Landtag live · NRW gedenkt der Flutkatastrophe 2021

Lokalzeit 14.07.2026 59:32 Min. UT Verfügbar bis 14.07.2028 WDR Von Jochen Trum

Flut-Gedenkstunde im Landtag Trauer, Dank und eine Mahnung für die Zukunft

Stand:

Die Flut hat tiefe Wunden hinterlassen. Im NRW-Landtag wurde der Opfer gedacht, Helfern gedankt und über Lehren gesprochen..

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Spitzen des Landes NRW der Opfer gedacht. An der Gedenkstunde im Düsseldorfer Landtag nahmen am Dienstagnachmittag Angehörige und Betroffene sowie Helferinnen und Helfer, Vertreter von Kommunen, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Hilfsorganisationen teil.

Steinmeier: "Fünf Jahre sind eben nicht lang genug"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Gedenkveranstaltung im Landtag

Steinmeier: "Sie sind nicht allein."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte sich in seiner Rede an seinen Besuch in den zerstörten Orten wenige Tage nach der Flut. Damals sei das Ausmaß der Verwüstung erst sichtbar geworden: zerstörte Häuser, aufgerissene Straßen und Schlamm in Kellern, Küchen und Kinderzimmern. 49 Menschen starben in Nordrhein-Westfalen, 136 in Rheinland-Pfalz. Hinter jeder Zahl stehe ein Mensch, eine Familie und eine Geschichte. Den Angehörigen versicherte Steinmeier: "Sie sind nicht allein."

Ausführlich würdigte der Bundespräsident die enorme Hilfsbereitschaft. Freiwillige seien aus dem ganzen Land mit Schaufeln, Werkzeug oder Lebensmitteln in die Flutgebiete gekommen. Einsatzkräfte hätten bis zur Erschöpfung Menschen gerettet, Dämme gesichert und Eigentum geschützt. Die Katastrophe habe gezeigt, dass Deutschland in der Not ein starkes und solidarisches Land sei.

"Wo Wasser trennte, hat Menschlichkeit verbunden." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Zugleich mahnte Steinmeier, die Flut als Warnung zu verstehen. Extremwetter werde häufiger und heftiger. Zwar seien Warnsysteme verbessert und der Katastrophenschutz gestärkt worden, Deutschland und Europa seien aber noch nicht ausreichend vorbereitet. Den Menschen, die in jener Nacht alles verloren hätten, schulde die Politik bessere Vorsorge und entschlossenen Klimaschutz. Als Symbol der Hoffnung nannte Steinmeier einen neuen Weinberg in Erftstadt-Blessem. Auf einer Stele dort steht: "Wo Wasser trennte, hat Menschlichkeit verbunden."

Wüst: "Es muss besser werden als vorher"

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht bei der Gedenkveranstaltung im Landtag

Wüst: "Es muss besser werden als vorher."

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach von tiefen Wunden, die die Flut hinterlassen habe. Für die Menschen in den betroffenen Regionen gebe es ein Davor und ein Danach. Als Sinnbild erinnerte er an das Pressefoto "Er schöpft": Es zeigt einen Mann, der Schlamm aus dem Keller seines Hauses trägt. Das Bild stehe für Erschöpfung und Leid, aber auch für den Willen, weiterzumachen.

Wüst dankte den Einsatzkräften, Hilfsorganisationen und freiwilligen Helfern. Er erinnerte an Treckerkolonnen, an Spenden in Millionenhöhe und an Menschen, die ohne persönliche Verbindung in die betroffenen Orte kamen. Diese Unterstützung habe den Betroffenen Kraft gegeben und den Wiederaufbau entscheidend vorangebracht.

"Ich verneige mich vor allen, die ihre Herzen für die Betroffenen geöffnet haben." Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU)

NRW habe zunächst 300 Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt, später seien von Bund und Ländern mehr als zwölf Milliarden Euro für den Wiederaufbau im Land zur Verfügung gestellt worden. Krankenhäuser seien instand gesetzt, Sportplätze wieder geöffnet und Kindergärten neu errichtet worden. Der Wiederaufbau bleibe jedoch eine langfristige Aufgabe. Dabei dürfe zerstörte Infrastruktur nicht einfach nur wie zuvor errichtet werden: "Es muss besser werden als vorher." Auch Wüst forderte mehr Klimaschutz und eine bessere Vorbereitung auf Starkregen, Hitze und andere Extremwetterlagen.

Müller-Bück schildert die Flutnacht

Claudia Müller-Bück, Pfarrerin und Superintendentin, spricht bei der Gedenkveranstaltung im Landtag

Müller-Bück: "Teil der Geschichte geworden."

Superintendentin Claudia Müller-Bück berichtete als Vertreterin der Evangelischen Kirche in der besonders betroffenen Voreifel-Region persönlich von der Flutnacht in Swisttal-Heimerzheim. Als Wasser und Schlamm auf die Kirche zuliefen und der Notruf nicht erreichbar war, bat sie über soziale Netzwerke um Hilfe. Wenig später kamen erste Helfer. Eine Turnhalle wurde zur Notunterkunft, die Kirche wurde zu einem Zentrum für Lebensmittel, Kleidung, Strom, Ruhe und die Koordination der Hilfe.

"Wir sind nicht dieselben wie vorher." Superintendentin Claudia Müller-Bück

Die Flut sei Teil der Geschichte der betroffenen Orte geworden, sagte Müller-Bück. Geblieben seien Trauer und erschütternde Erinnerungen, aber auch "Zuversicht und Zusammenhalt".

Kuper: Fehler dürfen sich nicht wiederholen

Landtagspräsident André Kuper spricht bei der Gedenkveranstaltung im Landtag

Kuper: "Wollen nicht, dass diese Fehler noch einmal passieren."

Landtagspräsident André Kuper betonte in seiner Rede, Leid, Trauer und Traumata ließen sich anders als Pegelstände oder wirtschaftliche Schäden nicht messen. Er dankte den Einsatzkräften und Helfenden, die den Betroffenen auch Jahre später noch zur Seite stünden. Kuper erinnerte zugleich an Versäumnisse während der Katastrophe. Die Fehler seien im parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet worden und dürften sich nicht wiederholen. Die Erinnerung an die Opfer sei deshalb auch ein Auftrag, künftig besser vorbereitet zu sein.

"Die Zeit heilt lange nicht alle Wunden." Landtagspräsident André Kuper
57 Kerzen für 57 Todesopfer der Flut in oder aus Nordrhein-Westfalen, brennen bei der Gedenkveranstaltung des Landtags und der Landesregierung zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Landtag.

Im Landtag brannten Kerzen für die Todesopfer der Flut

Gemeinsam war den vier Reden die Botschaft, dass die Opfer und das Leid der Betroffenen nicht vergessen werden dürfen. Zugleich verbanden die Redner das Gedenken mit einem Auftrag: aus den Fehlern von 2021 zu lernen, den Katastrophenschutz zu verbessern und das Land besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Hoffnung schöpften sie vor allem aus dem Zusammenhalt, den die Menschen während der Flut und beim Wiederaufbau gezeigt hätten.

Unsere Quelle:

  • Gedenkveranstaltung im NRW-Landtag

Sendung: WDR, Landtag live - NRW gedenkt der Flutkatastrophe 2021, 14.07.2026, 16:05 Uhr

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