie mit ihrem eigenen Yogastudio selbstständig. "Ich finde, die VHS ist wirklich eine ganz wichtige Begegnungsstätte", sagt Metzler. Sie beobachtet, dass die Gruppen gemischter sind als etwa im Yogastudio. "Hier können Leute in Bereiche reinschnuppern, die sie sich sonst nicht zugetraut hätten."

Doch viele Volkshochschulen bekommen derzeit wegen der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen den Kostendruck zu spüren, berichtet der VHS-Landesverband.

Celia Sokolowsky, Vorstandsvorsitzende der VHS-NRW
"Unser Verband nimmt in diesem Sommer erstmals wahr, wie stark die Kommunen dort sparen müssen, wo es den Volkshochschulen auch wehtut." Celia Sokolowsky, Vorstandsvorsitzende VHS-Landesverband

Hinzu kommen Gesetzesänderungen auf Bundesebene, wodurch es beispielsweise zu Einschränkungen bei Integrationskursen kommt, sowie die nicht erhöhten Förderungen durch das Land, so der Verband.

Der NRW-Landtag hatte im Zuge der Novellierung des Weiterbildungsgesetzes im Sommer 2021 eigentlich beschlossen, die Zuweisung an die Volkshochschulen jährlich um zwei Prozent zu erhöhen. Doch schon für 2025 sei dieses Plus halbiert worden, für 2026 habe es gar keine Erhöhung gegeben, heißt es vom Landesverband.

Konkret fordert er vom Land, eine regelmäßige Erhöhung der Zuschüsse von drei Prozent einzuführen. Zusätzlich solle es eine einmalige Dynamisierung um fünf Prozent geben, als Ausgleich für die vergangenen zwei Jahre.

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW teilt auf WDR-Anfrage mit, sich im kommenden Haushalt für eine Erhöhung der Dynamisierung einzusetzen. Die Entscheidung darüber liege jedoch beim Landtag. Darüber hinaus verweist das Ministerium auf verschiedene Förderprogramme für Weiterbildungseinrichtungen.

Düsseldorf streicht Stunden

Bis dahin müssen die Kommunen ihre Volkshochschulen finanziell auffangen. Doch angesichts klammer Kassen sehen sich viele Städte unter Druck. Als kommunale Pflichtaufgabe sind die VHS zwar nicht von Schließungen bedroht, dennoch kann sich die Finanznot der Kommunen auf deren Bildungsauftrag auswirken. Ein besonders drastisches Bild zeigt sich aktuell bei der Düsseldorfer VHS: Diese streicht ihr Programm zumindest vorerst zusammen. Dadurch will die Stadt im zweiten Halbjahr etwa 350.000 Euro an Honoraren für Lehrende einsparen.

Im linken Teil des Bildes sieht mein ein braunes Gebäude, rechts vorne ein schwarzes Schild mit der Aufschrift VHS.

Auf WDR-Anfrage teilt die Stadt mit, dass die Anpassungen im Kursangebot "ausgewogen" gestaltet werden sollen, sodass gewährleistet werde, "dass die Einsparungen nicht einseitig einzelne Fachbereiche oder Angebotsformen treffen und das vielfältige Bildungsprofil der Volkshochschule Düsseldorf in seiner Breite erhalten bleibt."

Kurs findet nicht mehr statt

Offenbar sind auch Sprachkurse betroffen, wie beispielsweise ein Japanisch-Kurs. Über fast zwei Jahre hinweg besuchte die 31-jährige Jenia diesen Kurs zur Vorbereitung auf ihre Weltreise. Dass der Kurs nach den Sommerferien gestrichen werden solle, sei ein großer Schock für sie und die anderen Kursteilnehmer gewesen. Per Mail haben sie davon erfahren, erzählt sie: "Wir dachten, das ist ein schlechter Scherz".

Volkshochschulen in Finanznot

WDR Studios NRW 25.08.2026 34 Sek. Verfügbar bis 24.08.2028 WDR Online

Sie seien als Gruppe bereits zusammengewachsen: "Es sind Freundschaften entstanden", sagt Jenia. Für sie ist die Entscheidung, das Kursangebot der VHS zu kürzen, nicht nachvollziehbar.

Mann sitzt in einem Stuhlkreis und wirft einer in der Mitte stehenden Frau einen Ball zu

Kurs "Zivilcourage und Gewaltprävention" an der VHS Köln

Bildquelle: dpa Picture-Alliance / Rolf Vennenbernd

Ähnlich sieht es auch die Leiterin der Volkshochschule in Köln, Marie Batzel. Kürzungen bei den Honoraren und damit auch im Kursangebot seien dort ausdrücklich nicht geplant. "Je größer unser Bildungsangebot ist, umso besser ist das für die kommunalen Finanzen", erläutert Batzel. Denn erst durch das Kursprogramm und die Teilnehmerbuchungen ließen sich überhaupt Einnahmen generieren.

Das bestätigt Celia Sokolowsky vom VHS-Landesverband. Derzeit werden in vielen Kommunen noch Spardebatten geführt. Dabei gehe es vor allem um die Frage, wie permanente Kosten gesenkt werden können. Laut Sokolowsky könnten beispielsweise langfristige Einsparungen erzielt werden, indem Stellen nicht nachbesetzt und Räumlichkeiten nicht weiter angemietet werden. Auch sei denkbar, dass sich die Volkshochschulen von bestimmten Bereichen trennen, von denen man wisse, dass sie hohe Kosten verursachen.

Sind VHS heute noch zeitgemäß?

Doch welche Rolle spielen Volkshochschulen noch in Zeiten, in denen sich Wissen jederzeit über Online-Tutorials selbstständig erwerben lässt? "Volkshochschulen sind auch Begegnungsorte und Orte des Dialogs", sagt Sokolowsky. "Man geht dorthin, um etwas zu lernen, aber vielleicht auch, um Leute zu treffen, die gleiche Interessen haben."

Auch VHS-Kursteilnehmerin Jenia ist überzeugt von dem Konzept: "Es gibt wenig Orte in der Stadt, wo man so herzlich willkommen ist."

Einige Städte erhöhen Gebühren

Dennoch geraten diese Orte unter Druck, wie auch in Mönchengladbach. Dort gilt seit Juli eine Haushaltssperre. Das heißt: "Alles, was nicht gesetzliche Pflichtaufgabe ist, dürfen wir nicht machen", sagt VHS-Leiter Thomas Erler. Das könne etwa zu Einschnitten bei Investitionen führen. Kurseinsparungen seien bisher aber von keiner Seite gefordert worden. "Man muss erkennen, dass Bildung wichtig ist für Demokratie und Gesellschaft, und dass an Bildung zu sparen die falsche Idee ist", sagt Erler.

Auf eine Erhöhung der Teilnehmergebühren konnte die VHS Mönchengladbach bislang verzichten. Anders sieht es bei den Volkshochschulen Nordkreis Aachen und Rhein-Erft aus. In Gronau gilt seit kurzem eine neue Gebührenordnung. Laut der Stadt wurden die Gebühren zum August um zehn Prozent erhöht. Für einen Kurs mit 12 Terminen bedeutet das etwa für Sprach- und EDV-Kurse einen Anstieg von bisher 91 Euro auf 102 Euro.

Frauen beim Yoga-Unterricht

Auch für die VHS Meerbusch wird aktuell in den städtischen Gremien eine Gebührenerhöhung um fünf Prozent diskutiert. Und die VHS Gütersloh hat ihre Gebühren im Zuge der Haushaltskonsolidierung schon im Herbst 2025 erhöht.

Auch wenn in Köln bislang keine Kürzungen oder Gebührenerhöhungen geplant sind - Yogalehrerin Alena Metzler findet: "Aus meiner Sicht wird da am falschen Ende gespart, wenn man Leuten Kurse nicht mehr zugänglich macht, die für Körper, Geist und Seele wichtig sind."

Unsere Quellen:

  • Interview mit Celia Sokolowsky, Vorstandsvorsitzende des VHS-Landesverbandes
  • Interview mit Alena Metzler, Yoga-Lehrerin an der VHS Köln
  • Interview mit Kursteilnehmerin an der Düsseldorfer VHS
  • Interview mit Thomas Erler, Leiter der VHS Mönchengladbach
  • Interview mit Marie Batzel, Leiterin Kölner VHS
  • Anfrage Stadt Düsseldorf
  • Anfrage Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW

Sendung: WDR.de, Volkshochschulen in Finanznot, 26.08.2026, 05.01 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.08.2026, 18.45 Uhr

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